Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
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03.04.2020
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Selbstgenähte Behelfsmasken für Mund und Nase haben durchaus einen Nutzen

In Kooperation mit der Gemeinde der Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg hat das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) eine Nähanleitung und weitere Hinweise zur Handhabung erarbeitet.

Das UKS dankt allen engagierten Mitgliedern der Pfarrei für die tatkräftige Unterstützung. Darüber hinaus zudem den Beschäftigten der UKS-Näherei, den Patientinnen und Patienten der Tagespflege, der Nähgruppe Nadelspielkinder und allen Einzelpersonen, die ebenfalls selbstgenähte Stoffmasken eingereicht haben.


Eine sogenannte selbstgenähte Behelfsmaske für Mund und Nase ist kein Medizinprodukt und sollte deswegen in sensiblen Bereichen im Krankenhaus nicht eingesetzt werden. Ist das gleichbedeutend damit, dass diese keinen Nutzen hat?

„Wissenschaftlich kann dazu ausgeführt werden, dass eine selbstgenähte Behelfsmaske bei geeigneter Stoffwahl und Nähtechnik, sowie korrekter Handhabung durchaus das Potential hat, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren – eine Studie um wieviel Prozent genau, gibt es bislang nicht“, beschreibt Dr. Sophie Schneitler aus der Mikrobiologie/Krankenhaus-Hygiene am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) die Situation. „Es ist aber von vorherigen Studien anzunehmen, dass dieser einfache textile Schutz des Mundes und der Nase besser ist als keiner.“

Dabei geht es bei diesen Behelfsmasken nicht nur um den Eigenschutz, sondern auch um den Schutz der anderen. Wieso? Stellen wir uns eine infizierte Person vor, die Coronaviren schon ausscheidet, aber noch keine Symptome hat. Sie gibt diese Viren beim Sprechen und Husten in Tröpfchenform an die Umgebung ab. Beim Tragen einer selbstgenähten Stoffmaske wird das Risiko der Übertragung auf andere minimiert. Auch das Robert-Koch-Institut hat aktuell hierzu eine positive Einschätzung geliefert.

Ein Maskenträger hingegen, der selbst noch nicht infiziert ist, fasst sich womöglich weniger häufig ins Gesicht und minimiert dadurch sein Risiko, Viren auf die Schleimhaut aufzutragen.

Selbstverständlich kann das Tragen einer Behelfsmaske die Regeln des Abstandhaltens und des Händewaschens nicht ersetzen, diese müssen unbedingt weiterhin praktiziert werden. Die selbst genähte Maske kann lediglich eine zusätzliche Maßnahme darstellen.

In der aktuellen Pandemie ist der medizinisch normierte Mund-Nasen-Schutz (MNS) ein rares Gut und wird deshalb wohl überlegt in jenen medizinischen Bereichen eingesetzt, wo dies notwendig ist. Daneben gibt es jedoch viele Situationen – sei es in klinischen Randbereichen bzw. Außenbereichen oder im Alltag zuhause, beim Einkaufen etwa – in denen wir uns wünschen würden, wir könnten unser Ansteckungsrisiko minimieren.

„Wir von der Krankenhaus-Hygiene am UKS haben uns deshalb von wissenschaftlicher Seite der privaten Stoffmasken-Produktion angenähert“, beschreibt Dr. Sophie Schneitler die aktuellen Überlegungen. Viele Köpfe haben sich nach Literaturrecherche Gedanken gemacht, wie man mit einfachen Mitteln eine gut sitzende Behelfsmaske produzieren kann. In Gemeinschaftsleistung wurde ein Schnittmuster mit Stoffempfehlungen erarbeitet, mit dem man Schritt für Schritt eine textile Behelfsmaske mit optimaler Passform erstellen kann. Der Tragekomfort der Stoffmaske wird durch einen eingenähten biegsamen Nasenbügel optimiert.

In Kooperation mit der Gemeinde der Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg werden seit dieser Woche mit großem Engagement im heimischen Umfeld textile Behelfsmasken gefertigt. Diese Aktion, an der sich bereits rund 250 Näherinnen und Näher auf ehrenamtlicher Basis beteiligen – darunter Schüler, junge Leute, Senioren – wird von einem engagierten Team der Pfarrei Heilig Kreuz koordiniert, das das Nähen, die Sammlung und die Weitervermittlung organisiert.

 

Foto: Rüdiger Koop / UKS

 

 

„Wir bedanken uns sehr herzlich für die ehrenamtlich erstellten Stoffmasken, die wir gerne in unseren Ambulanzen je nach Bedarf an Patienten und an unser Personal weitergeben“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Reith, Ärztlicher Direktor des UKS. „Wir sind dankbar für jede Initiative, die dazu beitragen kann, das Infektionsrisiko in der Bevölkerung zu minimieren“.

 

Das erprobte Schnittmuster sowie Hinweise zu Materialien und weiterer Handhabung finden Sie hier:

Nähanleitung

 

Tipps zum richtigen Tragen der Stoffmasken:

  • Die Stoffmaske sollte immer Mund und Nase bedecken und möglichst eng anliegen
  • Wenn Sie eine Stoffmaske aufgesetzt haben und im Verlauf berühren, waschen oder desinfizieren Sie anschließend Ihre Hände, da dabei Viren und andere Erreger auf Ihre Hände übertragen werden können.
  • Ziehen Sie die Stoffmaske nicht unter das Kinn, sondern entfernen Sie sie zum Beispiel zum Naseputzen komplett und waschen oder desinfizieren Sie anschließend die Hände.
  • Wenn Sie die Stoffmaske abgesetzt haben, sollten Sie zum Abschluss die Hände waschen oder desinfizieren.
  • Wenn die Stoffmaske durchfeuchtet ist, wechseln Sie sie.
  • Waschen Sie Ihre Stoffmaske nach dem Tragen bei mindestens 75 Grad und lassen Sie sie gut trocknen. Somit ist die Stoffmaske wiederverwendbar.

 

Wer beispielsweise die Pfarrei Heilig Kreuz unterstützen möchte, kann sich direkt bei Hubertus Heinz melden, E-Mail Hubertus.Heinz @gmx.de.

 

 

Literaturhinweis

Davies A, Thompson KA, Giri K, Kafatos G, Walker J, Bennett A. Testing the efficacy of homemade masks: would they protect in an influenza pandemic? Disaster Med Public Health Prep 2013;7(4):413-418.