Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Leitung: Prof. Dr. Matthias Glanemann
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Interdisziplinäres Zentrum für Dialysezugänge

Sehr geehrte Patienten und Kollegen,

wir freuen uns, dass es hier am UKS eine sehr enge interdisziplinäre, fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Nephrologen und Gefäßchirurgen gibt.

Ich bin Ihre Hauptansprechpartnerin für operative Shuntanlagen oder Revisionseingriffe in unserem Shuntzentrum. Als Fachärztin für Chirurgie und Gefäßchirurgie kann ich inzwischen auf eine sechzehnjährige Erfahrung und mehr als 2000 Eingriffe in der Shuntchirurgie zurückblicken. Unterstützt werde ich von drei weiteren Fachärzten für Gefäßchirurgie (Frau OÄ Dr. Shayesteh-Kheslat, Hr. OA Dr. Schlüter und Hr. OA Dr. Schäfer), so dass rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres ein kompetenter Gefäßchirurg für unsere Patienten mit Shuntproblemen zur Verfügung steht.

In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit wird für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan, den Leitlinien folgend erstellt:

 

 

1. Konzept bei Shunt-Erstanlagen

Bei Shunt-Erstanlagen wird wenn irgend möglich eine native arterio-venöse Fistel (av-Fistel) angelegt, d.h. eine Direktverbindung zwischen körpereigener Vene und Arterie (Schlagader). Abb.1

In diesem Fall befindet sich kein Fremdmaterial im Körper, das Infektionsrisiko ist damit gering und die Offenheitsrate ist besser als bei anderen Hämodialysezugängen.

Je nach Venenverhältnissen wird versucht die av-Fistel soweit wie möglich unten, am nichtführenden Arm anzulegen. Manchmal gibt es aber nur noch geeignete Venen in Höhe der Ellenbeuge (Abb. 2 und 3) oder am führenden Arm, oder sehr tief liegende Venen am Oberarm, die in einem zweiten Eingriff hochverlagert werden müssen („Basilicafistel“, Abb. 4). Auch wenn die Anlage einer solchen Fistel etwas aufwändiger ist, sollte die av-Fistel einem Kunststoffshunt vorgezogen werden, da die Offenheitsrate von Shunts mit körpereigenem Material besser ist.

 

Abb.1: native av-Fistel handgelenksnah

 

Abb.2: av-Fistel mittlerer Unterarm

 

Abb. 3: av-Fistel Ellenbeuge

 

Abb.4: „vorverlagerte“ av-Fistel bei tiefliegender Vene (Basilicafistel)

 

Manchmal ist es unumgänglich bei fehlenden geeigneten Venen einen Kunststoffshunt anzulegen. Diese sind in der Regel aus speziell gefertigtem Gore-Tex (Polytetrafluorethylen, PTFE), können am Oberarm, seltener am Unterarm, in gerader Form oder als Schleife („Loop“) angelegt werden.

 

PTFE-Prothese („Venaflo“, Fa. Bard)

 

Abb. 5: gerader Oberarm-Prothesenshunt

 

Abb.6: Oberarmloop mit PTFE-Prothese

 

Abb.7: Unterarmloop mit PTFE-Prothese

 

Dialysekatheter sollten aufgrund des hohen Infektionsrisikos und weiterer schwerwiegender Komplikationen (z.B. zentrale Gefäßverschlüsse im weiteren Verlauf) nur im Notfall und Ausnahmefällen als permanenter Dialysezugang implantiert werden.

Im Idealfall sollte der Patient zu Dialysebeginn einen funktionstüchtigen Shunt besitzen. Damit genug Zeit für die operative Vorbereitung und Anlage, sowie Ausreifung des Dialysezugangs und etwaige Korrekturoperationen bleibt, sollte der Shunt ca. 3 Monate vor wahrscheinlichem Dialysebeginn angelegt werden. Eine Vorstellung des Patienten in der Gefäßchirurgie durch die Nephrologie sollte daher entsprechend den Leitlinien erfolgen, sobald die GFR< 30 ml/min beträgt.

Sowohl die Anlage von nativen arterio-venösen Fisteln, als auch von Prothesenshunts sind fast immer in örtlicher Betäubung möglich. Natürlich besteht bei explizitem Patientenwunsch auch die Möglichkeit einer Vollnarkose. Der Eingriff ist z.T. ambulant bzw. in einem 1-2 tägigen Krankenhausaufenthalt möglich.

Vor der Operation werden die Patienten sowohl vom behandelnden Nephrologen und Gefäßchirurgen untersucht und gemeinsam der beste Hämodialysezugang individuell ausgewählt.

 

2. Seltene Shuntvarianten

Neben den o.g. Standard av-Fistel- oder Prothesenshuntanlagen bieten wir aber auch bei komplexer Gefäßanatomie seltene Shuntvarianten an wie z.B.:

 

Subclavialoops (bei Bedarf auch arterio-arteriell)

 

Colliershunts

 

Vena saphena- oder Prothesenloops am Oberschenkel

 

Hybridprothesenshunts wie das kürzlich zugelassene „Herograft“ im Falle von zentralen Venenverschlüssen

 

3. Behandlung von Shuntverschlüssen

Shuntverschlüsse sind Notfälle und werden innerhalb von 24-48 h operiert, um eine Katheteranlage und damit unnötige Komplikationen für den Patienten zu vermeiden.

Es ist jeden Tag rund um die Uhr ein Facharzt für Gefäßchirurgie im Rufdienst. Dieser kann über die Pforte der Chirurgie (Tel.: 06841-16 30000) erreicht werden

Oberste Priorität hat bei uns der Shunterhalt und Vermeidung einer Katheteranlage, auch wenn dies nicht immer möglich ist.

Oftmals besteht bei Behandlung von Shuntverschlüssen eine enge Kooperation mit den Kollegen der interventionellen Radiologie.

 

 

 

Fazit: Dialysezugänge am UKS

  • alle hier vorgestellten Dialysezugänge können am UKS angelegt werden
  • die Art des Dialysezugangs wird interdisziplinär besprochen und auf den Patienten individuell zugeschnitten
  • bei Bedarf ist auch eine simultane Demerskatheter- und Shuntanlage möglich
  • für Notfälle (Shuntverschlüsse, Infektionen o.ä.) ist immer ein Gefäßchirurg im Rufdienst
  • Shuntverschlüsse sind Notfälle und werden innerhalb von 24-48 h operiert, um eine Katheteranlage zu vermeiden
  • Vorstellung von ambulanten Patienten täglich in der chirurgischen Ambulanz möglich (Gebäude 57, Schalter B, mit Überweisung), vorzugsweise in der Gefäß-Sprechstunde dienstags zwischen 8.00 und 12.00 h

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick geben und stehe für jegliche Fragen rund um die Shuntchirurgie gerne zur Verfügung!

 

 

OÄ Dr. Barbara Stange

Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie

barbara.stange @uks.eu

Tel. Sekretariat:          06841-1631000

Tel. Pforte Chirurgie: 06841-1630000