Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Augenheilkunde
Leitung: Prof. Dr. med. Berthold Seitz
Sie befinden sich hier: >> Startseite >> Klinische Zentren und Einrichtungen >> Klinische Zentren und Einrichtungen am UKS >> Augenklinik >> Patienteninfo >> Krankheitsbilder >> Keratokonus

Keratokonus

Hornhaut und Sehen:

Die Hornhaut ist der vordere durchsichtige Teil des Auges und als eines der lichtbrechenden Medien maßgeblich an der Abbildung der wahrgenommenen Objekte beteiligt.

 

Vereinfachte Darstellung des Sehens:

 

 

Auftreffendes Licht tritt durch den Tränenfilm, wird gebrochen durch die Hornhaut, durchläuft das Kammerwasser der vorderen Augenkammer, trifft begrenzt durch die Pupille auf die Augenlinse, wird dort wieder gebrochen, weitergeleitet durch den Glaskörper und trifft endlich auf die Netzhaut, wo die Lichtstrahlen zu Nervenimpulsen verarbeitet und an das Sehzentrum des Gehirns weitergeleitet werden.

Die Hornhaut des Auges ist als das einzige durchsichtige Gewebe des menschlichen Körpers als Wunderwerk der Natur anzusehen.

Im Durchschnitt ist sie 0,5 mm dick und besteht aus 5 Schichten und Membranen.

 

 

 Keratokonus und Co.:

Veränderungen, welche eine Verformung der transparenten Augenhornhaut verursachen, werden als ektatische Erkrankungen bezeichnet. Deren Verlauf ist im Allgemeinen progredient, allerdings im Einzelfall kaum vorhersagbar. Verdünnen sich nur zentrale Bereiche, spricht man von Keratokonus. Wölbt sich die ganze Hornhaut kugelartig vor, wird dies als Keratoglobus bezeichnet. Entsteht eine extreme Hornhautverkrümmung mit Verdünnung in der unteren Peripherie, ist dies ein sogenannter Keratotorus oder eine Pelluzidale marginale Degeneration.

 

Der Begriff setzt sich zusammen aus „keras“= (griechisch für) Horn und „konus“= (lateinisch für) Kegel und bezeichnet somit eine kegelartige Vorwölbung der Augenhornhaut.

 

 

 

 

Veränderungen, welche eine Verformung der transparenten Augenhornhaut verursachen, werden als ektatische Erkrankungen bezeichnet. Deren Verlauf ist im Allgemeinen progredient, allerdings im Einzelfall kaum vorhersagbar. Verdünnen sich nur zentrale Bereiche, spricht man von Keratokonus. Wölbt sich die ganze Hornhaut kugelartig vor, wird dies als Keratoglobus bezeichnet. Entsteht eine extreme Hornhautverkrümmung mit Verdünnung in der unteren Peripherie, ist dies ein sogenannter Keratotorus oder eine Pelluzidale marginale Degeneration.

 

Sehen und Keratokonus:

Aufgrund der zunehmend irregulären Vorder- und Rückfläche der Hornhaut leidet die Abbildungsqualität der gesehenen Objekte. Die Umwelt wird mehr und mehr verzerrt gesehen. Ebenfalls kommt es zu verstärkter Blendempfindlichkeit. Das Dämmerungs- und Nachtsehen ist beeinträchtigt.

 

 

 

Anfänglich kann das Sehen meist noch mit Brille genügend optimiert werden. Ist in fortgeschrittenen Stadien die damit erreichbare Sehleistung individuell nicht mehr ausreichend,  wird die formstabile Kontaktlinse in speziellen Ausführungen lange Zeit zum Mittel der ersten Wahl. Sie überbrückt die Un-ebenheiten der Hornhaut und ermöglicht durch eine zwischen Hornhautvorderfläche und Kon-taktlinsenrückfläche entstehende „Tränenlinse“ einen annähernd „normalen“ Seheindruck.

 

Diagnostik:

Ektatische Hornhauterkrankungen sind mit durchschnittlich einem Patienten pro 2000 Einwohnern in Europa gar nicht so selten. Im Anfangsstadium sind sie kaum zu erkennen und werden deshalb häufig „übersehen“.

Der erfahrene Augenarzt wird allerdings aufmerksam, wenn Brillenglaswerte in kurzer Zeit häufig verändert werden müssen.

Den beginnenden Keratokonus kann man an der Spaltlampe nicht sicher diagnostizieren. Hierfür ist ein computerbasiertes, flächiges Krümmungsbild nötig, die sogenannte Hornhauttopographieanalyse.

 

 

In Zweifelsfällen und für die genaue Abgrenzung der einzelnen Ausprägungen ist heute die Untersuchung der Steifigkeit der Hornhaut mit dem Ocular Response Analyzer (ORA) unter Verwendung des Keratoconus Match Index (KMI) angezeigt.

 

Therapie des Keratokonus:

Der Keratokonus ist nach aktuellem medizinischen Wissensstand nicht „heilbar“. Grund für die teilweise Vorwölbung und Ausdünnung ist eine biomechanische Schwäche der Hornhaut. Mittlerweile können wir mit mikrochirurgischen Eingriffen einem Fortschreiten der Erkrankung entgegenwirken. Hierzu zählen das künstliche Verhärten der Hornhaut (=Riboflavin-UVA-Crosslinking), welches das Krankheitsstadium in vielen Fällen „einfriert“.

Als weitere Möglichkeit können z.B. Ringsegmente fast unsichtbar in die Hornhaut implantiert werden. Dieser Eingriff führt neben einer Abflachung und Regularisierung der Hornhautkrümmung auch zu  einer Stabilisierung des Prozesses.

In fortgeschrittenen Fällen bleibt als letztes Mittel noch eine perforierende oder lamelläre Keratoplastik ( = Hornhauttransplantation ). Dabei wird das verdünnte und vernarbte Gewebe durch klares Spendergewebe ersetzt.

  

Forschung:

Bislang ist es der Wissenschaft noch nicht gelungen, das Geheimnis um die Ursache des Keratokonus und seinen verwandten Formen zu entschlüsseln. Offenbar gibt es gewisse genetische Veranlagungen, aber auch exogene Faktoren, wie z.B. exzessives Augenreiben, scheinen eine Rolle zu spielen.

 

Häufig tritt der Keratokonus in Gesellschaft mit anderen Erkrankungen bzw. Syndromen auf, wie z.B. Neurodermitis, Allergien, Down- Syndrom ( = Trisomie 21) und Schilddrüsenunterfunktion.

Im Jahr 2010 wurde in unserer Universitäts-Augenklinik das Homburger Keratokonuscenter HKC etabliert. Hierin sollen besonders die Ursachen, Frühdiagnose und die individuelle stadiengerechte Therapie des Keratokonus erforscht werden.

Falls Sie ein betroffener Patient oder ein naher Verwandter sind, können Sie in unserer Klinik an den Studien des Homburger Keratokonuszentrums  teilnehmen. Der Zeitaufwand ist gering und Kosten entstehen für Sie nicht.

Gerne nehmen wir auch alle Patienten mit Schilddrüsenfunktionsstörungen in unsere laufenden Studie mit auf.

 

 

 Hier finden Sie zum Thema Hornhautverpflanzung einen aktuellen Artikel von Prof. Seitz in der Zeitschrift

"Der Ophthalmologe"