Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Augenheilkunde
Leitung: Prof. Dr. med. Berthold Seitz
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Der Grüne Star - Glaukom

 

Was ist ein Glaukom?

Als Glaukome bezeichnet man eine Vielzahl von Augenkrankheiten, die zu einem gemeinsamen und irreversiblen Resultat führen, wenn sie nicht früh genug erkannt und behandelt werden: Der Sehnerv wird zerstört!

Dies kann zu dauerhafter Sehminderung bis hin zur Erblindung führen.

Glaukome verlaufen oft erst einmal ohne Symptome. Wenn dem Betroffenen ein Verlust der Sehfunktion bewusst wird, ist die Schädigung schon weit fortgeschritten. Ein so verursachter Schaden lässt sich so gut wie nie wieder rückgängig machen, da zerstörte Nervenzellen nicht wieder hergestellt werden können. Beim Glaukom kann man nur versuchen, das noch verbliebene Sehvermögen zu erhalten und die Blindheit zu verhindern.

 

         Gesundes Auge                                Frühstadium                                 Spätstadium

 

Dies geht nur, wenn man über das Leiden und seine Gefahren informiert ist - und über die Chancen der Früherkennung. Da im Prinzip jeder Gefahr läuft, an einem Glaukom zu erkranken, ohne dies rechtzeitig zu bemerken, möchten wir durch Aufklärung auf diese Gefahr aufmerksam machen.

Prinzipiell kann ein Glaukom in jedem Lebensalter auftreten, allerdings nimmt die Wahrscheinlichkeit mit höherem Alter deutlich zu. Ab dem 40. Lebensjahr wird deshalb eine Glaukom-Früherkennung alle 2 bis 3 Jahre empfohlen. Dabei wird der Augeninnendruck gemessen, der Sehnerv wird begutachtet und auf Wunsch bzw. ärztliche Empfehlung ausgemessen. Möglicherweise wird Ihnen angeraten, ein Tagesdruckprofil während eines kurzen stationären Aufenthaltes durchzuführen. 70- bis 80-Jährige sind mindestens achtmal so häufig betroffen wie 30- bis 40-Jährige. Männer und Frauen sind in jüngeren Jahren gleich häufig gefährdet, während im Alter Frauen etwas öfter betroffen sind als Männer. Glaukomatöse Augenerkrankungen sind tückisch und rauben das Sehvermögen wie ein "Dieb in der Nacht".

 

 

     Begutachtung des Sehnerven            Augendruckmessung

 

Welche Arten von Glaukomen gibt es?

Das primäre Offenwinkelglaukom ist mit über 90% die häufigste Variante dieser Krankheitsform. In den meisten Fällen erhöht sich der Augeninnendruck durch ein Ungleichgewicht zwischen der Menge des produzierten Kammerwassers und der Menge, die wieder abfließen kann. Steigt der Augendruck in Folge einer anderen Augenerkrankung oder Allgemeinerkrankungen bei offenem Kammerwinkel an, spricht man von einem sekundären Offenwinkelglaukom.

 

Eine seltenere Form des Glaukoms ist das Engwinkel- oder Winkelblockglaukom. Es kommt zu einer plötzlichen Erhöhung des Augeninnendruck durch Behinderung im Abfluss des Kammerwassers, man spricht von einem Glaukomanfall. Hierbei handelt es sich um einen Notfall. Dieser muss sofort behandelt werden, da sonst innerhalb von Stunden ein nachhaltiger Schaden am betroffenen Auge entstehen kann.

 

Ein besonderer Fall ist das Normaldruckglaukom. Hier entstehen fortschreitende Sehnervenschädigungen trotz überwiegend normaler Augendruckwerte. Es handelt sich oft um eine Durchblutungseinschränkung am Sehnervenkopf, wodurch die Nervenfasern ebenfalls absterben.

 

 Normaler Sehnervenkopf        Fortgeschrittener

                                                      Glaukomschaden

 

Was passiert im Auge bei Glaukom?

