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21.09.2021
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Windschutzscheibe oder Motorschaden – Was lässt sich am Auge gut reparieren? - Referent: Prof. Dr. Berthold Seitz, Direktor der Augenklinik des UKS

Im Rahmen des Wissenschaftsforums MINT-Campus Alte Schmelz e.V. hält Prof. Dr. Berthold Seitz am 21.09.2021 um 19.30 Uhr einen Online-Vortrag zu Erkrankungen des Auges und Therapiemöglichkeiten.

 

 

Der Vortrag findet online unter dem nachfolgenden Link statt:

https://t1p.de/td6e

 

Koordination: Prof. Dr.-Ing. Horst Altgeld, MINT-Campus Alte Schmelz e.V. | Wissenschaftsforum

 

 

 

Grundsätzlich lässt sich das Auge mit einer Fotokamera vergleichen. Die Objektlinsen bestehen aus der Hornhaut und der menschlichen Linse. Der Film des Fotoapparats wird durch die Netzhaut (Retina) repräsentiert. Man kann das Auge aber auch mit einem Autovergleichen. Die Windschutzscheibe muss klar und gut gekrümmt sein, um scharf zu sehen, während das Auto natürlich nur fährt, wenn der Motor gut läuft. Zum Motor zählen die Netzhaut und der Sehnerv. Das Sehen beim Menschen wird unterteilt in ein zentrales Scharfsehen und die Orientierung. Das Scharfsehen erfolgt in der Fovea centralis. Das ist eine zentrale gefäßfreie Zone der Netzhaut (Durchmesser 1/3 mm). Die Orientierung des Menschen erfolgt über das sog. Gesichtsfeld. Hierzu trägt die gesamte periphere Netzhaut bei. Im Zentrum finden sich als Fotorezeptoren vornehmlich die sog. Zapfen, in der Peripherie vornehmlich die sog. Stäbchen. Farben können nur mit den Zapfen gesehen werden. Bezüglich der gravierenden Einschränkung des Sehens unterscheiden wir die „reversible Blindheit“. Hierzu tragen Erkrankungen der Hornhaut (Trübungen oder Verkrümmungen) bei, Erkrankungen der Linse – vornehmlich der Graue Star (die Katarakt) – oder Glaserkörperblutung, z. B. beim Diabetes mellitus. Diesen reversiblen Erblindungen liegt typischerweise ein „Windschutzscheibenproblem“ zugrunde. Sie lassen sich heute durch stadiengerechte Therapie (verschiedene Formen der lamellären und perforierenden Hornhauttransplantation, minimal invasive Katrakt-Operation (Graue Star) und minimal invasive Plars-Plana-Vitrektomie zur Entfernung des Blutes aus dem Glaskörperraum des Auges) therapieren.

Dagegen entsteht durch „Motorschaden“ eine „irreversible Erblindung“. Dazu führen alle Erkrankungen, die das Nervengewebe betreffen, also insbesondere die Netzhaut, den Sehnerven oder auch die Sehrinde im menschlichen Gehirn. Auslöser können sein eine nicht rechtzeitig therapierte Netzhautablösung (Amotio retinae), Gefäßthrombosen insbesondere der Zentralarterienverschluss, Sehnerven-Infarkte, aber auch ein Schlaganfall im Gehirn. Zu den Volkskrankheiten in der Augenheilkunde mit „irreversibler Erblindung“ gehören alle Erkrankungen, die mit zunehmenden Alter immer häufiger diagnostiziert werden, wie z. B. die Glaukome (der Grüne Star), die typischerweise subjektiv unerkannt beginnen und bis zur absoluten Blindheit führen können.

Dagegen führt die Altersbezogenene Makula Degeneration (AMD – feucht oder trocken) nur zu einem zentralen Sehausfall, während die Orientierung typischerweise lebenslang erhalten bleibt. D. h. der Patient wird nicht blind. Das können wir den uns anvertrauten Patienten guten Gewissens – auch in Corona-Zeiten – in die Hand versprechen. Die Makuladegeneration führt „nur“ zur „Blindheit im Sinne des Gesetzes“, aber im Vergleich zum Grünen Star nie zur wirklichen Erblindung.

Wir fassen also zusammen, dass heutzutage durch minimal invasive mikrochirurgische Techniken – auf die im Referat im Detail eingegangen wird – „Windschutzscheibenprobleme" am Auge sehr gut therapierbar sind und oft weitgehend reversibel sind. Dagegen ist der „Motorschaden“ am Auge typischerweise irreversibel und lässt sich auch von einem noch so guten Operateur nicht heilen.

 

 

Weitere Informationen

Augenklinik des UKS:

 

https://augenklinik-saarland.de