Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
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23.12.2020
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Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS): Jahresrückblick und Ausblick – Pandemie und Schutzkonzept

„Zum Jahreswechsel möchte ich die Gelegenheit für einen kurzen Rück- und Ausblick nutzen. Bei der Bevölkerung sowie den kooperierenden Institutionen möchte ich mich für die außerordentliche Unterstützung bei der Bekämpfung der Pandemie bedanken", erklärt Professor Dr. Wolfgang Reith, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des UKS.

Vor den Feiertagen hatte sich Prof. Reith bereits mit einer internen Videobotschaft an die mehr als 5.000 Beschäftigten des UKS gewandt: „Ebenso gilt mein Dank all unseren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bei der Behandlung unserer Patientinnen und Patienten Vorbildliches leisten. Neben anderen wichtigen Themen haben wir parallel das Schutzkonzept des UKS ausgebaut und die Meldewege des Klinikums optimiert."

 

 

Pandemie – aktuelle Situation

Die aktuelle zweite Corona-Erkrankungswelle macht sich auch im Universitätsklinikum des Saarlandes stark bemerkbar. Die Zahl der Corona-Erkrankten und das Notfallaufkommen nehmen so stark zu, dass wieder strikte Maßnahmen ergriffen werden, um diese besondere Herausforderung zu meistern. Zur Entlastung der Zentralen Notaufnahme und der Intensivstationen werden alle planbaren Eingriffe verschoben. Ausnahmen bilden die Akutversorgung und onkologische Fälle.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Covid-Bereichen wurden vorsorglich gebeten, ihren Urlaub möglichst zu verschieben. Ebenso wurden Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen zur Entlastung angesprochen. Alle Maßnahmen des Klinikums zielen auf ein Abflachen der zweiten Welle.

Das UKS bereitet parallel alles für die Corona-Impfung vor, die demnächst auch für Klinikumsbedienstete zur Verfügung stehen wird.

 

Schon während der ersten Welle wurden im UKS neue Abläufe entwickelt und stetig angepasst. Parallel wurden damals mit Hochdruck Forschungsprojekte zu Corona gestartet. Das UKS ist in wichtige und wegweisenden Forschungen auf Landes- und Bundesebene eingebunden und im Nationalen Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 mit allen anderen deutschen Uniklinika vernetzt.

 

Entstanden sind dieses Jahr völlig neue Strukturen und innovative Ansätze, die sich bewährt haben und auf die man jetzt im UKS wieder zugreifen kann.

 

„Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über sich hinausgewachsen und haben eigene Anliegen ganz hintenangestellt. Wir sind zu jeder Zeit – viele von uns zu jeder Tages- und Nachtzeit und an vorderster Front – für unsere Patientinnen und Patienten da. In einem gemeinsamen Kraftakt werden wir auch die zweite Welle durchstehen und hoffentlich dank der Impfmöglichkeit in den nächsten Monaten Entlastung haben“, sagt Professor Reith.

 

Die Arbeit im Gesundheitswesen hat zu Recht einen anderen Stellenwert erhalten. Damit auch im UKS Corona-Prämien gezahlt werden können, mussten erst einige Herausforderungen gemeistert werden. Für die Prämie haben sich Vorstand und Landesregierung stark gemacht.

 

 

Schutzkonzept Gewaltprävention

Das zurückliegende Jahr wurde auch dazu genutzt, das Selbstverständnis des UKS als Zentrum der Gesundheitsversorgung neu zu definieren.

 

„Das UKS soll ein geschützter Raum sein – für Jung und Alt, für Patienten und Beschäftigte aller Berufsgruppen. Es hat sich leider gezeigt, dass in zurückliegenden Jahren ein Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – geleitet von pädophilen Neigungen – sein berufliches Umfeld genutzt hat, um mit Kindern in Kontakt zu kommen. Als Vater und Ärztlicher Direktor bedauere ich sehr, dass es damals zu Fehleinschätzungen gekommen ist. Im Nachhinein – nach intensiven internen, externen Ermittlungen und Gutachten, ergibt sich ein sehr komplexes Bild einzelner Verdachtsmomente“, erläutert Professor Reith.

