Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Urologie und Kinderurologie
Leitung: Prof. Dr. Michael Stöckle
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Kinderurologie

Bei über 90 % der Jungen liegt bei der Geburt eine Vorhautverengung (Phimose) vor, d.h. die Vorhaut lässt sich nicht hinter die Eichel zurückziehen. Das ist ein ganz natürlicher Schutz der sehr empfindlichen Eichel vor Umwelteinflüssen.
In der Regel erweitert sich die Vorhaut von allein mit dem Wachstum des Jungen; im Kindergartenalter oder lässt sie sich bereits bei fast 90% der Jungen zurückziehen. Sollte das nicht der Fall sein, hilft eine Behandlung mit schwach kortisonhaltiger Salbe in weit mehr als der Hälfte der Fälle. Manchmal ist aber dennoch eine Operation erforderlich – insbesondere bei häufig auftretenden Infekten oder einem stark verengten Harnröhrenausgang.

Enuresis bezeichnet das unwillkürliche Einnässen nach dem 4. Lebensjahr und gehört zu den häufigsten Störungen des Kindes und Jugendalters. Sie ist für das Kind sowie die ganze Familie oftmals sehr belastend und kann psychische Folgeschäden nach sich ziehen.
Man unterscheidet zwischen dem nächtlichen Urinverlust und dem am Tage. Außerdem wird getrennt, ob das Kind schon mal einen Zeitraum „trocken“ war (sog. Sekundäre Enuresis) oder nie eine Phase des kontrollierten Urinverlusts vorlag ( sog. Primäre Enuresis).
Viele Kinder nässen tagsüber wie auch nachts ein. Weil im Prozess der Urinkontrolle meist zu erst das Trockenwerden am Tag kommt, ist eine nächtliche Inkontinenz häufiger. Dabei gibt es unterschiedliche Ursachen für das Einnässen. 

Einnässen über Tag und Nacht:
Besteht ein Einnässen tags und nachts, ist es wichtig die Toilettengewohnheiten genauer zu erforschen.
Bestimmte Studien haben gezeigt, dass Kinder ein anderes Toilettenverhalten als Erwachsene haben. So gehen sie in der Regel bis zu 12 Mal täglich auf Toilette. Viele Kinder werden aber durch zum Beispiel Spielen vom regelmäßigen Toilettengang abgelenkt und versuchen ihren Harndrang zu unterdrücken. Hier kann es oftmals schon helfen, regelmäßig mit dem Kind das Spiel zu unterbrechen und es zum Toilettengang aufzufordern.

Harnwegsinfekte:
Auch Harnwegsinfekte können die Blase reizen und zu einer Inkontinenz führen.
Wenn bei einem Kind immer wieder Harnwegsinfekte, übelriechender Urin auftreten, muss die weiter diagnostisch abgeklärt werden. Die Ursachen für die Infekte können viele Ursachen haben, ausgeschlossen werden müssen dabei immer strukturelle oder anatomische Probleme des Urogenitaltrakts. In ganz seltenen Fällen kann auch ein neurologisches Problem dahinter stecken. Auch hier stehen dann weitergehende Spezialuntersuchungen an.

Nächtliches Einnässen:
Hier gibt es oftmals mehrere Gründe, weshalb Kinder nachts einnässen.
Einer davon kann eine übermäßige Urinproduktion bei Nacht sein. Normalerweise gibt es im körper ein Hormon, das ausgeschüttet wird, um die Urinproduktion im Schlaf zu senken, um ein problemloses Durchschlafen zu ermöglichen. Bei einigen Kindern ist diese Hormonproduktion noch nicht ganz ausgereift und der Körper produziert nachts viel unkonzentrierten Urin. Hier kommt es dann zu einem Unverhältnis einer zu geringen Blasenkapazität im Vergleich zum produzierten Urin. Da das Kind oftmals sehr tief schläft, bemerkt es die volle Blase nicht und nässt ein.
Verhaltensmaßnahmen für das Kind und die Eltern, wie zum Beispiel der Verzicht auf zuckerhaltige Getränke und generell Trinkmengen-Beschränkungen zum Abend, zeigen schon einen guten Erfolg bei vielen Kindern. In ausgeprägten Fällen gibt es auch  Möglichkeiten mit Medikamenten unterstützend einzugreifen.

