Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Urologie und Kinderurologie
Leitung: Prof. Dr. Michael Stöckle
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Die Steinerkrankung der Harnwege (Nierensteine, Harnleitersteine und Blasensteine) stellt eine der häufigsten urologischen Krankheitsbilder dar. Es besteht eine Erkrankungshäufung bei Erwachsenen in Gesellschaften mit erhöhter Nahrungszufuhr bei reduzierter körperlicher Bewegung.  In den westlichen Industrienationen sind etwa 5 von 1000 Einwohnern pro Jahr von einer Steinerkrankung betroffen.  Das lebenslange Erkrankungsrisiko liegt bei 10-15 %. Ohne Abklärung und Behandlung der Ursachen kommt es bei etwa 50 % der Steinpatienten innerhalb von 10 Jahren zur einer erneuten „Steinepisode“. Somit ist die umgehende Behandlung, sowie Maßnahmen zur Vorbeugung (Prophylaxe) der Harnsteinerkrankung sind daher sehr wichtig.

Harnsteine - Ursachen

Man geht davon aus, dass verschiedene Faktoren wie Alter, männliches Geschlecht, Ernährungs- und Trinkgewohnheiten, körperliche Bewegung, Begleiterkrankungen und angeborene Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Harnsteinen spielen. Im Inneren des Nierenhohlsystems formieren sich Kristalle aus im Harn gelösten Substanzen, die zu festen Steinen „zusammenbacken“ und mit der Zeit wachsen können. Dabei gibt es Substanzen die das Steinwachstum fördern, aber auch andere die es verhindern können.

Harnsteine - Steinarten

Es gibt viele unterschiedliche Typen von Harnsteinen aus verschiedenen chemischen Elementen, die im Urin enthalten sind. Die häufigsten Arten sind hier aufgeführt:
•    Calciumoxalat  (Weddelit und Whewellit)
•    Calciumphosphat (Brushit)
•    Magnesium-Ammonium-Phosphat (Struvit)
•    Harnsäure
•    Cystin

 

Fotos: © Prof. Dr. Dr. E. Matouschek - Endo-urologische Bilddatenbank

Kalziumoxalat
Kalziumoxalatkristalle
Struvit
Struvitkristalle
Harnsäurestein
Harnsäurekristalle
Zystinstein
Zystinkristalle
Koalziumphospatstein (Brushit)

Harnsteine - Symptome

Die typischen Beschwerden sind plötzlich eintretende Flankenschmerzen, welche in den Unterbauch oder das Genitale ausstrahlen können und in der Stärke wechseln. Diese Beschwerden entstehen, wenn sich ein Harnstein im Bereich des Harnleiters festsetzt und somit den Urintransport verhindert. Nicht jeder Patient hat jedoch typische Beschwerden.

Harnsteine - Diagnostik

Diagnostik von Harnsteinen - Allgemein

Die Diagnostik von Harnsteine umfasst eine Reihe von unterschiedlichen Untersuchungen. Die Grundlage der Diagnostik bilden die körperliche Untersuchung durch den behandelnden Arzt, sowie Blut- und Urinuntersuchungen.

Diagnostik von Harnsteinen - Ultraschalluntersuchung

Ultraschall:
Mit dem Ultraschall kann schnell und ohne Nebenwirkungen eine Harnstauung und Steine im Bereich der Niere nachgewiesen werden. Zusätzlich kann der Untersucher wertvolle Informationen über andere Organe in Bauch- und Beckenregion gewinnen, um gebenenfalls andere Ursachen für die Beschwerden des Patienten auszuschließen.

Diagnostik von Harnsteinen - Röntgenuntersuchung

Röntgenuntersuchungen:
Mittels der Röntgendiagnostik können Calcium-haltige Harnsteine bereits auf der Röntgen-Übersichtsaufnahme der Bauchregion erkennbar sein. Nach intravenöser Gabe eines Röntgenkontrastmittels werden weitere Röntgenaufnahmen angefertigt, welche die Funktion der Niere, die Lage eines Steins und eine eventuell dadurch verursachte Abflussbehinderung zeigen.
Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass bei Schwangerschaft, einer Allergie gegen Röntgen-kontrastmittel, einer Schilddrüsenüberfunktion oder der Einnahme von Metformin-haltigen Medikamenten diese Untersuchungen nicht durchgeführt werden dürfen.

Diagnostik von Harnsteinen - Computertomographieuntersuchung

Computertomographie:
Bei der Computertomographie werden mittels Röntgenstrahlen Schichtbilder des Körpers angefertigt. Das Verfahren ist sehr sensibel und ermöglicht, selbst kleinste Steine zu entdecken und zu lokalisieren. Zusätzlich können die anderen Organe des Bauchraumes untersucht werden, um eventuell andere Ursachen für die Symptome des Patienten auszuschließen. Auch hier sind Schwangerschaft, Allergie gegen Röntgenkontrastmittel, Schilddrüsenüberfunktion oder Einnahme von Metformin-haltigen Medikamenten ein Ausschlusskriterium für die Untersuchung.

Harnsteine - Therapie

Therapie von Harnsteinen - Allgemein

Typische Steinlagen

Die akute Harnsteinkolik bedarf zunächst einer medikamentösen Schmerztherapie. Meist gehen die Harnsteine spontan ab. Unterstütz wird dies durch die Gabe von Flüssigkeit, Schmerzmitteln, abschwellenden oder, bei Harnsäure-Steinen,  steinauflösenden Medikamenten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Stein spontan abgehen kann, hängt vom Steintyp, seiner Lage und Größe ab.
Sollten die Schmerzen medikamentös nicht zu beheben sein, muss eine zügige Urinableitung erfolgen.