Durch Abflusstörungen des Kammerwassers im sogenannten Kammerwinkel kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen seiner fortwährenden Produktion und dem Abfluss. Die Flüssigkeit staut sich im Auge und der Druck erhöht sich. Dieser erhöhte Druck schädigt vor allem das empfindliche Gewebe des Sehnerven. Es wird unwiederbringlich zerstört. Die Informationen als Impulse können nicht mehr vollständig an das Gehirn weiter gegeben werden - es kommt zu den typischen Gesichtsfeldausfällen. Diese werden oft lange nicht bemerkt, da sie teilweise vom zweiten Auge ausgeglichen werden können. Da es aber auch Patienten mit einem normalen Augeninnendruck (Normaldruckglaukom) gibt, werden als Ursache für eine Glaukomerkrankung weitere Faktoren diskutiert: Durchblutungsstörungen am Sehnerven und der Netzhaut, Gefäßerkrankungen und zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, Alter, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gehäuftes Auftreten in der Familie oder starke Kurz- bzw. Weitsichtigkeit.

 

  

 

 

Wie kann man Glaukome behandeln?

Zur Behandlung der Glaukome gibt es sowohl medikamentöse als auch operative Möglichkeiten.

 

Medikamentöse Therapie

Da eine Senkung des Augendrucks angestrebt wird, die zum Ziel hat einen fortschreitenden Schaden am Sehnerv zu vermeiden, werden drucksenkende Medikamente zunächst als einzelnes Präparat angewandt. Wenn die notwendige Drucksenkung nicht erreicht wird, oder sich doch weitere Schädigungen des Sehnerven zeigen, wird die medikamentöse Therapie entsprechend angepasst. Das bedeutet, dass beispielsweise von einer einzelnen Substanz eventuell auf andere Wirkstoffe umgestellt wird. Desweiteren besteht die Möglichkeit, die einzelnen Wirkstoffe miteinander zu kombinieren, so dass ein additiver Effekt erreicht wird.

Meist handelt es sich um eine lebenslange Therapie!

  

Operative Therapie

Wenn die medikamentöse Therapie keinen ausreichenden Erfolg im Sinne der angestrebten Senkung des Augeninnendruck zeigt und/oder sich Veränderungen des Sehnervenkopfes mit entsprechender Funktionseinbuße trotz maximaler Therapie zeigen, dann erfolgt die operative Therapie.

Diese kann unterschiedlich sein und richtet sich nach der zugrunde liegenden Glaukomform, sowie dem Stadium der Erkrankung. Zusätzlich kann eine medikamentöse oder auch operative Therapie einer Grunderkrankung notwendig sein, die sekundär ein Glaukom verursacht.

Grundsätzlich lässt sich der Abfluss oder die Produktionsstätte des Kammerwassers beeinflussen. Es stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung:

 

Laseroperationen

  • Verödung des Ziliarkörpers, der das Kammerwasser bildet (von innen oder aussen).
  • Verbesserung des Abflusses durch Laseranwendung im Kammerwinkel.
  • Verbesserung der Kammerwasserpassage von der Hinterkammer in die Vorderkammer durch Schaffung einer Öffnung in der äußeren Regenbogenhaut (Iris).

 

Operationen

  • Schaffung einer Abflussmöglichkeit aus der Augenvorderkammer unter die Bindehaut (Trabekulektomie, filtrierende Operation).
  • Eröffnung des Trabekelmaschenwerkes und Verbindung des Schlemm.Kanals mit der Vorderkammer des Auges (Trabekulotomie).
  • Sondierung des Schlemm-Kanals und Anspannung des Trabekelmaschenwerks zur Verbesserung des Abflusses (Kanaloplastik).
  • Abtragung des Trabekelmaschenwerks im Kammerwinkel mit dem Trabektom zur Verbesserung des Kammerwasserabflusses in den Schlemm-Kanal.
  • Auch eine Kombination von Operationen gegen den Grauen Star und den Grünen Star lassen sich technisch gut durchführen.

 

Der Erfolg einer operativen Therapie des Glaukoms hängt ganz entscheidend von intensiver und sorgfältiger Nachsorge ab.