Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Augenheilkunde
Leitung: Prof. Dr. med. Berthold Seitz
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Die Hornhauttransplantation - was ist das?

Neben der Verpflanzung von Organen wie Niere, Herz oder Leber, ist auch eine Übertragung von Geweben wie Gehörknöchelchen oder der Hornhaut des Auges möglich. Die Hornhaut schließt  die Augenoberfläche wie ein Uhrglas ab. Sie ist verhältnismäßig dünn und durchsichtig. Verliert sie ihre Klarheit, gelangt nicht mehr ausreichend Licht in das Auge: Der Betroffene büßt sein Sehvermögen ein und kann erblinden. Eine Hornhautverpflanzung kann ihm das Augenlicht zurückgeben. Die getrübte Hornhaut wird entfernt und durch die gesunde, klare Hornhaut eines Spenders ersetzt.
Eine Trübung der Hornhaut kann viele Ursachen haben. Am häufigsten sind Infektionen, zum Beispiel mit dem Herpesvirus, Verletzungen oder angeborene Erkrankungen. Aber auch extreme Verdünnungen und Verkrümmungen der Hornhaut (z.B. Keratokonus) können eine Transplantation notwendig machen.

 

Die Hornhaut-Transplantation ist die älteste, häufigste und erfolgreichste Verpflanzung eines Gewebes beim Menschen. Die fremde Hornhaut wird vom menschlichen Organismus jahrzehntelang vertragen. Medikamente, die eine Abstoßung verhindern, müssen nur vorübergehend eingenommen werden, in Einzelfällen ist eine längerfristige Therapie notwendig. Weltweit haben bislang zehntausende Erblindete das Augenlicht durch die Verpflanzung einer Hornhaut zurückerhalten. Eine erfolgreiche Transplantation kann den Patienten das Sehvermögen vollständig wiedererlangen lassen. Sein Alltag verändert sich dann schlagartig: Er kann  wieder lesen, seinem Beruf nachgehen, ist frei von Schmerzen. Für manche Patienten bedeutet die Transplantation sogar, daß sie zum ersten Mal sehen können. Bei Kindern kann eine Hornhaut-Transplantation zudem verhindern, daß sie durch angeborene Trübungen der Hornhaut dauerhaft schwachsichtig werden. Denn eine normale Sehschärfe kann sich nur entwickeln, wenn von Geburt an ausreichend Licht in das Auge gelangt. Doch längst nicht allen Patienten, die auf eine Hornhaut warten, kann heute geholfen werden. Denn es stehen bei weitem nicht genug Spender zur Verfügung. In Deutschland warten derzeit rund 7000 bis 8000 Patienten auf ein Hornhauttransplantat. Sie haben nur eine Chance, wenn mehr Menschen bereit sind, ihre Augenhornhäute nach dem Tod zu spenden.

 

Was wird bei der Spende beachtet?

Für die Hornhautspende werden nur die dünnen Hornhautscheiben mit einem Ring von Lederhaut (Durchmesser insgesamt 14 Millimeter) beider Augen entnommen. Die Augäpfel an sich werden nicht entfernt. Die Entnahme wird nur durchgeführt, wenn ein Einverständnis vorliegt. Dies geschieht entweder durch einen Organspendeausweis des Verstorbenen selbst oder durch Zustimmung der nächsten Angehörigen. In jedem Fall werden die Angehörigen oder auf dem Organspendeausweis benannte Personen über die beabsichtigte Entnahme informiert.
Was viele nicht wissen: Die Hornhaut kann noch bis zu 72 Stunden nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand entnommen werden. Die sogenannte "Hirntod-Problematik" spielt hier also keine Rolle. Nur erfahrenen Augenärzte entnehmen die Hornhaut. Die Augen werden mit Kunststoffschalen, ähnlich den Kontaktlinsen, versehen und die Augenlider geschlossen. Der Gesichtsausdruck bleibt dadurch unverändert und die Entnahme ist äußerlich nicht sichtbar. Die Anonymität des Spenders und des Empfängers bleibt gewahrt. Den Angehörigen entstehen keine Kosten. Der normale Ablauf der Bestattung wird durch die Entnahme nicht beeinträchtigt.

Was muß man tun, wenn man nach dem Tode seine Hornhäute spenden möchte?