  • Harnleiterschienung:
    Für die Harnleiterschienung wird, mittels Blasenspiegelung, ein Kunststoffröhrchen (DJ-Katheter) am Stein vorbei, in den Harnleiter eingelegt. Dieses sorgt für den Urintransport vom Nierenbecken in die Blase. DJ-Katheter können bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr durch Steingries verstopfen, was zu einer erneuten Kolik führen kann. In diesem Fall muss der DJ-Katheter ausgewechselt werden.
  • Nierenfistelkatheter (perkutane Nephrostomie):
    Liegen große Harnleitersteinen vor, so kann die Einlage eines DJ-Katheters unmöglich sein. In diesem Fall muss, nach ausreichender Betäubung der Haut, von der Flanke aus ein Katheter ins Nierenbecken  eingebracht werden.

Therapie von Harnsteinen - Extrkorporale Stoßwellentgherapie (ESWL)

Piezolith 3000 Plus - Fa. Richard Wolf

Bei der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) erfolgt die Zertrümmerung der Harnsteine in Nierenbecken oder Harnleiter mittels hochenergetischen Stoßwellen. Hierbei können Steine zwischen 0,5-2cm Durchmesser zertrümmert werden. Der entstehende Steingries wird in der Regel mit dem Urin ausgeschieden. Dieses Verfahren ist schonend und kann auch bei Kindern angewandt werden.

Therapie von Harnsteinen - Ureterrenoskopie (URS)

Ureterrenoskopie (URS):
Die Ureterenoskopie ist ein endoskopisches Verfahren. Hierbei können die Harnsteine mittels starren oder flexiblen Endoskopen lokalisiert werden. Dabei ist es möglich kleinere Steine direkt über Fangkörbchen zur bergen. Größere Steine können unter Sicht mittels Holmium-Laser oder pneumatische Lithotriptoren zertrümmert werden. Über eine Absaugsystem können die Steine direkt aus dem Harntrakt entfernt werden.
In der Regel wird nach dem Eingriff zum Schutz gegen Schwellungen des Gewebes für ca. 14 Tage eine DJ-Katheter eingebracht.

Therapie von Harnsteinen - Perkutane Nephrolitolapaxie (PNL)

Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL):
Bei Steinen über 2cm Größe ist es möglich eine perkutane Steinsanierung durchzuführen. Hierbei wird unter Ultraschallkontrolle die Niere durch die Haut punktiert. Danach wird dieser Punktionskanal aufgedehnt, eine Schleuse eingelegt und über diese das Nierenbecken gespiegelt. Unter Sicht kann dann der Stein zertrümmert und entfernt werden. Dieses Verfahren ist für komp-lette Nierenausgusssteine, Kelchausgusssteine, sowie für große Steine des oberen Harnleiters geeignet. Es hat weitestgehend die offene Steintherapie ersetzt.
Am Ende des Eingriffs wird in der Regel vorrübergehend ein Nephrostomiekatheter eingelegt, welcher nach einigen Tagen schmerzlos entfernt werden kann.

Therapie von Harnsteinen - Laparoskopische Verfahren

Laparoskopische Verfahren:
Mittels der sogenannten "Schlüsselloch-Technik" kann per Bauchspiegelung (ohne Flankenschnitt) die Niere im Bauchraum freigelegt werden und Steine aus dem Nierenbecken entfernt werden. Im diesem Zusammenhang können gleichzeitig Fehlbildungen, wie eine Harnleiterabgangsstenose beseitigt werden.

Therapie von Harnsteinen - Offene Steinsanierung

Ein offen-chirurgischer Eingriff zur Steinsanierung ist nur einzelnen Spezialfällen vorbehalten. Hierbei können Nierenbecken oder Harnleiter eröffnet und die Steine geborgen werden.

Harnsteine - Maßnahmen zur Vorbeugung

Nach erfolgreicher Steinbehandlung gilt es das Auftreten erneuter Harnsteine zu verhindern.  Ausgehend vom Ergebnis der Steinanalyse können Blut- und Urinanalysen durchgeführt, um eine zugrunde liegende Stoffwechselerkrankung erkennen zu können. Ebenfalls müssen Ernährungs- und Trinkverhalten abgeklärt werden. Je nach Ergebnis können medikamentöse und/oder diätetische Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden.

  • Allgemeine Maßnahmen:
    Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung einer erneuten Steinbildung ist eine erhöhte Trinkmenge (2,5 bis 3 Liter pro Tag), damit der Urin weniger konzentriert ist. Die Trinkmenge muss auch situativ angepasst werden, beipielsweise bei Arbeitsplätzen mit hohen Temperaturen oder Urlauben in heißen Ländern.

Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. So kann die Umstellung auf eine verstärkte Zufuhr von Gemüse und Salaten und die Reduktion der Fleischzufuhr das Risiko einer Steinbildung  sollte auch eine gesunde Lebensführung mit Normalisierung des Körpergewichts, ausreichend Bewegung, Schlaf, Vermeidung von Stress und übermäßigem Alkoholkonsum angestrebt werden. Eine Einschränkung der Calciumzufuhr ist zu vermeiden.

  • Spezielle Maßnahmen:
    Diese sind bei entsprechender krankheitsbedingter Harnsteinbildung auf das spezielle Krankheitsbild abzustimmen.

Klinik für Urologie und Kinderurologie

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Tel.: 06841 - 16 - 24702/04
Fax: 06841 - 16 - 24795

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Tel.: 06841 - 16 - 24702/04
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Sprechstunde für minimal invasive Steintherapie (MIST)

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Donnerstag nach Vereinbarung
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