Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
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Implantatgetragene Deckprothesen

Implantatgetragene Deckprothesen

Gerade bei Patienten mit langjährigem Zahnverlust kann sich der Kieferknochen vor allem im Unterkiefer durch Resorptionsvorgänge stark zurückbilden, sodass kein zufriedenstellender Halt und Tragekomfort durch eine herkömmliche Totalprothese zu erreichen ist. Einige Patienten können aufgrund ihrer Krankengeschichte keinen rein schleimhautgelagerten Zahnersatz tragen. Beispielsweise durch Bestrahlung der Kiefer im Rahmen einer Tumortherapie können Kieferknochen und Mundschleimhaut so stark vorgeschädigt worden sein, dass beim Tragen einer Totalprothese ernsthafte Komplikationen und Entzündungsprozesse auftreten können. Durch das Setzen von Implantaten und dem Einarbeiten von verschiedenen Halteelementen kann die Prothese wieder sicher verankert und die Mundschleimhaut etwas entlastet werden. Im Unterkiefer genügen hierfür bereits 2-4 Implantate; im Oberkiefer benötigt man dagegen wegen der weicheren Knochenstruktur 4-6 Implantate. Je nach Anzahl und Positionierung der Implantate, nach Kieferanatomie und Knochenangebot können  hierzu verschiedene Halteelemente verwendet werden. Allen Halteelementen (Suprastrukturen) ist gemein, dass sie aus einer Patrize (Teil der Halteelemente, das fest auf das Implantat geschraubt wird) und einer Matrize (Teil der Halteelemente, das fest in die Prothese eingearbeitet ist) bestehen. Somit spricht man hier auch von implantatgetragenem kombiniert festsitzend/herausnehmbarem Zahnersatz.

Behandlungsablauf

Die klinischen und labortechnischen Arbeitschritte hängen unter anderem davon ab, ob noch alte Zahnprothesen vorhanden sind, ob der Patient zwischenzeitlich während der Einheilphasen der Implantate eine Versorgung benötigt oder wünscht und mit welchen Halteelementen die Prothese später auf den Implantaten fixiert wird. Bevor die Implantate in den Kieferknochen gesetzt werden können, muss eine Bohr- bzw. Röntgenmessschablone hergestellt werden, um die richtige Implantatposition bzw. -achsrichtung und das Knochenangebot beurteilen zu können. Sofern keine alten Prothesen vorhanden sind, die hierfür herangezogen werden können, werden alle Schritte zur Herstellung einer Totalprothese bis zur Wachsanprobe durchlaufen (siehe Behandlungsablauf Totalprothese). Die Wachsaufstellung der späteren Prothese kann nun in eine Bohrschablone mit Messhülsen umgesetzt werden. Nach erfolgter röntgenologischer Vermessung und Beurteilung der anatomischen Strukturen werden die Implantate in einem ambulanten Eingriff in den Kieferknochen gesetzt und nach mehreren Monaten Einheilzeit (Oberkiefer ca. 6-8 Monate; Unterkiefer ca. 3-4 Monate) in einem zweiten kleineren Eingriff freigelegt. Nach weiteren 2-3 Wochen Abheilzeit der Weichgewebe um die nach der Freilegung mit Abheilpfosten versehenen Implantate, können diese nun mit speziellen Übertragungspfosten abgeformt werden. Je nach geplanter Konstruktion werden  die konfektionierten oder individuell hergestellten Halteelemente einprobiert und die anfangs hergestellte Wachsaufstellung der Prothesen darauf angepasst.  Falls notwendig können Korrekturen der Zahnaufstellung oder der Kieferrelation durch erneutes Registrieren erfolgen. Abschließend werden die Prothesen fertiggestellt und können zusammen mit den Halteelementen zum Probetragen eingegliedert werden. Bei Wunsch des Patienten nach einer vorübergehenden Versorgung können die Prothesen unter Umständen auch vor der Implantation fertiggestellt und die Halteelemente nachträglich eingearbeitet werden. Auch alte vorhandene Prothesen können zwischenzeitlich bis zur Neuversorgung über den Implantaten etwas angepasst und trotzdem weitergetragen werden.

