Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Leitung: Prof. Dr. Alexander von Gontard
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Neuromotorische Entwicklung und Einnässen nachts und tags

Ziel der Studie

Das Ziel der Studie besteht in der Erforschung von Zusammenhängen zwischen Therapieerfolg in der Behandlung von Einnässen nachts/tagsüber und neuromotorischen Leistungen bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu neuromotorischen Leistungen einer gesunden Kontrollgruppe.

Durchführung

An der Studie können sowohl Kinder und Jugendliche mit Einnässen tags/nachts ab 5 Jahren als auch gesunde Kinder (als Kontrollgruppe) teilnehmen.

 

Alle Studienteilnehmer werden zu zwei Zeitpunkten untersucht. Die Kinder/Jugendlichen mit Enuresis nocturna/Funktioneller Harninkontinenz werden unmittelbar nach dem ersten Vorstellungstermin in der Ambulanz und vier Monate nach Therapiebeginn untersucht. Die gesunden Kontrollkinder werden ebenfalls zu zwei Zeitpunkten mit einem Abstand von vier Monaten untersucht. Mit den Kindern und Jugendlichen wird ein sogenannter Neuromotoriktest durchgeführt, bei dem die Kinder z. B. einen Ball gegen eine Wand werfen sollen, auf einer Linie balancieren etc. Dieser Test dauert ca. 30 min. Außerdem wird mit den Kindern/Jugendlichen ein kurzer Intelligenztest durchgeführt. Die Eltern/Sorgeberechtigten der Studienteilnehmer werden gebeten zu beiden Untersuchungszeitpunkten einen Fragebogen zu psychischen Symptomen auszufüllen. Außerdem werden sie gebeten, am ersten Untersuchungszeitpunkt einen Fragebogen zu Ausscheidungssymptomen ihrer Kinder auszufüllen sowie an einem kurzen Interview zu psychischen Symptomen des Kindes/Jugendlichen teilzunehmen.

Die Untersuchungen finden an zwei Zeitpunkten in einem Abstand von ca. 4 Monaten untersucht. Der Zeitaufwand für die Untersuchungen beträgt jeweils ungefähr 1 Stunde.

 

Eine Vergütung (30 Euro) der Studienteilnahme erfolgt.

 

Hintergrund

Ausscheidungsstörungen gehören zu den häufigsten Störungen des Kindes- und Jugendalters. So nässen 10% der 7-jährigen Kinder und immerhin noch 1-2% der Jugendlichen nachts ein (Enuresis nocturna). 3-4% der 7-jährigen Kinder nässen tagsüber ein (Funktionelle Harninkontinenz). Insgesamt handelt es sich bei den Ausscheidungsstörungen um eine Gruppe heterogener Störungen, bei deren Entstehung sowohl genetische als auch Umweltfaktoren beteiligt sind.

Neben dem Einnässen nachts findet man bei Kindern mit Enuresis nocturna häufig weitere unspezifische Zeichen, die auf eine Beteiligung des Zentralen Nervensystems hinweisen, z.B. verzögerte motorische und sprachliche Entwicklung oder neurologische Soft signs. Neurobiologisch zeigen sich unspezifische Befunde (z.B. feinneurologische Koordinationsstörungen, auffällige Befunde bei evozierten Potentialen) bei Kindern mit nächtlichem Einnässen. Hirnregionen, die mit Funktionsstörungen beim nächtlichen Einnässen assoziiert sind, sind das pontine Miktionszentrum und der Locus Coeruleus, die beide im Hirnstamm lokalisiert und funktionell miteinander verbunden sind. Dysfunktionen in diesen Bereichen sind verantwortlich für die erschwerte Erweckbarkeit sowie die mangelnde Hemmung des Miktionsreflexes, was schließlich zum nächtlichen Einnässen führt. Vor allem in Kombination mit psychischen Komorbiditäten wie ADHS sind jedoch auch höhere Hirnregionen (Frontallappen etc.) beteiligt. Da Kinder, die an ADHS leiden, häufig auch nachts oder tags einnässen, ist die Beteiligung höherer Hirnregionen beim Einnässen wahrscheinlich. Bei tagsüber einnässenden Kindern sind neurobiologische Faktoren hingegen sehr viel schlechter untersucht, wenngleich diese scheinbar ein noch höheres neurologisches Risiko aufweisen (mehr neurologische Auffälligkeiten, erhöhte Rate an auffälligen Wach-EEGs). Hier spielen Prozesse im Hirnstamm eine untergeordnete Rolle, sondern vielmehr kortikale Strukturen (=im Großhirnbereich), die mit der willkürlichen Entleerung der Blase bzw. Hemmung der Blasenentleerung verbunden sind.

 

In einigen Untersuchungen konnten Zusammenhänge zwischen motorischen Entwicklungsverzögerungen und Einnässen (insbesondere nächtlichem Einnässen) festgestellt werden. Kinder mit nächtlichem Einnässen sind bei der Durchführung neuromotorischer langsamer sind als nicht einnässende Kinder.

 

Kontakt

Bei Fragen zur Studie oder bei Interesse zur Teilnahme in der Patienten- oder Kontrollgruppe können Sie sich gerne an uns wenden.

Dipl.-Psych. Justine Niemczyk

Email: justine.niemczyk@uks.eu

Tel.: 06841-1624385