Die Bereitschaft zur Hornhautspende sollte mit der Familie besprochen werden. Die Angehörigen sind dadurch in der Lage, dem Arzt die Entscheidung des Verstorbenen mitzuteilen.
Wer Organe spenden möchte, sollte eine "Erklärung zur Organspende" mit sich führen. Auf ihr kann vermerkt werden, welche Organe und Gewebe nach dem Tode entnommen werden dürfen. Diese Erklärung des Arbeitskreises Organspende gilt für alle verpflanzbaren Organe und Gewebe. Eine Registrierung möglicher Organspender findet nicht statt. Deshalb sollte die Erklärung stets den Personalpapieren beiliegen. Solche Organspenderausweise können angefordert werden in Transplantationszentren, bei Krankenkassen, Ärzten, sowie beim
Arbeitskreis Organspende unter (0130) 91 40 40.
Dort gibt es auch Informationen über Organspende und Transplantation.

Der Deutsche Organspenderausweis (DSO)

Wer kann eine Hornhaut spenden?

Jeder Verstorbene ist ein möglicher Hornhaut-Spender. Das Alter spielt dafür keine Rolle. Auch Brillen- oder Kontaktlinsenträger sowie Menschen, die an Augenkrankheiten leiden oder gar an Augen operiert wurden, kommen grundsätzlich als Spender in Betracht.
Ob eine gespendete Hornhaut verwendet werden kann, hängt letztlich von ihrer Beschaffenheit ab, die vor einer Verpflanzung unter dem Mikroskop geprüft wird. Infektionen des Spenders können zum Ausschluß führen. Hornhäute von Verstorbenen, die mit dem Erreger von AIDS, Hepatitis B oder C, der Syphilis u.a. infiziert waren, werden nicht verpflanzt. Menschen, die einem Krebsleiden erlegen sind, kommen dagegen durchaus als Spender in Betracht.
Hornhäute, die sich nicht für eine Verpflanzung eignen, können für wissenschaftliche Arbeiten verwendet werden. Diese tragen dazu bei, daß Augenkrankheiten in Zukunft wirkungsvoller bekämpft werden können.

 

Hornhautspende - warum?

Nach dem 1997 verabschiedeten Transplantationsgesetz ist es nunmehr erlaubt, bei Einwilligung des Verstorbenen zu Lebzeiten oder seiner Angehörigen Gewebe (Hornhaut) oder sogar Organe (Niere, Herz, Leber, Lunge) eines Verstorbenen zu entnehmen.
Trotzdem haben wir in Deutschland ein immer noch zu geringes Hornhautspenderaufkommen. An unserer Klinik warten über 200 - in Deutschland mehrere Tausend - Patientinnen und Patienten sehnlichst auf eine Hornhautspende. Weil die Empfänger nicht sehen können oder Schmerzen haben, sind sie auf fremde Hilfe, Krankengeld, ja sogar Arbeitslosengeld und Sozialhilfe angewiesen. Eine mit großem Erfolg durchgeführte Hornhautverpflanzung würde den betroffenen Patientinnen und Patienten - vielleicht aber auch uns allen - erhebliche Kosten ersparen.
Um unseren Patienten noch besser helfen zu können wurde im Jahr 2000 die Lions-Hornhautbank Saar-Lor-Lux, Trier/Westpfalz gegründet, die eine wichtige Funktion bei der Beschaffung, Konservierung, Beurteilung und Zuteilung von Hornhaut-Spender-Gewebe hat.

Transplantataufbereitung

In unserer Hornhautbank wird die Hornhaut unter dem Mikroskop untersucht, fotografiert und nach bestimmten Kriterien beurteilt. Dabei gilt beispielsweise die Zelldichte auf der Hornhautrückseite (des Endothels) als ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Diese sorgfältige Analyse und die nachfolgende Beobachtung der Hornhaut im Konservierungsverfahren gewährleisten die Bereitstellung von optimalen Transplantaten. Gleichzeitig schließen mikrobiologische Tests und Untersuchungen des Spenderblutes aus, daß Krankheiten auf den Empfänger übertragen werden.
Nach der sogenannten "Erstbefundung" wird die Hornhaut in eine Nährlösung eingelegt. Sie wird "kultiviert": Die Zellen der Hornhaut können so weiterleben. Das Medium, in dem die Hornhaut schwimmt, ist einerseits eine Nährlösung, welche das Gewebe weiterversorgt, andererseits enthält die Lösung aber auch antibiotische Stoffe, um das Transplantat frei von Erregern zu halten. Aus Gründen der Sterilität findet die eigentliche Kultivierung der Hornhäute in einem separaten Raum statt. Hier werden die Fläschchen mit den Hornhäuten und Nährlösungen in einem sogenannten Brutschrank aufbewahrt. Innen herrschen hier konstant 37 Grad Celsius, was der Körpertemperatur entspricht. Vier bis sechs Wochen können die Zellen der Hornhäute in diesem Schrank überleben.
Kurz vor der Transplantation wird die Hornhaut in ein anderes Medium umgebettet. Das erste Medium ist für die längere Aufbewahrung gedacht. Dabei quillt die Hornhaut auf. Die zweite Flüssigkeit ist dem Zustand im menschlichen Auge näher angepaßt. Sie entquellt sie wieder, entzieht ihr also Wasser. Selbstverständlich wird bei der Arbeit strikt auf Sauberkeit und Hygiene geachtet. Die Hornhäute selbst unterliegen mehreren Sterilitätskontrollen. Proben der Nährlösungen werden abgefüllt und zur Kontrolle an das zuständige Mikrobiologische Institut geschickt.

