Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Neurochirurgie
Leitung: Prof. Dr. Joachim Oertel
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Genetische Klassifikation von Meningeomen

Heute zählt das Meningeom zu den zytogenetisch am besten untersuchten soliden Tumoren. Die Durchführung der zytogenetischen Untersuchungen erfolgt anhand des während der Operation gewonnenen Tumorgewebes, aus der unmittelbar eine Zellkultur angelegt wird. Diese Zellkultur wird dann mit zytogenetischen Methoden charakterisiert. Dabei können im Tumor erworbene Chromosomenveränderungen dargestellt werden. Anhand der zytogenetischen Befunde werden 4 Gruppen von Meningeomen unterschieden: Die folgenden Bilder zeigen für jede Gruppe typische Karyogramme. In einem Karyogramm werden die Chromosomen paarweise angeordnet. In Gruppe 0 sind zytogenetisch keine Auffälligkeiten zu beobachten, d. h. die Anzahl der Chromosomen (der Mensch hat 46 Chromosomen im diploiden Kern) stimmt und auch das Bänderungsmuster der Chromosomen zeigt keine Auffälligkeit (vgl. Abbildung 1).


Gruppe 0

normaler Karyotyp, 46 Chromosomen

Gruppe 1

In Gruppe 1 ist ein Chromosom 22 verloren (durch 0 gekennzeichnet).

Gruppe 2

In Gruppe 2 sind außer Chromosom 22 noch weitere Chromosomen betroffen.

 

Hier fehlt zusätzlich ein Chromosom 14.

Gruppe 3

In Gruppe 3 ist Chromosom 1 strukturell verändert.


Zusätzlich zur Veränderung an Chromosom 1 treten hier in diesem Beispiel Verluste von je einem Chromosom 6, 14, 18 und 22 (durch 0 gekennzeichnet) auf.

Abb. 1: Karyogramme zu den einzelnen Gruppen


Die Untersuchungen unserer Arbeitsgruppe zeigten, dass die zytogenetischen Veränderungen der Gruppe 0 und der Gruppe 1 statistisch als Marker für einen wahrscheinlich rezidivfreien Verlauf bei Meningeomen anzusehen sind. Im Gegensatz hierzu konnte gezeigt werden, dass numerische und strukturelle Chromosomenaberrationen, wie sie in Gruppe 2 und Gruppe 3 gefunden wurden, mit einer Rezidivwahrscheinlichkeit von bis zu 30 % behaftet waren.