Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Thorax- und Herz-Gefäßchirurgie
Leitung: Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers
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30 Jahre Thorax- und Herzgefäßchirurgie am UKH

Die Nachfolge von Prof Gams trat 1995 Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers von der Medizinischen Hochschule Hannover an. Basierend auf den bewährten Traditionen der vorausgegangenen 20 Jahre veränderte sich das Gesicht der Abteilung weiter. Innerhalb der vorhandenen Bettenstruktur wurde eine Station mit 8 Betten als Überwachungseinheit eingerichtet. Im Jahr 2001 konnte ein dritter Operationssaal regelmäßig durch die Abteilung genutzt werden. Weitere strukturelle Verbesserungen, insbesondere die im Bettenbedarfsplan des Landes seit 2004 zusätzlich ausgewiesenen Betten werden voraussichtlich mit Abschluss der laufenden Umbau- und Erweiterungsmaßnahme der Chirurgischen Klinik zur Verfügung stehen.
Die Operationszahlen sind seit 1995 weiter gestiegen, in den letzten Jahren wurden pro Jahr etwa 1700 Eingriffe durchgeführt, hiervon etwa 1100 mit Hilfe der Herz-Lungenmaschine. Im vergangenen Jahr wurde die Abteilung umbenannt in "Klinik für Thorax- und Herz-Gefäßchirurgie", um ihrer Eigenständigkeit Rechnung zu tragen.


Die Thoraxchirurgie war seit der Gründungszeit eine der wesentlichen Säulen der Abteilung und ist es auch noch nach 30 Jahren. Verändert haben sich in den letzten 10 Jahren die Behandlungskonzepte des Bronchialkarzinoms. Heute kommen in der Lungenresektion - wann immer möglich - parenchymsparende Eingriffe zum Einsatz, um für den Patienten Morbiditätsrisiko zu senken und Lebensqualität zu verbessern. Der Anteil dieser Lungen-schonenden Eingriffe liegt in den letzten Jahren bei mehr als 20%. In diesem Zeitraum ist auch in der Zusammenarbeit mit der Pneumologie und Strahlentherapie die multimodale Therapie des Bronchialcarcinoms fest etabliert worden. Hiermit können auch die Patienten in fortgeschrittenen Stadien des Bronchialcarcinoms eine Chance auf Heilung erhalten, bei denen früher ein längerfristiges Überleben nicht möglich gewesen wäre.
Bereits 1995 wurde mit der Lungentransplantation zur Behandlung von Lungenerkrankungen im Endstadium begonnen. Für das Lungenemphysem im fortgeschrittenen Stadium wurde die Lungenvolumenreduktion eingeführt. In enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Pneumologie werden zur Zeit neue Alternativen zur Transplantation beim Emphysem erprobt. Wesentliche Vorarbeiten hierzu wurden in Kooperation mit der Washington University (St. Louis, USA) erarbeitet. Zur Behandlung der pulmonalen Hypertonie nach Lungenembolie wurde die pulmonale Thrombendarteriektomie 1995 etabliert.


In der Herzchirurgie wird das gesamte Spektrum palliativer und korrigierender Eingriffe bei angeborenen Herzfehlern durchgeführt. Auch die komplexe Versorgung von Kindern mit univentrikulärem Herzen im Sinne einer definitiven Palliation (totale cavo-pulmonale Verbindung, sog. Fontan-Operation) ist fester Bestandteil der klinischen Routine. Für die Mehrzahl der Herzfehler wird heute die primäre Korrektur im Säuglingsalter angestrebt, entsprechend liegt der Anteil der Eingriffe innerhalb der ersten Lebenswochen bzw. des ersten Jahres aktuell bei 50%.

Mit der Herztransplantation wurde 1995 mit guten Ergebnissen begonnen. Zeitgleich wurden in Kooperation mit der Klinik für Kardiologie Alternativen zur Transplantation entwickelt. Für Patienten mit einer Herzinsuffizienz steht so heute ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Verfügung, zu dem auch die organerhaltende Herzinsuffizienz-Chirurgie gehört. Bei Vorliegen einer schweren Funktionsstörung des linken Ventrikels auf dem Boden einer koronaren Herzkrankheit kann die Bypassoperation eine Verbesserung von Lebenserwartung und Lebensqualität bewirken. Ähnlich ist durch Korrektur von funktionsgestörten Herzklappen in vielen Fällen von eingeschränkter Herzfunktion eine Verbesserung ohne Transplantation möglich.

