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20.12.2013
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Vitamin-D-Mangel bremst moderne Krebstherapie aus

Die Homburger Wissenschaftler wiesen nach, dass Vitamin-D-Mangel die Aktivität von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) hemmt, die für die Wirkung des bei Lymphomen eingesetzten Antikörpers Rituximab unabdingbar ist. Da auch die Wirkung anderer Antikörper, die z.B. beim Brustkrebs und Darmkrebs eingesetzt werden, von der Aktivität der NK-Zellen abhängt, muss man davon ausgehen, dass auch deren Wirksamkeit stark beeinträchtigt wird.

 

Viele Menschen, vor allem in höherem Lebensalter haben einen Mangel an Vitamin D, besonders in den Wintermonaten. Menschen mit Vitamin-D-Mangel leiden häufiger an Knochenerkrankungen aber auch Infektionen, Herz-Kreislauf und Krebserkrankungen. Patienten, die an einer Krebserkrankung leiden haben schlechtere Heilungschancen, wenn sie einen Vitamin-D-Mangel haben. Es wurde angenommen, dass Patienten mit Vitamin D-Mangel einen generell schlechten Gesundheitszustand haben und deshalb eher versterben. Eine belastbare Erklärung für den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Krebssterblichkeit konnte bisher nicht erbracht werden.

In der modernen Krebstherapie sind immer mehr zielgerichtete, nebenwirkungsärmere Therapien verfügbar, insbesondere Antikörper spielen eine bedeutende Rolle. Bei Patienten, die an einem aggressiven Lymphom erkrankt sind, ist der Antikörper Rituximab ein entscheidender Durchbruch gewesen, der die Heilungsaussichten deutlich verbessert hat.

 

In einer aktuellen Analyse einer sehr großen deutschlandweiten Studie an Patienten mit aggressivem Lymphom haben die Homburger Wissenschaftler die Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels auf die Therapie mit Rituximab in Kombination mit Chemotherapie untersucht. Patienten aus der Vergleichsgruppe, die (noch) kein Rituximab und nur Chemotherapie erhalten hatten, zeigten keinen Einfluss des Vitamin-D-Spiegels auf die Prognose der Erkrankung.

Es stellte sich jedoch heraus, dass die Patienten, die Rituximab und Chemotherapie erhielten und einen schweren Vitamin-D-Mangel hatten, nicht die gleichen Heilungsaussichten erreichten, wie diejenigen die einen höheren Vitamin-D-Spiegel im Blut hatten.

Es ergab sich der Verdacht, dass die Therapie mit Rituximab nur dann richtig funktioniert, wenn Vitamin D vorhanden ist. In weiteren Untersuchungen an Gesunden konnte festgestellt werden, dass durch Vitamin-D-Gabe die Abwehrfunktion bestimmter weißer Blutkörperchen (natürliche Killerzellen und Makrophagen) besser funktioniert.

 

Diese Abwehrzellen können die Lymphome effektiver abtöten und verbessern die Heilungschancen. Die Ergebnisse wurden auf hämatologischen Fachkongressen sehr positiv aufgenommen. Es ist nun geplant, in der aktuell laufenden Nachfolgestudie OPTIMAL die Vitamin-D-Gabe parallel zur Antikörper- und Chemotherapie zu geben, um diesen Nachteil aufzuholen und die Heilungsaussichten für die Patienten weiter zu verbessern. Wenn dies gelingt, können alle Patienten die mit therapeutischen Antikörpern behandelt werden, darauf hoffen, bessere Aussichten zu haben. (z.B. Frauen mit Brustkrebs, die mit Trastuzumab behandelt werden).    

 

Literatur:

Bittenbring et al. Abstract #1819 ASH 2013, #8569 ASCO 2013, P307 EHA 2013, #103 ICML 2013

 

www.uks.eu/onkologie