Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Nuklearmedizin
Prof. Dr. Samer Ezziddin
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Radioimmuntherapie

Patienteninformationen über die Radioimmuntherapie

Radioimmuntherapie des CD-20 positiven follikulären Non-Hodgkin-Lymphoms mit 90-Y-Ibritumomab-Tiuxetan
Die Radioimmuntherapie (RIT) ist ein recht neues Verfahren in der Behandlung der B-Zell-Lymphome. Dabei wird ein Antikörper gegen das sog. „CD20“-Merkmal, das mit hoher Dichte auf der Oberfläche von fast allen B-Lymphom-Zellen vorhanden ist, mit radioaktiven Teilchen gekoppelt. Die radioaktiven Teilchen senden hochenergetische Beta-Strahlung aus, die eine sehr hohe Strahlendosis in den Lymphomzellen erzielen. Da diese Strahlung eine geringe Reichweite von <1 cm im Gewebe besitzt, wird das B-Zell-Lymphom sehr gezielt behandelt ohne dass wesentliche Nebenwirkungen für andere Organe auftreten.

In Deutschland wird zurzeit Ibritumomab-Tiuxetan (Zevalin®) markiert mit dem Radionuklid Yttrium-90 (Y-90) eingesetzt zum einen für die Behandlung von Patienten mit CD20-positiven follikulären Non-Hodgkin-Lymphomen vom B-Zell-Typ im Rückfall oder zum anderen als sogenannte Konsolidierungstherapie (im Anschluss an eine durch Chemotherapie erreichte Krankheitsrückbildung).


Welche Vorbereitung ist für die Radioimmuntherapie mit Zevalin notwendig?

Alle wichtigen Aspekte der medizinischen Durchführbarkeit und des eigentlichen Ablaufes der Radioimmuntherapie werden mit Ihnen in einem ausführlichen Vorgespräch besprochen.

Um die Indikationsstellung für die RIT so schnell wie möglich überprüfen zu können, sollten Sie folgende Unterlagen zu dem ersten Vorstellungsgespräch mitbringen:

  • Ein aktuelles Blutbild, einschließlich der Blutgerinnungsparameter incl. INR,
  • Ihre aktuelle Medikation (wichtig: Medikamente, welche die Gerinnung beeinflussen),
  • Ihren aktuellen Befund der Knochenmarkspunktion
  • Unterlagen zu Ihrem gesamten Therapieverlauf, inkl. aller radiologischen Bilder,
  • alle Unterlagen über vorangegangene Chemo(immun)therapien oder perkutane Strahlentherapien


Wie läuft die Therapie ab?

Die Durchführung der Radioimmuntherapie ist relativ einfach und ambulant möglich. Sie wird in guter Zusammenarbeit und enger Absprache zwischen dem behandelnden Hämatologen/Onkologen und einem Nuklearmediziner durchgeführt.

Unter Radioimmuntherapie werden Ihnen zu bestimmten Zeitpunkten kalte und heiße (d.h. radioaktiv markierten) Antikörper appliziert. Am ersten und achten Tag der Therapie erhalten Sie in der Hämatologie eine Rituximab-Infusion (Antikörper gegen das sog. „CD20“-Merkmal). Zusätzlich wird Ihnen am achten oder neunten Tag in der Nuklearmedizin das radioaktive Medikament Y-90-Zevalin als langsame Infusion über 10 Minuten verabreicht. Die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden, da die hierbei ausgesendete Beta-Strahlung eine geringe Reichweite im Gewebe besitzt und nicht aus dem Körper des Patienten austritt.


Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Akute Nebenwirkungen sind bei der Erstapplikation von Zevalin kaum zu erwarten. Unter der Therapie kann es zu Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Heiserkeit, Husten, Übelkeit und Erbrechen kommen. Diese lassen sich gut symptomatisch behandeln.
Da die absorbierten Strahlendosen der gesunden Organe unter den bekannten Sicherheitsgrenzen liegen, sind in der Regel keine wesentlichen Nebenwirkungen an sonstigen Organen zu erwarten. Regelhaft kommt es jedoch zu einer deutlichen Verschlechterung der Blutzellwerte, d.h. zu einem Abfall der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) und des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Der tiefste Wert dieser Nebenwirkungen (Nadir) tritt erst 7-10 Wochen nach Therapie auf. Bei etwa 1/3 aller Patienten wird eine starke Verminderung der Leukozyten beobachtet, bei etwa 8% der Patienten ein starker Abfall der Thrombozyten, der auch weitere Maßnahmen wie z.B. Bluttransfusionen erforderlich machen kann. Die Erholung des Blutbildes dauert in der Regel 2-4 Wochen. Aus diesen Gründen sind wöchentliche Blutbildkontrollen bei Ihrem Hämatologen innerhalb der ersten 3 Monate nach der RIT erforderlich.
Bei Auftreten von Beschwerden unmittelbar nach der Radioimmuntherapie können Sie jederzeit den diensthabenden Arzt der Nuklearmedizin oder der Hämatologie kontaktieren.

Welche Kontraindikationen zur Radioimmuntherapie mit Zevalin gibt es?

Als sog. „absolute Kontraindikationen“ gelten:

  • Schwangerschaft oder Stillzeit
  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Antikörper bzw. dem Bindeglied


Als sog. „relative Kontraindikationen“ gelten:

  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre
  • Schlechte Blutzellwerte (Thrombozyten von weniger als 100.000/mm3 sowie Leukozyten von weniger als 1500/mm3
  • Befall des Knochenmarks durch Lymphomzellen von > 25%
  • Zustand nach externer Bestrahlung > 25% des aktiven Knochenmarks
  • Zustand nach Knochenmark- oder Stammzelltransplantation
  • nachweisbare humane Anti-Maus-Antikörper nach einer Vorbehandlung mit murinen monoklonalen Antikörpern wegen der höheren Wahrscheinlichkeit allergischer Reaktionen oder Überempfindlichkeitsreaktionen unter Therapie


Bei einer „relativen Kontraindikation“ liegt die Entscheidung zur Behandlung im Ermessen der behandelnden Ärzte. Häufig ist eine Radioimmuntherapie trotz des Vorliegens einer relativen Kontraindikation, z. B. mit einer reduzierten Dosis, möglich.

Koordination Tumortherapien

Tel.: 06841/16-24594

Fax: 06841/16-1724594