Während der Ersatz von erkrankten Herzklappen seit Jahrzehnten praktiziert wird, hat sich in den letzten Jahren die Rekonstruktion der insuffizienten Mitralklappe als dem Ersatz deutlich überlegen herausgestellt. Die Homburger Herzchirurgie folgt seit 10 Jahren dieser Erkenntnis, indem konsequent die Anwendung der bekannten Rekonstruktionsverfahren für die Mitralklappe betrieben wurde. Für ungewöhnliche Mechanismen der Klappen-Funktionsstörung wurden spezielle rekonstruktive Verfahren entwickelt, unter anderem in Kooperation mit der Stanford University (Palo Alto, USA). Heute werden in Homburg Funktionsstörungen der Mitralklappe in mehr als 80% durch Rekonstruktion behandelt, während dieser Anteil im nationalen Schnitt bei 30% liegt. In Analogie zu den Erfahrungen mit rekonstruktiven Verfahren der Mitralklappe wurden Techniken zur Rekonstruktion der Aortenklappe weiterentwickelt. Durch standardisierte Anwendung von zum Teil neu entwickelten Prinzipien konnte erreicht werden, dass die Rekonstruktion mit guten Resultaten bei mehr als 80% der Patienten mit einer Aorteninsuffizienz möglich ist. Bezogen auf alle Eingriffe an der Aortenklappe beträgt der Rekonstruktionsanteil in Homburg 25%, im nationalen und internationalen Durchschnitt 1 bis 2%

Die Behandlung der koronaren Herzkrankheit durch aortokoronare Bypass-Operationen ist in den letzten Jahrzehnten traditionell Haupttätigkeit jeder Herzchirurgie gewesen, so auch in Homburg. Da die Verwendung von venösem Bypassmaterial jedoch bekannterweise langfristig mit einer nennenswerten Verschlusswahrscheinlichkeit behaftet ist, wurde die Technik der rein arteriellen Revaskularisation eingeführt. Dieses Konzept ist seit 1997 fest in der klinischen Routine verankert, aktuell werden mehr als 60% der Bypass-Operationen so durchgeführt.


Die Herz-Gefäßchirurgie beinhaltet im wesentlichen Eingriffe für Aneurysma oder Dissektion der thorakalen und thorakoabdominellen Aorta. Für Eingriffe an der Aorta ascendens konnten klappenerhaltende Operationsmethoden weiterentwickelt werden, so dass der gleichzeitige Ersatz der Aortenklappe heute selten erforderlich ist. Das Risiko für die meisten Eingriffe der Aortenchirurgie konnte durch spezielle Strategien gesenkt werden, und die Zahl der Eingriffe ist mit mehr als 180 pro Jahr weit überdurchschnittlich hoch.

Die Klinik für Thorax- und Herz-Gefäßchirurgie blickt somit nach 40 Jahren auf eine dynamische Entwicklung zurück. Herz- und Thoraxchirurgie wurden zunächst etabliert und in ihrer Qualität auf nationales Niveau gebracht. Die Erweiterung des operativen Spektrums bei gleichzeitig hoher Qualität der Krankenversorgung haben dazu geführt, dass die Homburger Herzchirurgie über die Grenzen des Saarlandes bekannt ist. Dies spiegelt sich in einer Zuweisung von Patienten aus anderen Bundesländern wider. In bestimmten Schwerpunktbereichen, wie der Aortenchirurgie, pulmonalen Thrombendarteriektomie und der Rekonstruktion von Herzklappen zählt Homburg zu den national und auch international führenden Zentren. Für Operationen in diesen Schwerpunkten suchen inzwischen auch Patienten aus dem außereuropäischen Ausland die Homburger Herzchirurgie auf, und die hier entwickelten Konzepte finden international Beachtung. Eine steigende Zahl ausländischer Kollegen informiert sich in Homburg bei Besuchen oder im Rahmen von internationalen Fortbildungsveranstaltungen über aktuelle Entwicklungen in diesen Spezialitäten.

Diese erfolgreiche Entwicklung wäre nicht denkbar ohne die enge und wertvolle Zusammenarbeit mit den klinischen Partnerdisziplinen, allen voran der Kardiologie, Pneumologie und Kinderkardiologie. Gemeinsam werden wir uns Herausforderungen der Zukunft stellen.