Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Leitung: Prof. Dr. Alexander von Gontard
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Neurophysiologie der Funktionellen Harninkontinenz

Ausscheidungsstörungen gehören zu den häufigsten Störungen des Kindes- und Jugendalters. So nässen 3-4% der 7-jährigen Kinder nässen tagsüber ein (=funktionelle Harninkontinenz). Nachts nässen sogar noch 10% der 7-jährigen Kinder und immerhin noch 1-2% der Jugendlichen ein (Enuresis nocturna). Bei tagsüber einnässenden Kindern sind neurobiologische Faktoren bislang wenig untersucht, wenngleich diese Kinder ein scheinbar noch höheres neurologisches Risiko aufweisen (mehr neurologische Auffälligkeiten, erhöhte Rate an auffälligen Wach-EEGs). Im Gegensatz zum nächtlichen Einnässen spielen beim Einnässen tagsüber Prozesse im Hirnstamm eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr vermutet man die Assoziationen mit kortikalen Strukturen (=im Großhirn), die mit der willkürlichen Entleerung der Blase bzw. Hemmung der Blasenentleerung verbunden sind.

Neuromotorische Entwicklung und Einnässen nachts

Bei der Entstehung von Ausscheidungsstörungen (Einnässen nachts) spielen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle. Bei Kindern mit Enuresis nocturna findet man häufig weitere unspezifische Zeichen, die auf eine Beteiligung des Zentralen Nervensystems hinweisen, z.B. verzögerte motorische und sprachliche Entwicklung oder neurologische Soft signs. Neurobiologisch zeigen sich unspezifische Befunde (z.B. feinneurologische Koordinationsstörungen). In einigen Untersuchungen konnten Zusammenhänge zwischen motorischen Entwicklungsverzögerungen und Einnässen (insbesondere nächtlichem Einnässen) festgestellt werden. Kinder mit nächtlichem Einnässen sind bei der Durchführung neuromotorischer Aufgaben langsamer als nicht einnässende Kinder.

 

Ausscheidungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und genetische Syndrome

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit genetischen Syndromen (z. B. Down-Syndrom, Noonan-Syndrom etc.) haben ein erhöhtes Risiko, an psychischen Störungen zu erkranken oder weitere Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Zudem kommen Ausscheidungsstörungen (Einnässen, Einkoten) häufiger vor. Leider ist das Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten und Ausscheidungsstörungen bei den meisten genetischen Symptomen nur unzulänglich erforscht.

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