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Pressemitteilung

03.06.2011
Aktuelle Informationen zum Thema EHEC

Aus aktuellem Anlass möchten wir nachfolgend einige in diesen Tagen häufiger gestellte Fragen zum Thema EHEC beantworten (Stand: 03.06.2011)

 

1.Was ist EHEC und welche Erkrankungen werden hierdurch ausgelöst?


 

EHEC steht für den Erreger Enterohämorrhagischer Escherichia coli, einer Variante des normalen Darmbakteriums Escherichia coli, das sich von diesem durch den Erwerb von Geninformationen für bestimmte Toxine unterscheidet. Diese Toxine sind in erster Linie die sogenannten Shiga-like-Toxine (SLT1 und SLT2), es werden jedoch auch weitere Toxine bzw. krank machende Mechanismen bei diesen varianten Formen beschrieben.

 

Der Erreger bzw. die von ihm produzierten Toxine können akute Darmerkrankungen auslösen, die in vielen Fällen auch im Sinne einer Darmentzündung schwer verlaufen. Zu den im Rahmen einer EHEC-Colitis auftretenden Beschwerden gehören dann neben flüssigen, z.T. blutigen, z.T. mit Schleimbeimengung versetzten Stuhlgängen auch Bauchbeschwerden, Schmerzen, Krämpfe und z.T. schweres allgemeines Krankheitsgefühl, z.T. verbunden mit Fieber. Durch die Wirkung der im Blut zirkulierenden Toxine werden allerdings noch weitere Erkrankungen verursacht, nämlich das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) sowie die thrombozytopenisch thrombotische Purpura (TTP). Beide Erkrankungen sind gefürchtet, da HUS mit einer Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zur vorübergehenden oder auch dauerhaften Dialysepflichtigkeit einhergehen kann, während die durch die Toxine verursachten Schäden der kleinsten Blutgefäße anderer Organe z.B. zu zentralnervösen Erkrankungen oder Erkrankungen der Lunge oder der Bauchorgane führen können.

 

Die Therapiemaßnahmen bei diesen Erkrankungen sind rein unterstützend, d.h., durch eine internistische Therapie – ggf. Intensivtherapie – wird versucht, die Organfunktionen möglichst trotz der Schädigung aufrecht zu erhalten. Der Einsatz von Antibiotika ist weder zu frühen Stadien einer EHEC-Colitis noch zum Zeitpunkt des Auftretens von Komplikationen indiziert.

 

 

 

 

2. Was ist das Besondere an der gegenwärtigen Situation?

 

Nach Informationen des Robert-Koch-Institutes (Stand: 01.06.2011) liegt gegenwärtig, seit ca. Mitte Mai, eine erhebliche Häufung von schweren, durch EHEC-verursachten Erkrankungen vor. Inzwischen sind fast 500 Patienten an HUS erkrankt und mindestens 9 Todesfälle sind in Zusammenhang mit dieser schweren Erkrankung aufgetreten. Es treten weiterhin neue Erkrankungen an HUS auf (http://www.rki.de/cln_169/nn_205760/DE/Home/Info-HUS.html ). Eine sogenannte Fall-Kontroll-Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat dabei gezeigt, dass der Verzehr von rohem Gemüse und Salat mit dem Auftreten von HUS bei betroffenen Patienten einhergeht und richtet daher einen Verdacht auf diese Lebensmittel bei der Übertragung des Erregers (http://www.rki.de/cln_169/nn_205760/DE/Home/Ergebnisse__EHEC.html). Das RKI und das Saarländische Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz haben daher überarbeitete Empfehlungen für das Verhalten der Allgemeinbevölkerung gegeben (s.u.).

 

Der mutmasslich für diesen massiven Ausbruch verantwortliche Erreger konnte inzwischen – auch am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des UKS – isoliert werden. Dieser Escherichia coli Stamm zeichnet sich durch ein definiertes Serovar (O104), Toxingene und insbesondere durch eine breite Resistenz gegen viele Antibiotika aus (letzteres ist jedoch für die klinische Behandlung von EHEC Kolitis und HUS – bis auf Ausnahmen – nicht bedeutsam).  Die am 26.05.2011 auf einigen Lebensmitteln in Hamburg nachgewiesene EHEC-Isolate entsprechen jedoch nicht dem aktuellen Ausbruchsstamm.

