Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Innere Medizin V - Pneumologie, Allergologie, Beatmungs- und Umweltmedizin
Leitung: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Robert Bals
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Pollenwarndienst der Klinik für Innere Medizin V-

Pneumologie, Allergologie, Beatmungs- und Umweltmedizin
Heuschnupfen

Definition:

Heuschnupfen ist eine durch Pflanzenpollen verursachte spezifische Überempfindlichkeitsreaktion vom Allergie-Typ I (Soforttyp, s. Abb.), d.h. eine durch IgE?Antikörper (s. u.) vermittelte, umgehend eintretende allergische Reaktion. Die Pollinose ist saisonabhängig, die spezifischen Symptome werden in der Blütezeit von Pflanzen ausgelöst, deren Pollen allergen wirkende Proteinbestandteile aufweisen. Sie betrifft Nasen- und Rachenschleimhäute und geht mit einer hohen Zahl an Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) einher.

 

Ursache:

Blütenpollen gehören zu den Inhalationsallergenen (Allergen = allergieauslösende Substanz oder Antigen), weil sie über die Atemluft auf die Schleimhäute in Nase und Lunge gelangen. Auf den Schleimhäuten werden die Inhaltsstoffe der Pollen (16-30% Proteine, z.T. allergen wirkend) freigesetzt und gelangen so in die Blutbahn. Bei Pollenallergikern wird folgende Abwehrreaktion ausgelöst: Im Blut werden spezifische Antikörper gebildet, die als Immunoglobuline E (IgE) bezeichnet werden. Diese Antikörper binden an die Oberfläche von Mastzellen. Dabei handelt es sich um weiße Blutzellen, die bei Immunreaktionen eine wichtige Rolle spielen. Die Antikörper auf diesen Mastzellen sind jetzt in der Lage, das Allergen bei erneutem Kontakt sofort zu erkennen. Dieser Vorgang wird Sensibilisierung genannt. Nimmt der Körper erneut das Allergen auf, gegen das die Antikörper gebildet wurden, reagiert der Körper diesmal sofort: Die Antikörper auf den Mastzellen erkennen die Antigene wieder und bewirken die Ausschüttung von Botenstoffen (biologisch aktive Substanzen) aus den Zellen. Die wichtigste Substanz ist dabei das Histamin, es wird im Körper schnell verteilt und löst die für Allergien bekannten entzündlichen Symptome aus, s. Abb.).

Abb.: Allergische Reaktion vom Typ I oder Soforttyp-Reaktion (schematisch vereinfacht); Grevers G., Röcken M., Taschenatlas Allergologie 2008 (modif.)

Häufigkeit und Symptome:

Zu über 80 % sind Pollen Auslöser für Atemwegsallergien. Besonders verantwortlich für allergische Reaktionen sind neben Hasel-, Erle-, Birke- sowie einigen Kräuterpollen vor allem Gräser- und Getreidepollen. In Deutschland leiden ca. 13% der kindlichen und ca. 20% der erwachsenen Bevölkerung an einer Pollenallergie, die Tendenz ist steigend. Heuschnupfen ist saisonabhängig, d.h. in der Blütezeit der allergenen Pflanze kommt es zu primären Symptomen wie Niesen, Fließschnupfen, verstopfte Nase, Augenjucken und -rötung. Sekundäre Symptome sind: Husten, Halsschmerzen, Mundatmung, Luftnot, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen. Die Pollinosis ist oft verbunden mit Begleiterkrankungen wie: Bindehautentzündung, Nasennebenhöhlentzündung, Mittelohrerguss, atopisches Ekzem, Nahrungsmittelallergien. Bei ca. 30% der Patienten kommt es innerhalb von 10 Jahren zu einem sogenannten Etagenwechsel, d.h. zu einem Abstieg der allergischen Symptomatik im Sinne einer bronchialen Hyperreaktivität, was zu Asthma bronchiale führt. Durch den persistierenden (langandauernden) Charakter des Heuschnupfens ist er eine ernst zu nehmende Erkrankung mit starker Einschränkung der Lebensqualität. Im Extremfall kann es zu einem lebensbedrohlichen allergischen bzw. anaphylaktischen Schock kommen.

 

Diagnostik:

  1. Bluttests zur Bestimmung der Antikörpern, z.B. RAST (Radio-Allergo-Sorbens-Test). Dabei werden Allergen-spezifische IgE-Antikörper nachgewiesen, d.h. die IgE-Spiegel, die sich konkret gegen eine Allergenquelle (bestimmter Pollen) richten und liefert somit eine Aussage über die Sensibilisierung des Allergikers.
  2. Hauttests, z.B. der Pricktest (engl. prick=Einstich): Definierte Allergenextrakte werden auf die Haut des Unterarms aufgetropft und mit einer Lanzette leicht angestochen, so dass die jeweiligen Substanzen in die Oberhaut eindringen (Positivkontrolle mit Histamin und wirkstofffreier Negativkontrolle). Beurteilt werden Rötung und Quaddelgröße.
  3. Spezifische und unspezifische Bronchoprovokationstests.
  4. Lungenfunktionsdiagnostik: Peak-Flow-Messungen, Spirometrien, Bodyplethysmographie, NO-Messungen der Ausatemluft.

 

Therapie:

Es werden topisch (lokal) angewandte Glukokortikoide (Kortison-Derivate), Antihistaminika und/oder Mastzellstabilisatoren (Cromone) und abschwellende Nasensprays indiziert.

Systemisch verabreichte Glukokortikoide sollten nur in schweren Fällen und nur für kurze Zeit angewandt werden. Eine wichtige Therapiemöglichkeit ist die spezifsche Immuntherapie (SIT) bzw. Hyposensiblisierung. Das Prinzip dieser Therapie besteht darin, die körpereigene Abwehr an das Allergen zu gewöhnen. Die Allergene werden dabei in ansteigender Dosierung oral oder als subkutane Injektion verabreicht. Die Behandlung dauert bis zu 3 Jahre.

Die wichtigste Therapiemöglichkeit ist die Karenz (Vermeidung) der Pollen.

Allergiker können tagesaktuelle Pollenflugmeldungen der wichtigsten allergenen Pollenarten über den Pollenwarndienst-Anrufbeantworter (Telnr.: 06841/16-23625) oder über die Internetseite des Universitätsklinikums (Innere Medizin V): www.uks.eu/pollenwarndienst abrufen.