Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie
Leitung: Prof. Dr. Matthias Glanemann
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Akutes Abdomen ? Viszeralchirurgische Notfälle

  • Ileus (Verweis auf Dünndarm)
  • Mesenterialischämie (Verweis auf Dünndarm)

 

Unter dem Begriff akutes Abdomen verstehen Chirurgen eine Notfallsituation mit akuten Bauchschmerzen, Abwehrspannung und Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Patienten mit akutem Abdomen werden über unsere 24 h besetzte Notaufnahme eingeliefert. Die räumliche Nähe zur Notaufnahme der Kollegen der Inneren Medizin ermöglicht die gemeinsame Beurteilung von Patienten mit unklaren Bauchbefunden.

 

Hinter dem Notfall ?Akutes Abdomen? können sich eine Reihe von Erkrankungen verbergen, die nicht nur die Bauchhöhle betreffen müssen. Auch ein Herzinfarkt, eine Lungenentzündung oder akute Stoffwechselentgleisungen z.B. bei Diabetes mellitus können zu Bauchschmerzen führen. In diesem Fall werden die Patienten sofort den Kollegen der Inneren Medizin vorgestellt. Daneben können Erkrankungen des Bauchraumes vorkommen, die nicht in das Fachgebiet der Chirurgie fallen, wie zum Beispiel die Nieren- oder Harnleiterkolik, die Eileiterschwangerschaft, Entzündungen der Eileiter, Harnblasenentleerungsstörung bei vergrößerter Prostata. Bei entsprechendem Verdacht wird der aufnehmende Chirurg auch die Patienten den entsprechenden Fachrichtungen vorstellen.

 

Wenn Sie in die Notaufnahme kommen, wird Sie zunächst der diensthabende Kollege zu ihren Symptomen befragen: Einnahme von Schmerzmedikamenten oder Kortison lässt an ein Magengeschwür denken, zunächst flaue Schmerzen in der Magengegend die dann in den rechten Unterbauch ziehen sind typisch für eine Appendizitis, vorhergegangene linksseitige Unterbauchschmerzen geben Hinweis auf eine komplizierte Divertikelkrankheit; ausbleibender Stuhlgang, erbrechen und Bauchkrämpfe sprechen für einen Darmverschluss. Anschließend werden Sie untersucht (Betasten des Bauches, Austasten des Analkanals, Abhören des Bauches, Ultraschall des Bauches). In der Regel erfolgt auch eine Notfallblutabnahme. In der Blutuntersuchung kann durch Messen der Leukozytenzahl und des C-reaktiven Proteins der Schweregrad einer Entzündungsreaktion gemessen werden. Ein niedriger Blutfarbstoff (Hämoglobin) spricht für eine Blutung, ein erhöhter Lipasewert führt zur Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, erhöhtes Bilirubin, Gamma-GT und aP sind hinweisend für einen Verschluss der Gallenwege. Erhöhte Leberwerte (Transaminasen) sind typische Zeichen einer Hepatitis. Erhöhtes Laktat lenkt den Verdacht auf eine Durchblutungsstörung von Bauchorganen, vor allem des Darmes.

 

