Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Neurochirurgie
Leitung: Prof. Dr. Joachim Oertel
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Therapie des Meningeoms

Die Therapie der craniellen sowie der spinalen Meningeome besteht primär in der chirurgischen Entfernung. Die Meningeome wachsen meistens verdrängend, das Hirn vor sich herschiebend und respektieren dabei nahezu regelhaft die arachnoidale Grenzschicht. Daher kann man sie innerhalb dieser Schicht mit den modernen mikrochirurgischen Methoden ohne zusätzliches Trauma für das gesunde Gehirn radikal entfernen. Anders verhält es sich mit den Strukturen der Schädelbasis. Meningeome können die Basis diffus invadieren und auch empfindliche Strukturen ummauern, z.B. Hirnnerven oder Gefäße. Findet sich auch hier eine erhaltene Dissektionsebene, können auch hier die Tumoren radikal abgelöst werden. Wenn ein Tumor radikal, inklusive der Dura des Ansatzes, entfernt wird (Grad 1 nach Simpson 1957, vgl. Tabelle 2), hat der Patient eine Chance von etwa 80 %, dauerhaft geheilt zu sein. Die operative Mortalität hängt von der Lokalisation und Größe des Tumors sowie dem Zustand des Patienten ab. Sie liegt nahezu immer unter 5 %, in unserer Klinik sogar unter 2 %. Grenzen radikaler Resektion (Entfernung) sind z.B. breites Einwachsen in venöse Blutleiter und ausgedehnte Invasion in die Schädelbasis mit Infiltration der Hirnnerven und der Hauptgefäße. Auch die nach histologischen Kriterien gutartigen Meningeome können nämlich an der Schädelbasis knöcherne Strukturen diffus invadieren. In diesen Fällen kann es zu einem chronischen Fortschreiten mit immer wieder neu zu stellenden z. T. nur palliativen Operationsindikationen kommen. Nach vollständiger Entfernung eines Meningeoms beträgt die Rezidivrate 3 %.


Tab. 1: Gradierung der chirurgischen Radikalität bei Meningeomen nach Simpson 1957

Grad 1 Vollständige Entfernung inklusive Ansatz
Grad 2 Vollständige Entfernung und Koagulation des Ansatzes
Grad 3 Vollständige Entfernung ohne Koagulation des Ansatzes
Grad 4 Unvollständige Entfernung
Grad 5 Erweiterte Biopsie

Im Gegensatz zu den Meningeomen der Konvexität stehen die Meningeome der Schädelbasis, deren radikale Entfernung manchmal die Zusammenarbeit von mehreren Disziplinen erfordert und zu sehr ausgedehnten Operationen führen kann. Gerade auf diesem Gebiet der Schädelbasischirurgie hat sich allerdings durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit das Spektrum der behandelbaren Läsionen erheblich erweitert, wobei einige dieser Tumoren nur in speziell geeigneten und in dieser Behandlung erfahrenen Zentren versorgt werden sollten.

Weitere Infos siehe im Internet unter:


http://www.oncolink.com/

http://neurosurgery.mgh.harvard.edu/meninghp.htm



 

Radiatio [Bestrahlung] von Meningeomen


Während nach totaler Tumorentfernung bei benigner Histologie keine Nachbehandlung erforderlich ist, ist die postoperative Strahlentherapie nach subtotaler Tumorentfernung, obwohl wirksam, umstritten, da benigne und intermediäre Meningeome langsam wachsen, relativ strahlenresistent sind und eine Reoperation meist möglich ist. Die Bestrahlung kommt deshalb vor allem für maligne Meningeome unabhängig vom Ausmaß der Resektion, für widerholte Rezidive sowie für ältere Patienten in Frage, für die die radikale Operation oder die Reoperation ein zu hohes Risiko darstellt.


Bei inoperablen Meningeomen führt die alleinige Strahlentherapie zu einer Verbesserung des neurologischen Zustandes in 38 % (Glaholm et al. 1990), ohne dass sich eine Größenabnahme des Tumors bildmorphologisch nachweisen ließe.


Bei den malignen Meningeomen wird durch die postoperative Strahlentherapie die mittlere Überlebenszeit von 7,2 Monaten auf 5,1 Jahre verlängert (Chan und Thompson, 1984), nach Petty et al. (1985) kam es bei 12 postoperativ bestrahlten malignen Meningeomen in drei Fällen zum Rezidiv, davon in zwei am Rand des Strahlenfeldes. Jääskeläinen et al. (1986) konnten jedoch keinen Unterschied in der Rezidivrate nach Strahlentherapie feststellen. Bestrahlt wird ein Tumorfeld mit 3 cm Sicherheitsraum mit 60 Gys.


Tab. 2: Meningeomrezidive nach Operation und Strahlentherapie.

Total - OP Teil-OP + RAD Teil - OP Literatur
Rezidive
0 % 74 % 29 % Wara et al., 1979
4 % 60 % 32 % Barbaro et al., 1987
9 % 69 % 15 % Taylor et al., 1988
11 % 37 % k.A. Chan et al., 1984


Die radiochirurgische Behandlung von Meningeomen befindet sich gegenwärtig in Einzelfällen in der Erprobung. Die Therapie kann im höheren Lebensalter bei Rezidiven, kleineren Tumoren und bei Patienten im schlechten Allgemeinzustand in Erwägung gezogen werden.