Diagnostik:
Zur ausführlichen Ursachenforschung bei Ihrem Kind gehört erstmal eine gründliche Analyse des Miktionsverhaltens. Oftmals werden Sie aufgefordert ein genaues Protokoll über mehrere Tage von den Toilettengewohnheiten Ihres Kindes zu erstellen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Außerdem gehört meist eine Diagnostik mit Ultraschall des Urogenitaltrakts dazu. Manchmal sind weitere Spezialuntersuchungen notwendig.

Bei routinemäßigen Untersuchungen überprüft der Kinderarzt oder Urologe bei Säuglingen und Kleinkindern immer, ob sich die Hoden im Hodensack befinden. Bei etwa 3 % der Neugeborenen  sind die Hoden aber nicht an ihrer regelrechten Position, bei Frühgeborenen sind sogar etwa ein Viertel betroffen. In der Schwangerschaft wandern die Hoden im kindlichen Körper aus dem Bauchraum in die Hoden. Gibt es dort eine Störung oder kommt das Kind unreif zur Welt, wie etwa bei Frühgeborenen, so sind die Hoden oftmals nicht an ihrem endgültigen Platz. Bei den meisten Jungen wandern die Hoden bis zum 3. Monat noch hinab in den Hodensack. Spätestens nach dem ersten Lebensjahr sollten beide Hoden im Hodensack liegen, ansonsten spricht man von Hodenhochstand (sog. Maldescensus testis).
Die Hoden sind einerseits für die Spermienproduktion zuständig, andererseits produzieren sie das männliche Geschlechtshormon, das Testosteron. Wenn nun der Hoden nicht in seinem richtigen Platz im Hodensack liegt, kann das Hodengewebe nachhaltig geschädigt werden und später die Produktion von Spermien gestört sein, bis hin zur Unfruchtbarkeit. Zusätzlich stellt ein Hodenhochstand ein höheres Risiko dar, im Erwachsenenalter an Hodenkrebs zu erkranken.
Die Behandlung des Hodenhochstandes sollte vor dem 2. Lebensjahr stattfinden, andernfalls kann der Hoden dauerhaft geschädigt werden.
Zur Behandlung stehen die hormonelle wie auch die operative Therapie zur Verfügung.

Bei der Wanderung des Hodens aus dem Bauchraum in den Hodensack formt sich ein Verbindungkanal durch den der Hoden in den Hodensack wandert. Besteht dieser Kanal auch nach Abschluss der Hodenwanderung und verschließt sich nicht spontan, kann Bauchwasser und sogar auch Darmanteile in den Hodensack rutschen. Bemerkbar macht sich dies durch eine Schwellung des Hodens, oftmals im Tagesverlauf variierend in der Größe. Meist macht dies keine Beschwerden. Ein solcher Wasserbruch kann sich in seltenen Fällen spontan zurückbilden, meist ist dies aber nicht der Fall, sodass eine Operation zum Verschluss angeraten ist. Wenn sich Darm im Hodensack einklemmt, handelt es sich um einen Notfall, der sofort operiert werden muss.