Die genannten Maßnahmen sind in der Regel in 10 Minuten durchgeführt. Bereits jetzt hat der Chirurg schon eine oder mehrere Verdachtsdiagnosen vor Augen und weiß einzuschätzen, wie akut der Krankheitsverlauf ist. In akuten Fällen gilt es zunächst eine Magen oder Darmperforation auszuschließen. Dies geschieht am einfachsten durch eine Röntgenübersichtsaufnahme im Stehen oder in Linksseitenlage. Zeigt sich in der Röntgenaufnahme sog. freie Luft, ist dies ein indirekter Hinweis für eine Perforation. In der Regel genügen diese Informationen schon, um eine Notfalloperation zu veranlassen. Bei Operationen aufgrund von freier Luft finden sich am häufigsten entweder ein durchgebrochenes Magen-/ oder Zwölffingerdarmgeschwür oder ein Darmdurchbruch bei Diveritikelkrankheit (siehe Darmkapitel), seltener eine durchgebrochene ?Blinddarmentzündung? (Appendizitis). Bestehen derartige Notfallsituation schon längere Zeit, so entwickelt sich eine schwere Bauchfellentzündung. Früher hatte man bei schweren Bauchfellentzündungen die Bauchhöhle entweder offen gelassen oder aber bei primärem Verschluss am Folgetag nochmalig inspiziert und erneut ausgespült. Diese Praxis konnten wir in den letzten Jahren zunehmend verlassen, da wir gelernt haben, dass man auf derartige Folgeoperationen, die selbst wiederum zu weiteren erheblichen Problemen führen können, verzichten kann, wenn man die Bauchhöhle beim Ersteingriff mit mindestens 30 Litern warmer Spüllösung säubert. Dieser Eingriff hat den Namen ?Massenlavage? erhalten und setzt sich auch in anderen Kliniken zunehmend immer mehr durch.

 

Eine mit der schweren Bauchfellentzündung verwandte Akuterkrankung ist die schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung. Die Verlaufsform einer Bauchspeicheldrüsenentzündung reicht von leichten Formen, bei denen die Bauchspeicheldrüse lediglich geschwollen ist bis hin zur Entzündung mit Absterben der Bauchspeicheldrüse (nekrotisierende Pankreatitis). Infiziert sich das abgestorbene Bauchspeicheldrüsengewebe mit Darmbakterien, entsteht ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, was auf Intensivstation und in den Händen von Chirurgen behandelt werden muss. Denn während leichte Verlaufsformen der Bauchspeicheldrüsenentzündung sich durch bloße Nüchternheit wieder erholen, muss bei einer nekrotisierenden Pankreatitis mit Organversagen das infizierte, abgestorbene Gewebe aus der Bauchhöhle entfernt werden, da sonst der Organismus davon ?vergiftet? wird. Nachdem wir Chirurgen in den letzten Jahren gelernt haben, dass eine zu frühe Operation bei Bauchspeicheldrüsenentzündung auch schaden kann, führen wir eine Operation nur mehr dann durch, wenn wir sehen, dass der Körper alleine mit der Entzündung nicht mehr zurecht kommt.

 

Schließlich stellen auch Verletzung von Organen der Bauchhöhle eine wichtige, wenngleich relativ seltene Notfallsituation dar. Mehrfach- oder Schwerverletzte werden in unserem Klinikum federführend von den Kollegen der Unfallchirurgie behandelt. Die Erstversorgung findet im Schockraum, unmittelbar im Bereich der Notaufnahme statt. Wird das Eintreffen eines Verletzten durch die Rettungsleistelle angekündigt, sammelt sich ein Notfallteam, welches die Stabilisierung und Akutdiagnostik des Patienten durchführt. Sprechen Kreislaufverhalten, Ultraschall ? oder CT-Befund für eine akute Verletzung von Organen der Bauchhöhle ? meist der Milz (Verweis auf Milzkapitel), seltener der Leber, Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarms ? wird ein Chirurg zur Mitversorgung des Patienten hinzugezogen. Oftmals müssen Milz- oder Leberverletzung nicht operiert werden. Dann ist aber eine engmaschige Kontrolle der Verletzungsfolgen und eine Behandlung auf Intensivstation notwendig. Vor allem Milzverletzungen können anfänglich relativ harmlos verlaufen, wenn es zur Einblutung in die Milzkapsel kommt, die zunächst die weitere Blutung tamponiert. Nimmt der Druck in der Milzkapsel allerdings zu stark zu, so dass sie einreißt, dann kann sich innerhalb kürzester Zeit eine lebensbedrohliche innere Blutung entwickeln, die es ohne Zeitaufzug rasch zu operieren gilt.