Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
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Implantatgetragener festsitzender Zahnersatz

Implantatgetragener festsitzender Zahnersatz

Auch bei völliger Zahnlosigkeit ist festsitzender Zahnersatz möglich. Zahnimplantate ersetzen hierbei die verlorengegangenen Zähne als künstliche Zahnwurzeln. Zur ausreichenden Abstützung und Verankerung des Zahnersatzes müssen hierfür genügend Implantate in entsprechender Position in den Kiefer eingebracht werden. Zur Versorgung des zahnlosen Oberkiefers werden 6-8 Implantate benötigt; im Unterkiefer lediglich 4-6 Implantate. Anschließend werden die Implantate mit Kronen- und/oder Brückenkonstruktionen versorgt, die festsitzend oder kombiniert festsitzend/herausnehmbar gestaltet werden können im Sinne einer teleskopierenden Brückenkonstruktion (siehe Teleskopprothese). Durch modernste CAD/CAM- Technologien (CAD= Computer Aided Design, CAM= Computer Aided Manufacturing) können heute auch hochpräzise Brückenkonstruktionen, die über den gesamten Zahnbogen reichen, hergestellt werden. Durch Verschrauben der Brücke auf den Implantaten, kann diese jederzeit vom behandelnden Zahnarzt wieder entfernt werden, sodass man hier von bedingt festsitzendem Zahnersatz spricht. Als Aufbauteile werden hier meist individuelle Titan- oder Zirkondioxidabutments bzw. Hybridabutments, bestehend aus einer Titanbasis mit verklebtem Keramikteil, verwendet. Analog zur Versorgung von eigenen Zähnen mit Kronen- oder Brückenkonstruktionen können hier metallische, metalllfreie keramische oder eine Kombination beider Werkstoffe verwendet werden. Aufgrund der hohen Präzision der Implantataufbauteile werden bei der Versorgung von Implantaten mit Zahnersatz wegen der höheren Passgenauigkeit computergestützt konstruierte und gefräste (CAD/CAM-Verfahren) Restaurationen aus entsprechenden Werkstoffen bevorzugt. Die Kronen und Brücken können fest zementiert oder bedingt abnehmbar auf den Implantaten verschraubt werden. Als Maximalkonzept wäre auch eine Versorgung mit Einzelzahnimplantaten denkbar; d.h. jeder verlorengegangene Zahn wird durch ein Implantat plus Krone ersetzt. Ob sich der finanzielle und zeitliche Aufwand hierfür lohnt und nicht den Nutzen im Sinne einer Überbehandlung des Patienten übersteigt, muss vorher besprochen und abgewogen werden.

Behandlungsablauf

Um die richtige Implantatposition zu ermitteln und das vorhandene Knochenangebot beurteilen zu können, wird der Kiefer klinisch und röntgenologisch untersucht und vermessen. Vorhandener Zahnersatz kann hierbei hilfreich sein und zur Herstellung einer Röntgenmess- bzw. Bohrschablone für die Implantate herangezogen werden. Der weitere Behandlungsablauf (Implantatinsertion und Zahnersatzversorgung) richtet sich nach der Art des geplanten Zahnersatzes und entspricht den bereits an anderer Stelle beschriebenen Vorgehensweisen (siehe Behandlungsablauf von Brücken- und Implantatversorgungen im einfachen Lückengebiss).

