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20.10.2020
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Antibiotika bei Kindern in Kinderkliniken langfristig um mindestens 20 Prozent reduzieren

Noch immer werden in deutschen Kinderkliniken zu häufig und oft unnötig Antibiotika verschrieben. Ein interdisziplinäres Team um Prof. Dr. Johannes Hübner, Infektiologe im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum München, möchte dies u. a. gemeinsam mit Kollegen des Universitätsklinikums Halle (Saale) ändern: Die Experten haben ein Projekt namens TELE-KASPER initiiert, das mittels Telemedizin und einer App die Antibiotika-Gabe bei stationär behandelten Kindern optimieren und den Verbrauch innerhalb von 3 Jahren um mindestens 20 Prozent reduzieren soll.


Mit diesem Projekt wollen vier deutsche Universitätskinderkliniken mittelfristig den Antibiotika-Einsatz bei Kindern in Kinderkliniken um mindestens 20 Prozent verringern. Neben dem LMU Klinikum München, dem Universitätsklinikum Halle (Saale) und dem Universitätsklinikum Essen ist auch das Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg an diesem Projekt beteiligt.

 

Die statistische Begleitung und Evaluation liegt für alle Standorte beim Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Prof. Rafael Mikolajczyk).

 

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GB-A) insgesamt mit rund 7,7 Millionen Euro gefördert und startet im Oktober 2020.


 

Universitätsklinika stellen Expertise zur Verfügung

 

Die vier Universitätsklinika fungieren als sogenannte „Hubs“ in ihrer Region, in enger Zusammenarbeit mit umliegenden Kinderkliniken bzw. Krankenhäuser mit Kinderstationen. Das LMU Klinikum stellt sowohl die Konsortialführung als auch die ärztliche Projektleitung für das Gesamtnetzwerk.

 

In der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums existiert bereits seit acht Jahren ein Antibiotic Stewardship (ABS) Programm: Ein interdisziplinäres Team aus pädiatrischen Infektiologen, Apothekern und Statistikern konnte in der Haunerschen Kinderklinik die Verschreibung von Antibiotika bereits erfolgreich um 50 Prozent reduzieren. „Dies hat uns gezeigt, dass wir mit unserem Ansatz den Antibiotika-Verbrauch deutlich herunterfahren können, zum Wohle unserer kleinen Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Johannes Hübner, Konsortialführer des Projekts.

 

„Nun möchten wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Halle, Essen und Homburg das Konzept in der Regelversorgung etablieren und hoffen darauf, dass uns dies mit unserem interdisziplinären Ansatz gelingen wird. Unsere Erfahrung zeigt uns, dass der Bedarf definitiv da ist und dass wir handeln müssen“, ergänzt Prof. Hübner, Leiter der Abteilung für Infektiologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital.

 

Koordinator des TELE-Kasper HUBs -Saarland und angrenzende Kinderkliniken- ist Prof. Dr. med. Arne Simon, Pädiatrischer Infektiologe am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg und Leiter des pädiatrisch-infektiologischen PaedineSaar Netzwerkes https://www.paedine-saar.de

 

„Wir freuen uns sehr, dass wir - gemeinsam mit den Kinderkliniken in unserer Region - an diesem innovativen Forschungsprojekt teilnehmen dürfen“, betont Prof. Simon, der auch zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie ist. So könne die langjährige enge Zusammenarbeit im PaedineSaar Netzwerk fortgesetzt und intensiviert werden. „In den letzten Jahren lag unser Fokus auf den ambulanten Antibiotikaverordnungen, jetzt haben wir die Mittel, diese wichtige Thematik auch im stationären Versorgungssektor aufzugreifen.“

 

 

Beratung via App und telemedizinischem Konsil

 

In der Pilotphase wird das Experten-Team der Haunerschen Kinderklinik zehn Kinderkliniken im Münchner Umland über 27 Monate hinweg beraten. Das gleiche wird auch in den anderen Standorten mit insgesamt 35 Kliniken aus der jeweiligen Umgebung durchgeführt. Geplant ist, ein infektiologisches Netzwerk aufzubauen und eine App zu entwickeln. Mittels Telemedizin und App als Kommunikationsmittel können sich Kinderärztinnen und -ärzte der teilnehmenden umliegenden Krankenhäuser zum Einsatz von Antibiotika von Experten beraten lassen.

 

 

Weiterbildungsangebote


Prof. Hübner, Prof. Simon und Dr. von Both richten bereits seit 2016 zusammen mit der ‚Arbeitsgruppe Antibiotic Stewardship (ABS) in der Pädiatrie‘ der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (https://dgpi.de) einen eigens auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ausgerichteten ‚Antibiotic Stewardship Kurs‘ aus (https://akademie-muenchen.de/J2020/Vor-ABS/index.php). Bislang wurden sieben Weiterbildungskurse durchgeführt und insgesamt mehr als 450 Kinderärztinnen und Kinderärzte aus ganz Deutschland auf diesem Gebiet weitergebildet.

 

 

Die ausführliche Pressemitteilung des LMU Klinikums München

 

Ansprechpartner:

 

Prof. Dr. med. Johannes Hübner

Leiter Abteilung für Infektiologie

Klinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital

LMU Klinikum München

Tel: +49 89 4400 57970

E-Mail: johannes.huebner @med.uni-muenchen.de

 

PD Dr. med. Ulrich von Both

Oberarzt Abteilung für Infektiologie

Klinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital

LMU Klinikum München

Tel: +49 89 4400 52817

E-Mail: ulrich.von.both @med.uni-muenchen.de

 

Prof. Dr. med. Arne Simon

Pädiatrische Onkologie und Hämatologie

Universitätskinderklinik

Kirrberger Str. Gebäude 9

66421 Homburg

Tel: 06841-1628409

E-Mail: Arne.Simon @uks.eu