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11.06.2021
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Präklinische Studie: Mediziner finden vielversprechenden Ansatz für Covid-19-Therapie mit bekanntem Lungenmedikament

Bestimmte genetische Fehler führen beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel dazu, dass im Körper zu wenig AAT hergestellt wird, so dass in der Folge wiederum die Regulation anderer Eiweiße nicht mehr richtig funktioniert. So hemmt AAT im Körper unter anderem die Aktivität der so genannten „Transmembranprotease Serin 2“, kurz TMPRSS2.

Dies ist ein Enzym, das in der Lunge und vielen anderen Organen gebildet wird und für die Aktivierung des SARS-CoV2-Virus notwendig ist. „In früheren Studien hat man bereits nachgewiesen, dass AAT in der Lage ist, TMPRSS2 zu hemmen“, erklärt Robert Bals, Professor für Pneumologie, Allergologie, Beatmungs- und Umweltmedizin an der Universität des Saarlandes und Direktor der Klinik für Innere Medizin V am Universitätsklinikum. „Darüber hinaus wussten wir, dass bei Covid-Patienten auch ein relativer Mangel an Alpha-1-Antitrypsin herrscht“, so der Fachmann für Lungenheilkunde weiter.

Bals und sein Team haben daher an neun Patientinnen und Patienten mit mittelschwerem Krankheitsverlauf im Rahmen eines Heilversuchs untersucht, ob AAT-haltige Medikamente eine klinische Wirkung haben. Darüber hinaus haben sie die Wirkung von AAT auf die Hemmung des TMPRSS2-Proteins im Zellmodell gemessen. „Das Virus hat sich im Zellmodell messbar weniger vermehrt, wenn die AAT-Konzentration erhöht wurde“, erläutert Robert Bals. Auch die neun Patienten in der präklinischen Studie haben alle überlebt und sind inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Patienten aus einer Vergleichsgruppe hatten einen schlechteren klinischen Verlauf.

Robert Bals weist darauf hin, dass diese Ergebnisse nicht mit einer großen klinischen Studie gleichzusetzen sind und auch keinesfalls eine Therapie gegen Covid-19 versprechen; die Erkenntnisse böten einen Ansatz, den man weiter verfolgen könne. Sicher sei jedoch: „Das Protein AAT wirkt gegen Sars-CoV-2. Nun müssen weiter klinische Studien folgen, um eventuell eine wirksame Therapie gegen die akute Krankheit zu entwickeln.“

 

 

 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. Robert Bals
Tel.: (06841) 16 - 1 50 51
E-Mail: robert.bals(at)uks.eu

Innere Medizin V des UKS

 

Originalpublikation:
Therapeutic Application of alpha-1-antitrypsin in COVID-19, American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, https://doi.org/10.1164/rccm.202104-0833LE

 

An der Fachveröffentlichung mitgewirkt haben Forscher der Inneren Medizin/Lungenheilkunde unter Leitung von Prof. Robert Bals in Homburg/Saar (Dr. Christian Herr, PD Dr. Christoph Beisswenger, Prof. Philipp Lepper, Praneeth Chitirala PhD, Felix Ritzmann PhD) und Virologen in Homburg/Saar (Prof. Sigrun Smola), weiterhin Prof. Frank Lammert/ Innere Medizin (mittlerweile in Hannover), sowie Biologen aus Göttingen und Mediziner aus Israel und Shanghai, China.