Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
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01.02.2016
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Schwere Unfälle vermeiden

Anfang Februar war es soweit: Erstmalig im Südwesten Deutschlands veranstaltete die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (Leitung: Prof. Dr. Tim Pohlemann) am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg einen P.A.R.T.Y.-Tag für eine Saarbrücker Schulklasse. Hinter der Abkürzung P.A.R.T.Y. verbirgt sich eines der weltweit erfolgreichsten Präventionsprogramme für junge Menschen zwischen 15 und 18 Jahren. Die Jugendlichen verbringen dabei einen Tag in einer Unfallklinik und erleben die Stationen, die ein (Schwerst-)Verletzter durchläuft. Das Programm zielt darauf ab, bei den Jugendlichen das Risikobewusstsein zu erhöhen und so Unfällen in der jungen Risikogruppe vorzubeugen.


Die Statistiken sind eindeutig: 18- bis 24-Jährige sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. 2014 gab es in dieser Altersgruppe deutschlandweit über 67.000 Verkehrsunfälle, fast 500 junge Menschen starben dabei – ein Drittel davon bei Unfällen zwischen 19 Uhr am Abend und 5 Uhr am Morgen. Neben den Verkehrsunfällen sind es auch die bei jungen Erwachsenen beliebten Risikosportarten, die oftmals zu schweren Verletzungen oder gar Todesfällen führen. Kommt zum risikoreichen Verhalten Alkoholkonsum dazu, enden viele Wege in den unfallchirurgischen Notaufnahmen.

 

„Prävention war schon immer ein wesentliches Thema für die Unfallchirurgie“, erklärt Klinikdirektor Prof. Dr. Tim Pohlemann. „Mit diesem Pilotprojekt möchten wir in eine kontinuierliche und nachhaltige Präventionsarbeit am UKS und auch in der Region starten.“ Durch die Vernetzung von rund 700 unfallchirurgischen Kliniken in Deutschland könne man durch regelmäßige Durchführungen des Programms etwa jeden fünften jungen Menschen eines Jahrgangs erreichen. „Laut Studienergebnissen könnten wir dadurch ganze Jahrgänge nachhaltig für diese Risiken sensibilisieren“, fasst Prof. Dr. Pohlemann das langfristige Ziel der deutschen Unfallchirurgen zusammen. Prof. Dr. Bernhard Schick, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKS, ergänzt: „Als Universitätsklinikum ist die Lehre ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Durch die große Routine in Fort- und Weiterbildungen können unsere Mediziner den Jugendlichen die Risiken bewusst machen und leisten damit wichtige Präventionsarbeit.“

 

Das Programm stammt ursprünglich aus Kanada, startete dort in den späten 1980er-Jahren und konnte sich schnell etablieren. Die Maßnahme wurde dabei immer weiter auf die jungen Teilnehmer angepasst, Studienergebnisse belegen die positiven Effekte. Durch die deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie DGU wurde P.A.R.T.Y. auf deutsche Gegebenheiten angepasst. In einer speziellen Schulung bildet die Fachgesellschaft Tutoren für dieses Programm aus.

 

Einblick in die Arbeit des Rettungsdienstes: Die Schüler konnten hautnah

erfahren, wie die Erstversorgung eines Schwerverletzten im Rettungswagen

abläuft (Foto: Rüdiger Koop / UKS)

An einer solchen Schulung in Köln nahmen die Homburger Unfallchirurgen Dr. Philipp Mörsdorf, Dr. Steven Herath und Dr. David Stenger teil, die nun beim ersten Termin die zehnte Klasse des Saarbrücker Gymnasiums am Rotenbühl durch das Programm führten. Der Tag startete für die Schüler mit einem Vortrag der Unfallchirurgen zum Thema „Trauma“, dann folgte ein Beitrag der Polizei. Nach einer Verschnaufpause ging es in drei Kleingruppen abwechselnd zu vier verschiedenen Stationen: Rettungswagen, Notfall/Schockraum, Intensivstation und Normalstation.  An jedem der Punkte wurde in 20 Minuten informiert und demonstriert, die Schüler konnten Fragen stellen und beispielsweise im Rettungswagen  selbst erleben, wie sich ein Verletzter fühlt, der erstversorgt auf der Transportliege im Fahrzeug der Sanitäter liegt. Nach dem Durchlaufen der Stationen ging es gemeinsam weiter zur Physiotherapie. Dort wurde gezeigt, welche langfristigen Folgen schwere Verletzungen haben können und dass gesundheitliche Probleme nicht automatisch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus enden. Nach einer gemeinsamen Mittagspause mit Stärkung in der Mensa trafen die Schüler dann auf einen ehemaligen Traumapatienten, der sie an seinem Unfall-Erlebnis und den Folgen teilhaben ließ. Der Tag fand seinen Abschluss in einem gemeinsamen Gespräch, in dem offene Fragen geklärt und die Eindrücke zusammengefasst werden konnten. Das Resümee der Schüler war durchweg positiv, sie lobten die vielen Eindrücke und Einblicke und bestätigten, dass die Klinik mit dem Programm das Ziel erreicht habe: Es führe zum Nachdenken.