Die Hypospadie ist die häufigste Fehlbildung des Penis. Hierbei sind Harnröhre und der sie umgebenden Schwellkörpers nicht ganz verschlossen und die Harnröhrenmündung liegt nicht in der Mitte Eichel, sondern an deren Unterseite bzw. dem Penisschaft. Im Extremfall kann die Harnröhrenmündung im Bereich des Hodensacks liegen. Die verkürzte Harnröhre kann bei Erektion eine Verkrümmung des Penis verursachen und später im Erwachsenenalter Probleme beim Geschlechtsverkehr oder der Zeugung von Kindern hervorrufen.
Die operative Korrektur richtet sich nach dem Schweregrad. Bei sehr ausgeprägten Befunden sind in einigen Fällen auch mehrere Operationen erforderlich.

Von einem vesikorenalen Reflux spricht man, wenn Urin von der Blase über die Harnleiter zurück in die Nieren gelangen kann. Normalerweise gibt es eine Art Ventilmechanismus, der dies verhindert. Bei Kindern kann ein angeborener zu kurzer Verlauf des Harnleiters in der Blasenwand dafür sorgen, dass dieser Ventilmechanismus ineffektiv ist. Ein Kind mit einem vesicoureterorenalen Reflux neigt daher zu Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritiden), welche zu Schädigungen der Niere führen können, ein ausgeprägter Reflux kann auch selbst zur Schädigung der Niere beitragen.
Der Reflux wird durch ein Miktionscystourethrogramm diagnostiziert. Dies ist eine Untersuchung, bei der Kontrastmittel über einen kleinen Blasenkatheter in die Blase des Kindes gefüllt wird, dieser anschließend entfernt wird und Röntgenaufnahmen vom Kind gemacht werden, wenn es Wasser lässt.
Es besteht die Chance, dass ein vesikorenaler Reflux von alleine ausheilt, weil der Anteil des Harnleiters in der Blasenwand mit dem Längenwachstum des Kindes mitwächst. Je geringer die Ausprägung des Reflux, desto höher die Wahrscheinlichkeit auf eine spontane Ausheilung des Refluxes. Damit bis dahin die Niere durch Infektionen nicht weiter geschädigt wird, bekommt dass Kind solange eine Antibiotikaprophylaxe in niedriger Dosierung. Sollte sich der Reflux nicht bessern oder treten trotz Antibiotikaprophylaxe weiter Infektionen im Urin auf, so sollte der Reflux operiert werden.

Bei der Subpelvinstenose handelt es sich um eine angeborene Einengung am Übergang von Nierenbecken zum Harnleiter, die den Abfluss des Urins erschweren und so schlimmstenfalls zur dauerhaften Schädigung der Nierenfunktion führen kann.
Im Säuglingsalter sind die Krankheitszeichen uncharakteristisch: Gedeihstörungen, Appetitlosigkeit, wiederkehrendes Erbrechen oder auch ein tastbarer Oberbauchtumor. Bei älteren Kindern und Erwachsenen können wiederholte  Oberbauchbeschwerden oder starke, krampfartige Flankenschmerzen, insbesondere nach größeren Trinkmengen, auf eine Harnleiterabgangsstenose hinweisen.
Die Diagnostik vor Therapie der subpelvinen Stenose umfasst neben einer umfassenden Anamneseerhebung in der Regel die Ultraschalluntersuchung von Nierenbecken- und Kelchsystem und einer nuklearmedizinischen Nierenfunktionsprüfung zur Beurteilung der seitengetrennten Abflussverhältnisse der Nieren. Bei geringer Harnabflussbehinderung und/oder guter Nierenfunktion kann bei Patienten ohne Krankheitszeichen eine engmaschige Überwachung erfolgen. Bei einigen Kindern kann es zu einer spontanen Verbesserung der Abflussverhältnisse durch das Wachstum kommen und somit eine operative Korrektur unnötig machen.
Bei Zunahme oder weiter bestehender Abflussbehinderung sollte jedoch die operative Korrektur erwogen werden. Die Nierenbeckenplastik nach Anderson und Hynes hat sich weltweit als Standardverfahren zur operativen Korrektur einer subpelvinen Stenose durchgesetzt. Sie kann schon im Säuglingsalter sicher durchgeführt werden.