 

Neben der Qualitätssicherung der Spenderorgane besteht ein wesentlicher Vorteil einer Hornhautbank darin, daß sie die individuelle Zuordnung der Transplantate an die Empfänger organisiert. Da die Hornhäute im Brutschrank bis zu vier Wochen überleben, ist genügend Zeit, die Patienten in Ruhe und planmäßig in die Klinik zu bestellen und auf ihre Operation vorzubereiten. Auf diese Weise ist man nicht auf eine mehr oder weniger zufällig angebotene Spenderhornhaut angewiesen. Notoperationen mit hektischen Vorbereitungen, wie sie sonst aus der Transplantationschirurgie bekannt sind, werden somit ausgeschlossen. Pro Monat werden in Homburg/Saar durchschnittlich 15 bis 20 Hornhauttransplantationen (Keratoplastiken) durchgeführt. In Deutschland sind es jährlich etwa 4800. Der Bedarf ist damit aber nicht annähernd gedeckt. Er ist mindestens doppelt so hoch. Ursache für den Mangel an Transplantaten ist die fehlende Aufklärung der Bevölkerung. Viele Menschen wissen gar nicht, daß es die Möglichkeit einer Hornhautspende gibt. Bei den Aufklärungsaktionen über Organspenden werden die Augen oft vergessen. Andererseits fällt in den Gesprächen mit den Angehörigen von Verstorbenen immer wieder die hohe Zustimmung zur Hornhautspende auf. Wenn man den Betroffenen einfühlsam erklärt, worum es geht, stimmen sie der Entnahme der Korneoskleral-Scheibchen (Hornhaut) oftmals bereitwillig zu.

Die Operation
Prinzip der Excimer-Laser-Trepanation

In Homburg/Saar wird das Ausschneiden (= Trepanation) der Hornhaut nicht mit metallischen Rundmessern, sondern mit dem Laserstrahl bewerkstelligt.

 

Bei der Spendertrepanation wird ein Korneoskleralscheibchen (Ø 15 mm) in eine künstliche Vorderkammer eingespannt und ein normaler Innendruck erreicht. Anschließend wird eine 0,5 mm dünne Metallmaske zentriert aufgelegt und ein rotierender Laserstrahl, der über einen Helium-Neon-Zielstrahl geführt wird (Ø etwa 1 mm), wird mittels Joystick an der Außenseite der Metallmaske entlang geführt bis zur Perforation. Die zentrale Hornhaut wird durch Viskoelastika vor Streustrahlen geschützt.

Metallmaske zum Schutz der Empfänger-Hornhaut

vor der Energie des Laserstrahls

Metallmaske zum Schutz der Spender-Hornhaut

vor der Energie des Laserstrahls

 

Prinzip der Maskierung von Spender- und Empfängerhornhaut bei

der Laser-Trepanation.

 

Bei der Empfängertrepanation wird direkt auf die Patientenhornhaut eine 0,5 mm dünne Empfängermaske aufgelegt. Hier wird der Laserstrahl mittels Joystick an der Innenseite der Metallmaske entlang geführt (die Hälfte des Laserstrahls auf der Metallmaske, die Hälfte des Laserstrahls auf der Hornhaut), so dass nach 2-4 min (je nach Dicke der Hornhaut) auch hier eine Perforation erreicht ist. Entscheidend ist die horizontale Ausrichtung der Limbusebene und die Möglichkeit, die Maske frei aufzulegen. Die klinischen Details der Methode wurden mehrfach publiziert. Die Operation wir bei uns typischerweise in Vollnarkose durchgeführt, kann jedoch auch unter lokaler Spritzen-Betäubung erfolgen. In der Regel haben die Patienten nach der Operation keine oder nur geringe Schmerzen. Diese Operation wird stationär durchgeführt, damit eine entsprechende Nachsorge garantiert ist.  In der Regel beträgt die Dauer des Klinikaufenthaltes etwa eine Woche, bei Heilungsstörungen etwas länger. Anschließend kann ein niedergelassener Augenarzt die Nachsorge übernehmen.


