Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Innere Medizin III - Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin
Leitung: Prof. Dr. Michael Böhm
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Was ist die renale Denervation?

Abb.1 - Schematische Darstellung der Nierenarterienanatomie inklusive Nierenarteriendenervationskatheter und sympathischen Nervenfasern.
Abb.1 - Schematische Darstellung der Nierenarterienanatomie inklusive Nierenarteriendenervationskatheter und sympathischen Nervenfasern.
Abb.2 - Nierenarteriendenervation unter Röntgenkontrolle
Abb.2 - Nierenarteriendenervation unter Röntgenkontrolle

Die renale Denervation bezeichnet ein Verfahren, bei welchem die Aktivität der sympathischen Nervenfasern reduziert wird. Die Grundsätze der renalen Denervation sind bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entdeckt worden. Bereits in den 1950er Jahren galt die operative Durchtrennung der sympathischen Nervenfasern als Reserveverfahren zur Behandlung eines therapieresistenten Bluthochdrucks. Durch diesen nebenwirkungsreichen, chirurgischen Eingriff konnten drastische Blutdrucksenkungen erzielt werden. Die radikale, Durchtrennung dieser Nerven führte jedoch sehr häufig zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Schwindel, kurzfristige Bewusstlosigkeit, Inkontinenz, Potenzstörungen und Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt.

 

Seit 2010  ist es jedoch möglich die Stressnervenfasern der Niere durch ein minimal-invasives, kathetergestütztes Verfahren gezielt zu veröden und damit auszuschalten (auch „Ablation“ genannt). Momentan stehen 6 CE-zertifizierte Kathetersysteme zur renalen Denervation zur Verfügung (Medtronic® Symplicity/Spyral, St Jude® EnligHTN, Vessix® The V2,  Terumo® Iberis, Cordis® Renlane und Recor® Paradies (siehe Abbildungen unten)). Dazu wird über einen Zugang im Bereich der Leiste oder am Handgelenk unter Röntgendurchleuchtung ein Ablationskatheter in die Nierenarterien eingebracht, über welchen nachfolgend Ablationsenergie (z. B. Hochfrequenzstrom oder Ultraschall) abgegeben werden kann. Hierdurch werden die netzartig um das Nierengefäß verlaufenden Stressnervenfasern verödet und somit die Aktivität des gesamten Stressnervensystems des Körpers reduziert. Die Prozedur dauert etwa 45 Minuten und wird an beiden Nierengefäßen durchgeführt. Während der Prozedur ist der Patient wach und erhält eine örtliche Betäubung im Bereich der Punktionsstelle. Da die zu verödenden Stressnervenfasern von Schmerzfasern begleitet werden, treten während des Eingriffs kurzzeitig und nur für die Dauer der der Verödung Schmerzen auf.  Daher besteht während des Eingriffs auch immer eine Schmerzbehandlung. In der Regel kann der Patient das Krankenhaus bereits einen Tag nach dem Eingriff verlassen. Im Anschluss an den Eingriff erfolgen regelmäßige Nachuntersuchungen, in der Regel alle 3 bis 6 Monate im ersten Jahr nach dem Eingriff. Im Rahmen der Nachsorge wird der Behandlungserfolg kontrolliert und falls notwendig, die medikamentöse Bluthochdrucktherapie angepasst. Zudem werden die Nierengefäße und die Nieren mittels Ultraschall untersucht, um eine Veränderung nach der renalen Denervation auszuschließen.

 

Der Eingriff ist als risikoarm anzusehen und vergleichbar mit dem einer Herzkatheteruntersuchung.