Kleine Werkstoffkunde

Je nach patientenindividueller Situation sowie Anzahl und Position der Implantate im Kiefer können verschiedene Halteelemente zur Fixierung der Prothesen auf den Implantaten herangezogen werden:

Kugelkopfanker

Hierbei handelt es sich um bewährte konfektionierte Halteelemente, die aus einer Art Druckknopfsystem bestehen. Das Kugelkopfabutment wird in das Implantat eingedreht und schnappt in ein in die Prothese eingearbeitetes Retentionsteil aus Metall oder einem Gummi-O-Ring als Matrize. Bei den heute verwendeten zweiteiligen Implantatsystemen werden aus wirtschaftlichen Aspekten die Kugelkopfanker zunehmend von den Locatoren verdrängt.

Locatoren

Locatoren sind konfektionierte und preisgünstige Halteelemente mit einfach austauschbaren Friktionselementen. Die Patrize ist ein flacher Aufbau aus Metall mit einem Außenring und kleiner Innennut, das fest auf das Implantat geschraubt wird. Als Matrize dient eine in die Prothese eingearbeitete Metallkappe mit Kunststoffeinsatz, der druckknopfähnlich in die Patrize einklickt. Die Kunststoffeinsätze sind austauschbar und in verschiedenen farbcodierten Haltekraftstufen verfügbar.

Doppelkronen

Die hervorragende Passung der Galvano-Sekundärkrone (siehe auch Teleskopprothese) auf individuell hergestellten Primärkronen aus hochgoldhaltiger Legierung oder Zirkondioxid-Keramik und die Möglichkeit der Verklebung von Sekundär- und Tertiärstruktur direkt im Mund des Patienten, haben die Doppelkronentechnik auch als Halteelemente auf Implantaten etabliert.

Magnete

Magnete kommen als Halteelemente aufgrund der einfachen Handhabung vor allem bei Patienten mit stark eingeschränkten motorischen Fähigkeiten bzw. pflegebedürftigen Patienten in Betracht.

Stege

Die Implantate werden hierbei über eine Art Metallstab mit rundem oder eckigem Querschnitt miteinander verbunden und sichern so die Verankerung der herausnehmbaren Prothese auf den Implantaten. Neben konfektionierten Stegen aus gefügten vorgefertigten Teilen unterscheidet man zwischen individuell gegossenen oder gefrästen Stegen. Die Lagerung der Prothese auf dem Steg kann je nach Konstruktion starr oder gelenkig über sogenannte Stegreiter erfolgen. Darunter versteht man die in dem herausnehmbaren Zahnersatz befindlichen Hülsen (Matrizen), die in die zwischen zwei Implantaten befindliche Metallstange einschnappen. Um die Abstützung und Verankerung der Prothese auf dem Steg zu erhöhen, können zusätzlich geschiebe- oder riegelähnliche Halteelemente eingearbeitet und der Steg weiter ausgedehnt werden (Extensionssteg).

Vor- und Nachteile

Die wichtigsten Halteelemente mit Vor- und Nachteilen im Überblick

Kugelkopfanker

Hierbei handelt es sich um bewährte konfektionierte Halteelemente, die aus einer Art Druckknopfsystem bestehen. Das Kugelkopfabutment wird in das Implantat eingedreht und schnappt in ein in die Prothese eingearbeitetes Retentionsteil aus Metall oder einem Gummi-O-Ring als Matrize. Bei den heute verwendeten zweiteiligen Implantatsystemen werden aus wirtschaftlichen Aspekten die Kugelkopfanker zunehmend von den Locatoren verdrängt.

Hygienefähigkeit
nachaktivierbar

Handling

Preis
Platzbedarf
Erweiterbarkeit


Stabilität
Verschleiß

Locatoren

Locatoren sind konfektionierte und preisgünstige Halteelemente mit einfach austauschbaren Friktionselementen. Die Patrize ist ein flacher Aufbau aus Metall mit einem Außenring und kleiner Innennut, das fest auf das Implantat geschraubt wird. Als Matrize dient eine in die Prothese eingearbeitete Metallkappe mit Kunststoffeinsatz, der druckknopfähnlich in die Patrize einklickt. Die Kunststoffeinsätze sind austauschbar und in verschiedenen farbcodierten Haltekraftstufen verfügbar.

