Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Institut für Neuropathologie
Prof. Dr. med. Walter J. Schulz-Schaeffer
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Liquorcytologie | Stereotaxie | Histologie

 

 

  


 

 

 

Indikationen für die qualitative Liquorzytologie:

  • V.a. Meningeosis carcinomatosa bei bekanntem Karzinomleiden.
  • V.a. Meningeosis blastomatosa bzw. leukaemica bei bekannter ALL, AML sowie bei Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL); Verlaufskontrolle der genannten Leukosen
  • primär meningeale/zerebrale bzw. Hirnnerven- oder spinale Symptome bei unbekanntem Primärtumor, aber klinischem V.a. metastasierendes Tumorleiden.
  • Klinischer/neuroradiologischer V.a. einen primär intrakraniellen Tumormit bekannter Neigung zur Tumorzellausschwemmung in den Liquorraum (Germinom der Pinealisregion bzw. suprasellär, PNET-/Medulloblastom-Gruppe, Plexuspapillom); evtl. vom Neurochirurgen eingesandter Ventrikelliquor bei Shunt-Anlage.
  • V. a. entzündliche Affektion im Leptomeningealraum (tuberkulöse Meningitis, Virusmeningitis, Neuroborreliose, Kryptokokkose) bzw. meningeale Mitbeteiligung bei intrazerebraler entzündlicher Erkrankung (z. B. Encephalomyelitis disseminata).

Bei den mit Abstand häufigsten primär intrazerebralen Neoplasien, den diffus im Hirnparenchym sich manifestierenden Gliomen, spielt die liquorzytologische Diagnostik praktisch keine Rolle.

 

Eine immunzytochemische Untersuchung an Liquorzellpräparaten kann in Einzelfällen von Tumorzellnachweis hilfreich sein, insbesondere wenn es sich um die Erstdiagnose einer neoplastischen Erkrankung aus dem Liquor handelt. Die klassische zytopathologische Diagnostik an MGG- und Papanicolaou-gefärbten Präparaten steht jedoch nach wie vor an erster Stelle.

 

Folgende Primärantikörper werden am häufigsten angewandt: 

Identifizierung von Carcinomzellen CK8, MNF116, CK10
"Primärtumorsuche" TTF-1, NAPSIN A; Mammoglobin, GCDFP-15
Identifizierung von Melanomzellen HMB-45
Identifizierung von Germinomzellen PLAAP
Nachweis lymphocytärer und monocytärer Antigene LC, L26, CD3, KP1/PGM1
PNET / astrocytäre Gliome Gamma-Enolase, Synaptophysin, GFAP, MAP-2

 

Stereotaktische Biopsie

Unklare intracranielle Raumforderungen oder Veränderungen können in der Neurochirurgie über eine stereotaktische Biopsie histologisch abgeklärt werden.


Die vom Neurochirurgen entnommenen Proben werden sofort durch einen Neuropathologen cytologisch aufgearbeitet. Bei repräsentativem bioptischem Material folgt unmittelbar nach der Bearbeitung (in der Regel ca. 10 min) eine vorläufige Beurteilung bzw. Entitätsbestimmung.


Restliches Material wird in Formalin fixiert und nach Paraffineinbettung am Folgetag histologisch begutachtet. In der Regel wird die intraoperativ gestellte Diagnose bestätigt und der Tumor oder die Veränderung näher klassifiziert

 

Stereotaxie-Ring zur Bestimmung
des Zieltrajektes über eine  
intracranielle
Bildgebung.

Löffelzange zur
Probenentnahme

Biopsat, mit
Sedan-Nadel gewonnen
Intraoperativer cytologischer
Ausstrich.

Färbung mit konzentrierter
Giemsa-Lösung.

Fertiges
cytologisches Präparat.

Cytologie einer bioptischen Probe.

Publikation 1937 in "The Journal of Pathology" über die Anfertigung intraoperativer cytologischer Ausstrichpräparate

 

 

Histologie

Die Gewebefixierung erfolgt in der Regel in 3%igem Formalin. Nach mehreren Zwischenschritten in Alkohol, Xylol und Xylol-gesättigtem Paraffin werden die Stücke in Blockschälchen geschmolzenen Paraffins übertragen und abgekühlt.

 

Nach erstarrtem Paraffin werden am Mikrotom in 3-5 Mikrometer dicke Schnitte angefertigt und auf Objektträger aufgezogen.

 

Am häufigsten eingesetzte Färbungen:

 

HE

Zellkerne blau, Cytoplasma rot. Standartfärbung.

PAS-Reaktion (periodic-acid-schiff)

Identifizierung verschiedender Schleimstoffe oder glycogenhaltigen Materials

Berliner-Blau-Reaktion

Nachweis freier Eisen-Ionen (Fe3+), z.B. freies Siderinpigment

Versilberung nach Gomori

Nachweis von Reticulinfasern

Giemsa-Färbung

Färbung zur Blutzelldifferenzierung, histologisch vor allem bei Lymphomen und Plasmocytomen

Gramfärbung

Bakteriendifferenzierung, Unterscheidung von Gram+ und Gram-negativen Bakterien.

Ziel-Neelsen

Nachweis säurefester Stäbchen (z.B. Tuberkel-Bakterien)

Elastica–van-Gieson (EvG)

Darstellung von Blutgefäßen, speziell in der Neuropathologie: Markscheiden

LFB (Luxol Fast Blue / Kresylviolett)

Markscheidenfärbung

Kongorot

Identifizierung von Amyloidablagerungen