Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Neurochirurgie
Leitung: Prof. Dr. Joachim Oertel
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Grundlagen zu funktionellen stereotaktischen Eingriffen

Aus anatomischen und neurophysiologischen Untersuchungen der letzten 100 Jahre sind die Gehirnabschnitte für die Planung und Ausführung von Bewegungen sowie Verarbeitung von Wahrnehmungen wie Sehen, Hören, Tasten, Riechen und den Schmerz bekannt. Diese befinden sich in wohl definierten Abschnitten des Hirnmantels (Cortex) und in tief liegenden kleinen Schaltkernen, die über Bahnen mit den entsprechenden Arealen des Cortex oder mit dem Rückenmark verbunden sind. Die Idee der funktionellen Stereotaxie besteht darin, gezielt bestimmte kleine Schaltkerne oder Verbindungsbahnen auszuschalten, und so auf einen sehr kleinen Raum mit geringer Verletzung sehr effektiv auf die Bewegungen oder auf die Schmerzverarbeitung Einfluss zu nehmen. Die Lage dieser Schaltkerne und Bahnen ist aus speziellen anatomischen Atlanten bekannt und kann in Kernspinbildern des Patienten bestimmt werden. Da die Strukturen, die man erreichen muss sehr klein sind und von Bohnen- bis hin zur Reiskorngröße reichen, ist eine sehr genaue Berechnung und eine  mechanisch äußerst präzise Einführung der Sonde zu dem gewünschten Zielpunkt notwendig. Große Bedeutung kommt dabei auch der intraoperativen Kontrolle zu. Diese erfolgt durch wiederholte Überprüfung der Elektrodenposition in Röntgenbildern, ferner durch Registrierung der Zellentladung mit Mikroelektroden und durch Beobachtung der Reizeffekte hervorgerufen durch elektrische Stimulation an der Mikroelektrodenspitze. Das stereotaktische Verfahren wurde vor   70 Jahren für Behandlung von funktionellen Störungen entwickelt und weltweit zwischenzeitlich an über 100 000 Patienten  erfolgreich angewandt. Ursprünglich wurde eine kleine Läsion im Zielpunkt gesetzt. Seit etwa 20 Jahren werden nicht-destruktive und reversible Stimulationsverfahren mit implantierten Elektroden wegen der geringeren Nebenwirkungen bevorzugt. Da die Zielpunkte für die Läsion und für die Stimulation dieselben sind, muss man davon ausgehen, dass die Stimulation für die Zeit der Reizung die Aktivität oder Übertragen der Impulse unterdrückt. Auch die Berechnung hat sich zwischenzeitlich von invasiven Methoden mit Punktion und Kontrastmittelfüllung der Hirnkammern hin zu nicht invasiven CT/MR-Verfahren auf Computer-Planungsstationen weiterentwickelt.

 

Abb.7

 

Die Zielstrukturen  hängen von der Art der Erkrankung ab. Ein wichtiger Zielpunkt zur Behandlung des reinen Zitterns (Tremor) ist der VIM Kern (Ncl. ventralis intermedius) des Thalamus. Die blaue Linie in Abbildung 7 zeigt den Zugang und die Spitze den Zielpunkt im VIM Kern des Thalamus in einem frontal Hirnschnitt. Wenn bei Morbus Parkinson neben dem Tremor auch Steifigkeit (Rigor), unkontrollierte Bewegungen (Hyperkinesen) oder Bewegungseinschränkung (Akinese) vorliegen, denn werden alle diese Symptome am wirkungsvollsten  in einem kleinen Kern zwischen dem Thalamus und dem Mittelhirn ausgeschaltet, dem sog. STN (Ncl. subthalamicus).

 

Diese Eingriffe erfordern eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie. Dies betrifft die Auswahl der geeigneten Kandidaten, die neurologische und elektrophysiologische Testung während der Operation sowie die Nachbetreuung mit Umstellung der Medikamente und Feinjustierung der Stimulationsparameter. Am UKS wird dies durch regelmäßige wöchentliche Treffen der behandelnden Neurochirurgen und  Neurologen  gewährleistet.

Kontakt Stereotaxie

Neurochirurgisches Team:

OÄ Dr. med. Dörthe Keiner
Tel: 06841-1614450
E-Mail: Doerthe.Keiner @uks.eu

Prof. Dr. med. Peter Grunert
Tel: 06841/16 24451 oder 06841/16 24100
E-Mail: Peter.Grunert @uks.eu

Anmeldung zur Aufnahme:
Sr. Susanne Mathieu
Tel: 06841/16 24421

Neurologisches Team:
Prof. U. Dillmann, PD J. Spiegel, OA J. Bürmann
erreichbar über Parkinsonambulanz
Tel: 06841/16 24138
oder EMG  06841/16 24116