 

Die Erbsubstanz des zirkulierenden Ausbruchsstamms inzwischen von zwei unabhängigen Arbeitsgruppen (Uni Münster [http://www.klinikum.uni-muenster.de/index.php?id=vollstaendiger_artikel&tx_ttnews[tt_news]=1597&cHash=2a76edd07536eb02c836f8d57fee7bf2]  und Uni Hamburg [lt. Pressemitteilungen]) entschlüsselt worden (Stand: 02.06.2011). Nach diesen Informationen handelt es sich um einen Hybrid-Klon, der weltweit sehr selten ist, allerdings erhebliche Ähnlichkeit mit einem im Jahr 2001 bereits isolierten Stamm hat. Eine Klärung, weshalb dieser zirkulierende Ausbruchsstamm mit einer so hohen Zahl von schweren Verläufen einhergeht, ergibt sich aus diesen Ergebnissen (noch) nicht.

 

 

 

3. Welche Aufgabe hat die Medizinaluntersuchungsstelle des Universitätsklinikums des Saarlandes und welche Leistungen bzw. Informationen können von dort zur Verfügung gestellt werden?


 

Die Staatliche Medizinaluntersuchungsstelle (SMUS) führt sowohl einen kulturellen Erregernachweis als auch einen Nachweis der SLT1 und SLT2 sowie anderer krank machender Faktoren von E. coli Stämmen durch. Neben kulturellen Verfahren werden hier insbesondere auch moderne Nukleinsäureamplifikationstechniken (PCR) eingesetzt, d.h., eine Vermehrung der Erbsubstanz des Erregers aus entsprechenden Untersuchungsmaterialien. Die kurzfristig etablierten PCR-Untersuchungsprotokolle, die auf Untersuchungen des Instituts für Hygiene der Uni Münster basieren, erlauben eine sichere Zuordnung von EHEC-Isolaten zu dem Ausbruchsstamm und sind auch zur Direktuntersuchung von Stuhl- oder anderen Untersuchungsmaterialien von Patienten geeignet. Diese Untersuchungen werden im Auftrag des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des Saarlandes bzw. des Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz durchgeführt.

 

Sollten Sie diesbezüglich Fragen haben, setzen Sie sich mit Ihrem Hausarzt in Verbindung, dieser wird ggf. mit Ihrem örtlichen Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen. Für Fragen aus ärztlichen Fachkreisen stehen wir gerne auch für persönliche Auskünfte zur Verfügung.

 

Dauer der Untersuchung: Ein kultureller Nachweis des Erregers dauert einen oder mehrere Tage. Ein Nachweis der Erbsubstanz ist auch innerhalb eines Arbeitstages möglich, sofern Untersuchungsmaterial bis spätestens 10 Uhr bei uns eintrifft.

 

 

 

4. Wie ist die gegenwärtige Lage im Saarland?

 

Hierzu dürfen wir Sie auf die Öffentlichkeitsinformationen des Ministeriums für Gesundheit und Verbraucherschutz verweisen: http://www.saarland.de/SID-3E724395-540BC4F2/80180.htm .

 

 

 

5. Was kann ich tun, um mich bzw. meine Familie vor Ansteckung zu schützen?


 

Der Nachweis von EHEC-Erregern vom Typ des Ausbruchsstammes auf Salatgurken aus Spanien (s.o.) in Zusammenhang mit den epidemiologischen Untersuchungen des RKI haben Veranlassung dazu gegeben, dass das Saarländische Gesundheitsministerium dazu rät, auf den Verzehr von Salatgurken aus Spanien zu verzichten; diese sind bereits oder werden gegenwärtig aus dem Handel genommen. Für weitere Hinweise verweisen wir auf die Empfehlungen des Gesundheitsministeriums (http://www.saarland.de/SID-3E724395-540BC4F2/80180.htm) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)( http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/ehec___enterohaemorrhagische_escherichia_coli-5233.html )

 

Wichtig sind also:

  • regelmäßiges, gründliches Händewaschen
  • Sauberhalten von Arbeitsflächen und –geräten in der Küche
  • sorgfältiger Umgang mit Lebensmitteln

 

Hinsichtlich des Speisenverzehrs geben das RKI und das BfR folgende Empfehlung: „Vor dem Hintergrund des noch anhaltenden, gravierenden Ausbruchsgeschehens mit zum Teil schweren gesundheitlichen Folgen empfehlen das Robert Koch-Institut (RKI) und BfR über die üblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gemüse hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren“ (http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/ehec___enterohaemorrhagische_escherichia_coli-5233.html )

 

Bei Anzeichen einer EHEC-Kolitis (blutiger Durchfall) oder Zeichen für eine akute Nierenfunktionsschwäche sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

 

 

 

Oben genannte Informationen entsprechen dem Stand vom 03.06.2011. Sie werden ohne jede Gewährleistung für Ihre Richtigkeit gegeben und dienen ausschließlich der Information der Allgemeinheit auf Grund des allgemeinen Informationsbedürfnisses in der gegenwärtigen Situation. Wir werden uns laufend um Ergänzung und Aktualisierung dieser Informationen bemühen.