In der Regel wird die erste Reihe der doppelt-fortlaufenden Kreuzstichnaht nach 12 Monaten, die zweite Reihe nach 18 Monaten gezogen. Bei unkomplizierter Ausgangslage, also wenn keine Entzündungen, Gefäßeinsprossungen in die Hornhaut vorhanden waren, liegt die Erfolgsrate bei etwa 95%, bei komplizierteren Voraussetzungen, wobei diese Fälle nicht die Regel darstellen, stehen die Chancen etwa 60 zu 40. Eine Verallgemeinerung läßt sich hier aber nicht treffen. Es läßt sich nicht ausschließen, daß eine Transplantation langfristig keinen Erfolg hat und die neue Hornhaut vom Körper nicht angenommen wird.

 

Vorteile der Excimer-Laser-Trepanation:
Keine mechanische HH-Deformierung

Die Vorteile der Excimer-Laser-Trepanation sind vielfältig (Tabelle). Entscheidend ist, dass die Laserankoppelung ohne Kontakt erfolgt. Damit wird eine mechanische Deformierung des Hornhautgewebes während der Trepanation mit negativem Einfluss auf die Schnittkanten und die Geometrie der Öffnung vermieden. Es besteht kein Risiko der Verletzung intraokularer Gewebe (z. B. Iris, z. B. Linse) weil der Laserprozess stoppt, sobald Kammerwasser in den Ablationsgraben eingedrungen ist. Durch die Maske wird eine identische Konfiguration von Spender und Empfänger sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Dimension gewährleistet. Die symmetrische Einpassung des Transplantats im Empfängerbett wird durch sogenannte "Orientierungszähnchen" (siehe oben) sichergestellt, und jede Form ist möglich.


Vorteile der nicht-mechanischen Trepanation mittels 193 nm Excimer-Laser

 1. Keine Traumatisierung intraokularer Gewebe
 2. Vermeidung von Quetsch- und Scherkräften bei der Trepanation
 3. Minimierung der horizontalen Torsion ("Orientierungszähnchen")
 4. Minimierung der vertikalen Verkippung ("perfekte" konguente Schnittränder)
 5. Minimierung von Empfänger- und Spenderdezentrierung
 6. Möglichkeit der "Harmonisierung" von Spender- und Empfängertopographie
 7. Geringerer Vorderkammer-Reizzustand in der Frühphase nach Keratoplastik
 8. Geringerer Astigmatismus nach Fadenentfernung
 9. Höhere Regularität der Topographie
10. Signifikant bessere Sehschärfe
11. Möglichkeit der Trepanation am "offenen Auge" (z.B. Keratoplastik à chaud bei tiefem Hornhautgeschwür)

 

Wir raten jedem Patienten, der eine erkrankte Hornhaut hat, die konservativ, also mit Medikamenten nicht mehr erfolgreich zu behandeln ist und die zu einer entsprechenden Herabsetzung des Sehvermögens geführt hat, zu einer Transplantation.

Korrespondenzadresse   Spendenkonto
     
LIONS Hornhautbank Saar-Lor-Lux Trier/Westpfalz   Hilfswerk der Deutschen Lions e.V.
Klinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum des Saarlandes
66421 Homburg/Saar
Telefon: 06841 / 16 22353
Telefax: 06841 / 16 22486
e-mail:
lions.hornhautbank @uniklinikum-saarland.de
 

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BLZ: 501 900 00
Kto.Nr: 300 500

IBAN: DE83 501 900 00 0000 300 500

S.W.I.F.T. / BIC:  FFVB DE FF 


Verwendungszweck:
Lions Hornhautbank Homburg/Saar

Kontakt

Leitung
Prof. Dr. B. Seitz ML, FEBO

 

Stellvertretende Leitung

Frau Dr. M. Bischoff-Jung

 

Hornhautbankassistentin
Frau Dr. K. Laurik

 

Qualitätsmanagement

Verantwortliche Ärztin
Frau Dr. M. Bischoff-Jung

 

Technische Mitarbeiterinnen
Sr. M. Huber

Frau S. Ruffing-Steinbrecher

 

Kontaktaufnahme
Telefon:     06841/16-22353
Fax:           06841/16-22486
Email:       lions.hornhautbank @uniklinikum-saarland.de