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11.09.2013
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Saarländische Studie zur Besiedlung mit MRSA von Aufnahmepatienten saarländischer Akutkrankenhäuser wird international veröffentlicht

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) ist der bekannteste bakterielle, gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistente Erreger, auch als „Krankenhauskeim“ bekannt. Bundesweit verursacht er in weit über 100.000 Fällen gerade bei Patienten mit Grunderkrankungen oder notwendigen medizinischen Eingriffen zum Teil sehr schwer verlaufende Infektionen, die in gewissem Sinne einen „Preis des medizinischen Fortschritts“ darstellen. Hygiene- und Präventionsmaßnahmen können jedoch die zunehmende Ausbreitung des Erregers durchaus eindämmen. Da die alleinige Besiedlung mit MRSA noch keine Symptome verursacht, die Kontrolle seiner Ausbreitung jedoch die Erfassung möglichst aller (zum großen Teil unerkannt) Besiedelter erfordert, sind labormedizinische Untersuchungen erforderlich.

 

Ende 2010 wurde durch das „Netzwerk zur Kontrolle und Prävention von MRSA im Saarland“ (MRSAarNetz) eine landesweite Aktion durchgeführt, bei der in allen 24 Akutkrankenhäusern und bei über 80% der Aufnahmepatienten eine Abstrich- Untersuchung auf MRSA durchgeführt wurde. Über 20.000 Patienten wurden innerhalb von zwei Monaten untersucht, nur ca. 600 Patienten haben eine Untersuchung abgelehnt. Es handelt dabei um die international erste Untersuchung dieser Art, bei der in allen Akuteinrichtungen eines (Bundes-) Landes zeitgleich ein solches Screening durchgeführt wurde. Aufgrund dieser großen Zahl von Teilnehmern können die Studienergebnisse als repräsentativ angesehen werden.

 

Die Untersuchungsergebnisse der Hauptstudie wurden nun in einem Artikel mit dem Titel „Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus in Saarland, Germany: A Statewide Admission Prevalence Screening Study“ in PLOS ONE veröffentlicht und können unter http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0073876 abgerufen werden.

 

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

 

  • 436 von 20.027 Patienten wurden positiv für MRSA getestet, dies entspricht 2.2/100 Aufnahmepatienten. Im Vergleich zu Untersuchungen anderer Länder (USA, Europa) ist dies eine eher niedrige Rate, sie liegt jedoch im oberen Bereich der Raten aus vergleichbaren deutschen Studien. Die Feststellung dieser Aufnahmerate bedeutet, dass allein im Saarland jährlich ca. 5.000 Patienten bereits bei Krankenhausaufnahme MRSA-besiedelt sind.

 

  • Es ist wichtig, diese Patienten möglichst frühzeitig in Bezug auf eine solche Besiedlung zu identifizieren. Eine bei allen Aufnahmepatienten durchgeführte Abstrich-Untersuchung wäre jedoch möglicherweise nicht kosteneffizient, allerdings sollte sie unbedingt bei Risikopatienten durchgeführt werden.

 

  • Laut der Studie ist eine MRSA-Untersuchung nur bei einem kleineren Teil der Patienten erforderlich (30%) und sichert dann die Identifizierung der meisten MRSA-Besiedelten (67%). Diese können umgehend durch äußerliche Anwendung von Desinfektionsmitteln von ihrem Erreger befreit werden und tragen anschließend auch kein Risiko mehr, vom eigenen MRSA-Keim krank zu werden.

 

 

Was ist also neu durch diese Studie?

 

  • Eine risikobasierte MRSA-Untersuchung schafft die Voraussetzung, dass Patienten vor ihrem eigenen Erreger geschützt werden und reduziert die unentdeckte Übertragung im Krankenhaus.

 

  • Es entstehen Möglichkeiten zur Kostensenkung im Gesundheitswesen im Saarland, da bei rechnerisch 0.5 Mio. € / Jahr zusätzlichen Untersuchungskosten ein zumindest substantieller Anteil der jährlich ca. 10-15 Mio. € zusätzlicher Kosten durch MRSA-Infektionen eingespart werden kann.

 

  • Die Durchführung der Studie und frühzeitige Mitteilung und Diskussion der Ergebnisse an die Krankenhäuser schafft ein hohes Maß an Aufmerksamkeit für das Problem multiresistenter Erreger und ihrer Kontrolle durch konsequente Hygiene im Krankenhaus.

 

  • Durch die Datenerhebung und -analyse werden Vorurteile widerlegt, Ängste abgebaut sowie ein insgesamt rationalerer Umgang mit dem Problem multiresistenter Erreger in saarländischen Gesundheitseinrichtungen erreicht.

 

 

Was bedeuten die Studienergebnisse für die Bürgerinnen und Bürger im Saarland?

 

  • Saarländische Krankenhäuser können aufgrund der Studie jetzt ihre Bürger konsequenter vor Krankenhausinfektionen schützen.

 

  • Der MRSA-Erreger macht an der Krankenhaustür nicht halt. Gerade alte und pflegebedürftige Menschen sollten vor MRSA ebenfalls geschützt werden. Deshalb führt MRSAarNetz derzeit bei Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen ebenfalls eine Studie auf MRSA durch.

 

  • Der Nachweis von MRSA bei Menschen, die nicht krank sind und keiner Krankenhaus- oder Pflegebehandlung unterliegen, ist jedoch in aller Regel ohne Gefahr, da diese Personen an MRSA nicht erkranken und den Erreger in der Regel wieder spontan verlieren.

 

 

 

Für weitere Auskünfte:

 

Prof. Mathias Herrmann

Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene                          

MRSAarNetz

 

Universitätsklinikum des Saarlandes                                                                                                                                                     

Staatliche Medizinaluntersuchungsstelle                                                                                                                                                     

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mathias.herrmann @uks.eu

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Tel. 06841 162 3900