Kleine Werkstoffkunde

Verschraubte Brücken

Neben der konventionellen Versorgung von Implantaten mit Brücken, die auf Implantataufbauten (Implantatabutments) zementiert werden, besteht die Möglichkeit die Implantate bedingt herausnehmbar mit Brücken zu versorgen, die direkt auf das Implantat ohne Zwischenteil verschraubt werden. Das Entstehungsrisiko einer Entzündung um die Implantate herum (zementassoziierte Periimplantitis), die durch den Verbleib von überschüssigen Zementresten unter dem Zahnfleisch hervorgerufenen wird,  entfällt somit. Kauflächenwärts (okklusal) befindet sich der Zugang zum Schraubenkanal, der vom Zahnarzt mit Kunststoff verschlossen wird und jederzeit wieder eröffnet werden kann, um die Versorgung herunterzunehmen. Die Brücke ist fest im Mund eingegliedert und kann nur vom Zahnarzt wieder entfernt werden (bedingt herausnehmbarer Zahnersatz). Verschraubte Brücken werden unter Verwendung modernster CAD/CAM-Technologien aus massiven Titan- oder Kobalt-Chrom-Blöcken gefertigt. Die besonders homogene und porenfreie Brückengerüste werden anschließend durch Keramik oder Kunststoff zahnfarben verblendet.





Vor- und Nachteile

Haltbarkeit
gute bis sehr gute Prognose
Mundhygiene wie bei eigenen Zähnen
Kaukomfort

Tragekomfort durch grazilere Gestaltungsmöglichkeit im Vergleich zu

implantatgetragenen Deckprothesen (gaumenfreie Gestaltung im OK)

Implantat erhält Knochen
keine Karies möglich


operativer Eingriff erforderlich mit entsprechenden Risiken (Aufklärung erfolgt vor

Eingriff durch behandelnden Zahnarzt)

Entstehung einer Entzündung um die Implantate (Periimplantitis) bis hin zum

Implantatverlust

aufwändiger, wenn Knochen- /Membranaufbau oder Sinus Lift erforderlich
initial höhere Kosten
körperliche Belastung
sehr zeitintensiv aufgrund Einheilphasen

Kontakt- /Ansprechpartner

Prof. Dr. F. P. Nothdurft
Oberarzt der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde

Telefon

0 68 41 - 16 - 2 49 03
Telefax

0 68 41 - 16 - 2 49 52
E-Mail

frank.nothdurft @uks.eu

Quellenangaben

Fachliteratur

  • Curriculum Prothetik (J.R. Strub, J.C. Türp, S. Witkowski, M. B. Hürzeler, M. Kern) - 3., überarbeitete und erweiterte Auflage - Quintessenz, 2005.
  • Die prophylaktisch orientierte Versorgung mit Teilprothesen (P. Pospiech) - 1. Auflage - Thieme, 2001.
  • Zahnärztliche Prothetik (W. Gernet, R. Biffar, N. Schwenzer, M. Ehrenfeld) - 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage - Thieme, 2007.
  • Lehrbuch der zahnärztlichen Prothetik (R. Marxkors) - 5., überarbeitete und erweiterte Auflage - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2010.
  • Taschenbuch der Zahnärztlichen Werkstoffkunde (R. Marxkors, H. Meiners) - 5., überarbeitete und ergänzte Auflage - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2001.
  • Oxidkeramiken und CAD/CAM-Technologien (J. Tinschert, G. Natt) - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2007.
  • Nothdurft F.P., Propson M., Spitzer W.J., Pospiech P.R.: Implantatgetragene Versorgung eines ausgedehnten Resektionsdefektes der Maxilla – Ein mehrstufiges Therapiekonzept. Schweiz Monatsschr Zahnmed 118: 827-834 (2008)
  • Verschiedene Leitlinien und Stellungnahmen der DGZMK.
  • Bildatlas zur Patienteninformation in der Zahnarztpraxis „Zahnärztliche Prothetik“ (P. Rammelsberg, P. Pospiech) -  Spitta, 2005.

Copyright/Abbildungsnachweis

Alle Illustrationen wurden vom Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde erstellt und sind somit urheberrechtlich geschützt. Die Übernahme, Weiterverwendung und Veröffentlichung bedarf in jedem Fall der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Klinikleitung. Wer gegen das Urheberrecht verstößt, macht sich nach dem Urheberrecht strafbar. Zudem wird er kostenpflichtig abgemahnt und muss Schadenersatz leisten. (15.06.2016)