Hygienefähigkeit
nachaktivierbar
Handling
Preis
Platzbedarf
Erweiterbarkeit
Stabilität
Verschleiß

Doppelkronen

Die hervorragende Passung der Galvano-Sekundärkrone (siehe auch Teleskopprothese) auf individuell hergestellten Primärkronen aus hochgoldhaltiger Legierung oder Zirkondioxid-Keramik und die Möglichkeit der Verklebung von Sekundär- und Tertiärstruktur direkt im Mund des Patienten, haben die Doppelkronentechnik auch als Halteelemente auf Implantaten etabliert.

Stabilität
Hygienefähigkeit
Erweiterbarkeit
Verschleißresistenz
Preis
nicht aktivierbar

Magnete

Magnete kommen als Halteelemente aufgrund der einfachen Handhabung vor allem bei Patienten mit stark eingeschränkten motorischen Fähigkeiten bzw. pflegebedürftigen Patienten in Betracht.

Handling (selbst entkoppelndes bzw. einkoppelndes Verbindungssystem)

Hygienefähigkeit
Erweiterbarkeit
Verschleißresistenz
Preis
Stabilität

Stege

Die Implantate werden hierbei über eine Art Metallstab mit rundem oder eckigem Querschnitt miteinander verbunden und sichern so die Verankerung der herausnehmbaren Prothese auf den Implantaten. Neben konfektionierten Stegen aus gefügten vorgefertigten Teilen unterscheidet man zwischen individuell gegossenen oder gefrästen Stegen. Die Lagerung der Prothese auf dem Steg kann je nach Konstruktion starr oder gelenkig über sogenannte Stegreiter erfolgen. Darunter versteht man die in dem herausnehmbaren Zahnersatz befindlichen Hülsen (Matrizen), die in die zwischen zwei Implantaten befindliche Metallstange einschnappen. Um die Abstützung und Verankerung der Prothese auf dem Steg

zu erhöhen, können zusätzlich geschiebe- oder riegelähnliche Halteelemente eingearbeitet und der Steg weiter ausgedehnt werden (Extensionssteg).

hohe Primärstabilität.
Stabilität
evt. nachaktivierbar
Hygienefähigkeit
Entzündungen
Frakturgefahr
Erweiterbarkeit

Kontakt- /Ansprechpartner

Prof. Dr. F. P. Nothdurft
Oberarzt der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde

Telefon

0 68 41 - 16 - 2 49 03
Telefax

0 68 41 - 16 - 2 49 52
E-Mail

frank.nothdurft @uks.eu

Quellenangaben

Fachliteratur

  • Curriculum Prothetik (J.R. Strub, J.C. Türp, S. Witkowski, M. B. Hürzeler, M. Kern) - 3., überarbeitete und erweiterte Auflage - Quintessenz, 2005.
  • Die prophylaktisch orientierte Versorgung mit Teilprothesen (P. Pospiech) - 1. Auflage - Thieme, 2001.
  • Zahnärztliche Prothetik (W. Gernet, R. Biffar, N. Schwenzer, M. Ehrenfeld) - 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage - Thieme, 2007.
  • Lehrbuch der zahnärztlichen Prothetik (R. Marxkors) - 5., überarbeitete und erweiterte Auflage - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2010.
  • Taschenbuch der Zahnärztlichen Werkstoffkunde (R. Marxkors, H. Meiners) - 5., überarbeitete und ergänzte Auflage - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2001.
  • Oxidkeramiken und CAD/CAM-Technologien (J. Tinschert, G. Natt) - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2007.
  • Nothdurft F.P., Propson M., Spitzer W.J., Pospiech P.R.: Implantatgetragene Versorgung eines ausgedehnten Resektionsdefektes der Maxilla – Ein mehrstufiges Therapiekonzept. Schweiz Monatsschr Zahnmed 118: 827-834 (2008)
  • Verschiedene Leitlinien und Stellungnahmen der DGZMK.
  • Bildatlas zur Patienteninformation in der Zahnarztpraxis „Zahnärztliche Prothetik“ (P. Rammelsberg, P. Pospiech) -  Spitta, 2005.

Copyright/Abbildungsnachweis

Alle Illustrationen wurden vom Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde erstellt und sind somit urheberrechtlich geschützt. Die Übernahme, Weiterverwendung und Veröffentlichung bedarf in jedem Fall der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Klinikleitung. Wer gegen das Urheberrecht verstößt, macht sich nach dem Urheberrecht strafbar. Zudem wird er kostenpflichtig abgemahnt und muss Schadenersatz leisten. (15.06.2016)