Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
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Seitenzahn-Implantate

Ein Zahnimplantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die zum Ersatz eines verloren gegangenen Zahnes operativ in den Kieferknochen eingebracht wird. Grundsätzlich besteht solch ein Implantat aus dem im Knochen verankerten Implantatkörper, auf dem mit einer Schraube ein Aufbau-Pfosten (das sog. Abutment) geschraubt wird. Dieser bildet wiederum die Basis für den eigentlichen Zahnersatz, die Suprakonstruktion. Die Suprakonstruktion (Bsp. Krone, Brücke) ist letztlich der einzige Implantatanteil, der später im Mund noch sichtbar ist.

Behandlungsablauf

Zur Ermittlung der richtigen Implantatposition und Länge ist eine umfangreiche Diagnostik und Planung unerlässlich. Dies beinhaltet sowohl eine genaue klinische Inspektion der Implantatregion durch Abtasten sowie das Vermessen von Hart- und Weichgewebe. Röntgenbilder zeigen die verfügbare Höhe und Breite des Knochens an. In einfachen Fällen genügt eine Panoramaschichtaufnahme der Kiefer (Orthopantomographie) mittels Bohrschablone. In schwierigeren Fällen, in denen aufgrund fortgeschrittener Atrophie zusätzlich Knochen aufgebaut werden muss, erweisen sich zusätzliche Aufnahmen wie CTs (Computertomographie) oder DVTs (Digitale Volumentomographie) als hilfreich. Das Setzen des Implantats erfolgt ambulant unter sterilen Bedingungen. Während der Einheilung von mehreren Wochen bis Monaten ist das Implantat vollständig von der Schleimhaut bedeckt (geschlossenes, enossales Implantat). In der Zwischenzeit wird der Patient provisorisch durch festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnersatz (Bsp. Klebebrücke, Klammerprothese) versorgt. Nach der Freilegung des Implantats in einem zweiten kleineren Eingriff und einer weiteren Einheilphase mit Einheilkappe (Gingivaformer) kann die Abdrucknahme mittels Abformpfosten und individuellem Abformlöffel erfolgen. Im zahntechnischen Labor werden dann Abutment und Suprakonstruktion hergestellt, die dann auf dem Implantat verschraubt, verklebt oder zementiert werden.

Kleine Werkstoffkunde

Als Standard haben sich heute zylindrische bis leicht konische (Zahnwurzel-Form) Schrauben aus biokompatiblem (=gewebeverträglichem) Titan durchgesetzt. Alternativ können auch Implantate aus Zirkondioxid-Keramiken verwendet werden, Langzeiterfahrungen liegen jedoch noch nicht vor. Dagegen haben sich metallfreie Suprakonstruktionen inzwischen etabliert.





Vor- und Nachteile

Ästhetik
kein Beschleifen der Nachbarzähne
Erweiterbarkeit (späteres Miteinbeziehen in Prothese möglich)
Haltbarkeit
gute bis sehr gute Prognose
Mundhygiene wie bei eigenen Zähnen
Kaukomfort
Implantat erhält Knochen
keine Karies möglich


operativer Eingriff erforderlich mit entsprechenden Risiken
(Aufklärung erfolgt vor Eingriff durch behandelnden Zahnarzt)

aufwändiger, wenn Knochen- /
Membranaufbau oder Sinus Lift erforderlich
initial höhere Kosten

körperliche Belastung

sehr zeitintensiv aufgrund von Einheilphasen

Kontakt- /Ansprechpartner

Prof. Dr. F. P. Nothdurft
Oberarzt der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde

Telefon

0 68 41 - 16 - 2 49 03
Telefax

0 68 41 - 16 - 2 49 52
E-Mail

frank.nothdurft @uks.eu

Quellenangaben

Fachliteratur

  • Curriculum Prothetik (J.R. Strub, J.C. Türp, S. Witkowski, M. B. Hürzeler, M. Kern) - 3., überarbeitete und erweiterte Auflage - Quintessenz, 2005.
  • Die prophylaktisch orientierte Versorgung mit Teilprothesen (P. Pospiech) - 1. Auflage - Thieme, 2001.
  • Zahnärztliche Prothetik (W. Gernet, R. Biffar, N. Schwenzer, M. Ehrenfeld) - 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage - Thieme, 2007.
  • Lehrbuch der zahnärztlichen Prothetik (R. Marxkors) - 5., überarbeitete und erweiterte Auflage - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2010.
  • Taschenbuch der Zahnärztlichen Werkstoffkunde (R. Marxkors, H. Meiners) - 5., überarbeitete und ergänzte Auflage - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2001.
  • Oxidkeramiken und CAD/CAM-Technologien (J. Tinschert, G. Natt) - Deutscher Zahnärzte Verlag, 2007.
  • Nothdurft F.P., Propson M., Spitzer W.J., Pospiech P.R.: Implantatgetragene Versorgung eines ausgedehnten Resektionsdefektes der Maxilla – Ein mehrstufiges Therapiekonzept. Schweiz Monatsschr Zahnmed 118: 827-834 (2008)
  • Verschiedene Leitlinien und Stellungnahmen der DGZMK.
  • Bildatlas zur Patienteninformation in der Zahnarztpraxis „Zahnärztliche Prothetik“ (P. Rammelsberg, P. Pospiech) -  Spitta, 2005.

Copyright/Abbildungsnachweis

Alle Illustrationen wurden vom Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde erstellt und sind somit urheberrechtlich geschützt. Die Übernahme, Weiterverwendung und Veröffentlichung bedarf in jedem Fall der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Klinikleitung. Wer gegen das Urheberrecht verstößt, macht sich nach dem Urheberrecht strafbar. Zudem wird er kostenpflichtig abgemahnt und muss Schadenersatz leisten. (15.06.2016)