Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Leitung: Univ.-Prof. Dr. med. Arno Bücker M.Sc.
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Interventionelle Dialyse-Shunt Anlage

Die offen-chirurgische Anlage eines arterio-venösen Shunts (AV-Fistel oder Cimino- Fistel) am Unterarm ist die übliche Methode zur Anlage eines Dialyse-Gefäßzugangs zur Blutwäsche.

 

Dazu wird ein Schnitt am Arm benötigt, um einen Zugang zur Arterie und Vene zu erhalten. Beide Gefäße werden aus ihrem Gefäßbett herausgelöst, angeschnitten und miteinander vernäht. Nach einer "Reifung" des Shunts von mehreren Wochen etabliert sich ein großvolumiges, punktionsfähiges Shuntgefäß. In manchen Fällen bleibt jedoch eine ausreichende Reifung des Shunts aus. Zudem kann es zu Verschlüssen und notwendigen Revisionen kommen. Diese Komplikationen reduzieren die Lebensdauer der Verwendbarkeit des Shunts.

 

Eine innovative, minimal-invasive Methode ermöglicht es, den AV-Shunt als Gefäßzugang für die Hämodialyse über eine perkutane Gefäßpunktion ohne Operation anzulegen. Dieses Verfahren benötigt also kein offen-chirurgisches Vorgehen mehr. Die Anlage erfolgt endovaskulär von innen heraus über die Gefäße nach lokaler Betäubung.

 

Abbildung perkutane Gefäßpunktion unter lokaler Betäubung. Bild Firma Avenu Medical

 

Dazu benötigt das Verfahren einen speziellen Gefäßkatheter, der unter sonographischer Steuerung durch die Haut am Arm in die Vene und Arterie des Unterarmes eingebracht werden.

 

Abbildung Avenu Ellipsys Katheter zur Erzeugung einer endovaskulären Verbindung zwischen Arterie (rote Gefäßstruktur) und Vene (blaue Gefäßstruktur). Bild Firma Avenu Medical

 

Dann werden Arterie und Vene mit einem Strom-Impuls für die Dauer von ca. 1 Sekunde miteinander verschmolzen.

 

Applikation eines Stromimpuls über den Avenu Ellipsys Katheter zur Erzeugung einer endovaskulären Verbindung zwischen Arterie (rote Gefäßstruktur) und Vene (blaue Gefäßstruktur). Bild Firma Avenu Medical

 

Hierdurch entsteht ein direkter arterio-venöser Shunt.

 

Abbildung Illustration der direkten arterio-venösen Shuntverbindung (Pfeil) zwischen Arterie (rot) und Vene (blau). Bild Firma Avenu Medical

 

 

Durch das Verfahren wird eine offen-chirurgische Operation vermieden. Wie nach dem chirurgischen Vorgehen ist auch nach dem minimal-invasiven Eingriff eine Shunt-Reifung von mehreren Wochen notwendig.

 

Klinische Daten legen für das endovaskuläre Verfahren eine ähnliche Erfolgsrate wie die chirurgische Shuntanlage nahe. Durch das Vermeiden von chirurgischen Nähten und Gefäßtraumen besteht die Annahme, den Patientenkomfort möglicherweise zu erhöhen, einen im Vergleich zum offenen Verfahren funktionstüchtigeren bzw. langlebigeren Shunt zu erstellen und somit die Nutzbarkeit zu verbessern. Langzeitergebnisse stehen noch aus. Hierzu erfolgt aktuell am UKS eine durch die Ethikkommission genehmigte Studie mit dem CE-zugelassenen Kathetersystem, um die neuartige Technik in Kooperation mit der Klinik für Nephrologie und Gefäßchirurgie zu evaluieren.

 

Bei welchen Patienten wird die Methode angewandt (Indikation)?

Bei Patienten mit einer terminalen oder prä-terminalen Niereninsuffizienz, die einen dauerhaften AV-Shunt zur Blutwäsche benötigen.

 

 

Welche Auswirkungen hat die Methode auf die Verweildauer im Krankenhaus?

Mit der neuen minimal-invasiven Methode ist aufgrund der nur geringen Traumatisierung im Vergleich zur offen-chirurgischen Shunt-Anlage eine ambulante Behandlung mit einer Beobachtung im Krankenhaus von wenigen Stunden möglich.

 

 

Wann wurde diese Methode in Deutschland eingeführt?

CE-Zulassung 2016. Erste Patientenbehandlungen erfolgten in Kanada, USA und Frankreich.

 

 

Welche Risiken bestehen?

Es bestehen ähnliche Risiken wie bei der offenen chirurgischen Shuntanlage. Prinzipiell kann es zu Blutungen, Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel oder Versagen der Shunt-Anlage oder Nutzbarkeit im Verlauf kommen. Die Folge wären Re-Eingriffe, Revision oder Operation.

 

 

Welche Studiendaten stehen bisher zur Verfügung?

 

Literatur

Hull JE, Jennings WC, Cooper RI, Waheed U, Schaefer ME, Narayan R. The Pivotal Multicenter Trial of Ultrasound-Guided Percutaneous Arteriovenous Fistula Creation for Hemodialysis Access.

J Vasc Interv Radiol. 2018 Feb;29(2):149-158.e5. doi: 10.1016/j.jvir.2017.10.015. Epub 2017 Dec 21.

 

Hull JE, Elizondo-Riojas G, Bishop W, Voneida-Reyna YL. Thermal Resistance Anastomosis Device for the Percutaneous Creation of Arteriovenous Fistulae for Hemodialysis. J Vasc Interv Radiol. 2017 Mar;28(3):380-387. doi: 10.1016/j.jvir.2016.10.033.

 

 

Sollten Sie Interesse oder weiteren Informationsbedarf haben, so wenden Sie sich gerne zu einer persönlichen Beratung an:

 

Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie:

Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. med. Arno Bücker

Interventionelle Radiologie Oberarzt PD Dr. med. Alexander Maßmann

 

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Telefon 06841 1624600

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