 

Viele fragen: Warum hat man nicht früher etwas unternommen? Hat jede Institution zu jedem Zeitpunkt das Richtige getan? Warum wurden Informationen nicht weitergeleitet oder untereinander ausgetauscht?

 

„Mit dem Wissen, das wir heute haben, ist es leicht, zu sagen: Man hätte das anders machen müssen, aber es hat damals der Überblick gefehlt, um die Tragweite einzuschätzen. Wir haben daraus zwei Dinge gelernt: Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie Jugendamt, Ministerium, Polizeibehörde usw. muss verbessert werden. Im UKS wurde eine Task Force Kinderschutz und landesweit eine Schutzkommission etabliert, die sich auch mit der besseren Vernetzung aller Einrichtungen befasst.“

 

Im UKS wurde bereits im Vorjahr ein Schutzkonzept erarbeitet, das das heilberufliche Selbstverständnis der Beschäftigten untermauert. „Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen kommen in gesundheitlichen Ausnahmesituationen zu uns – sie alle haben ein Recht auf eine gewissenhafte Behandlung in einem geschützten Raum. Das Schutzkonzept gilt ebenfalls für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im UKS ist kein Platz für Gewalt oder sexuelle Übergriffe. Damit solche Vorfälle schneller und transparenter geahndet werden können, wurden die Meldewege im Klinikum optimiert“, betont Prof. Reith.

 

Die administrativen Meldewege bei anonymen Anzeigen und schweren Regelverstößen wurden verbessert. Der Compliance Officer des UKS wird zukünftig die Bearbeitung dieser Sachverhalte zentral koordinieren und den Stand der Verfahren überwachen. Er informiert und berichtet unmittelbar an den Vorstand. Der Compliance Officer des UKS ist auch mit der Prozessoptimierung der Meldewege bei solchen Vorkommnissen befasst.

Zusätzlich wird ein interdisziplinäres Compliance Komitee etabliert. Darin sind alle relevanten Bereiche vertreten u.a. Vertreter des Vorstands, der Fachdezernate sowie Beauftragte des Klinikums.

 

„Ziel ist es, bei besonderen Vorfällen zeitnah die Sachverhalte noch besser bewerten zu können und über Maßnahmen und Meldungen zu entscheiden“, erklärt Prof. Reith.

 

Die Beschäftigten werden weiterhin ermutigt, genau hinzuschauen und Missstände offen anzusprechen. Das Schutzkonzept wurde absichtlich breit angelegt, um alle Menschen damit zu erreichen und es wird einer externen Auditierung unterzogen. Ein deutschlandweit anerkannter Experte in Sachen Kinderschutz unterstützt das UKS bei diesem Prozess. Mit der Auditierung hat das UKS die Chance, neue Standards zu setzen und auch für andere Häuser eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

 

Das UKS hat zudem ganz konkrete Projekte umgesetzt:

 

Mittlerweile haben sich schon 51 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Online-Fortbildung „Kinderschutz in Institutionen“ registriert und zum Großteil abgeschlossen. Sie alle tragen ihr Wissen in die Kliniken.

 

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde eine Standleitung zum Jugendamt eingerichtet, sodass jedes Kind bei Bedarf direkt einen externen Ansprechpartner anrufen kann.

 

Mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar wurde ein Projekt gestartet, wie man das Schutzkonzept den Patientinnen und Patienten und besonders den Kindern näherbringen kann, damit auch sie verstehen, wie ein Krankenhausaufenthalt üblicherweise abläuft und was ihre Rechte sind. Erste Entwürfe werden im Februar 2021 erwartet.

 

 

Weitere Informationen

Schutzkonzept: „Gewaltprävention im UKS“