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07.05.2020
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Flächendeckende Testung in saarländischen Pflegeheimen bundesweit einzigartig

Die institutionsübergreifende Aktion zur flächendeckenden Früherkennung von Coronavirus-Infektionen läuft erfolgreich

Die vom saarländischen Gesundheitsministerium und dem Virologischen Institut des Universitätsklinikums in Homburg konzipierte flächendeckende Testung von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie dem Personal von Senioren- und Pflegeheimen ist ein Erfolg, so die Zwischenbilanz von Gesundheitsministerin Monika Bachmann. Die frühzeitige Erkennung und die daraus folgende Isolierung und Behandlung sollen die Risikogruppen bestmöglich schützen und fortlaufenden Infektionen vorbeugen.

 

„Die flächendeckende Untersuchung der Bewohner von Pflegeeinrichtungen und deren Personal ist eine große logistische Herausforderung, deren Umsetzung nur mit der Unterstützung vieler Kooperationspartner möglich ist. Deshalb danken wir allen Partnern für ihr enormes Engagement und Ihren unermüdlichen Einsatz“, so Monika Bachmann.

 

Bei der Testung arbeiten insgesamt sieben Partner zusammen:

  • Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
  • Institut für Virologie am Universitätsklinikum des Saarlandes
  • Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT)
  • Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS)
  • Landesamt für Verbraucherschutz (LAV)
  • Saarländische Pflegegesellschaft für die Koordinierung mit Pflegeeinrichtungen
  • Blutspendezentrale Saar-Pfalz gGmbH als Back-up Labor für Pooltestungen


Gemeinsames Ziel der Kooperationspartner ist es, in insgesamt 157 Pflegeeinrichtungen im Land alle Bewohner und Mitarbeiter zu testen. In enger Zusammenarbeit konnte ein gemeinsamer Plan erstellt werden, um dieses Ziel möglichst schnell und mit großer Präzision zu erreichen.

 

Bei der Testung asymptomatischer Personen wird mit dem sogenannten Pooling ein innovativer Ansatz genutzt, der es ermöglicht, Testkapazitäten einzusparen. Institutionsdirektorin der Virologie am Universitätsklinikum Homburg Prof. Dr. Sigrun Smola erklärt hierzu: „Die Testmethode ist so empfindlich, dass beim Pooling gleichzeitig die Proben einer Gruppe von bis zu 20 Menschen untersucht werden können. Nur wenn dieser Gruppentest positiv ist, führen wir Einzeltestungen durch. So gelingt es ressourcensparend die große Anzahl an Untersuchungen zu bewältigen.“ Die Methode wurde vom Institut in den letzten Wochen bereits erfolgreich im Universitätsklinikum des Saarlandes erprobt und im renommierten internationalen Fachjournal The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht.

 

Das Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik führt in Zusammenarbeit mit dem Helmhotz-Institut für Pharmazeutische Forschung und dem Landesamt für Verbraucherschutz die Erstellung der Pools durch. Das IBMT ist hierbei mit seinem mobilen epidemiologischen Labor (epiLab) im Einsatz, welches eine sichere Probenentnahme gewährleistet. Darüber hinaus ist das epiLab für die Erstellung der Pools und der Durchführung der Antikörper-Tests vor Ort komplett ausgestattet. Das LAV übernimmt bei der Durchführung der Tests einen Großteil der Logistik.

 

Die Einsatzplanung für die flächendeckenden Tests liegt bei der Saarländischen Pflegegesellschaft. Dem Vorsitzenden Harald Kilian ist neben dem Einsatz zielgerichteter Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus in Seniorenheimen wichtig, dass bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Angehörigen Ängste abgebaut werden können. Auch ein Aufnahmestopp soll verhindert werden: „Wir wollen die Menschen, die dringend einen Platz in einer Einrichtung benötigen, nicht auf der Straße stehen lassen.“

 

Weitere Informationen

Zuerst werden Einrichtungen getestet, in denen bisher keine Coronafälle aufgetreten sind. Auch Neuaufnahmen in den Einrichtungen sollen zusätzlich zu einer zweiwöchigen Quarantäne untersucht werden. Sobald valide sogenannte Antikörpertests zur Verfügung stehen, sollen in einer zweiten Stufe Pfleger und Bewohner auch auf das Vorhandensein von Antikörper getestet werden. Damit kann festgestellt werden, ob die getestete Person die Erkrankung bereits durchgemacht hat und eine körpereigene Abwehr gegen das Virus entwickelt hat.