Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
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24.10.2018
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Öffentliche Unterzeichnung der Entlastungsvereinbarung am UKS

Sozialministerin Monika Bachmann: „Ich freue mich, dass beide Seiten, die Krankenhausleitung und ver.di, sich in diesem Falle einigen konnten und wir die Entlastungsvereinbarung heute gemeinsam unterzeichnen konnten. Im Ringen um eine bessere und familienfreundlichere Arbeitsgestaltung der Pflegekräfte wird es in Zukunft hoffentlich noch zu weiteren Verbesserungen kommen. Das Uniklinikum kann hier als Beispiel dienen.“

„Mit der schuldrechtlichen Vereinbarung konnten wir den unbefristeten Erzwingungsstreik abwenden, der im September beginnen sollte. Es wurde ein neues System mit vielfältigen Entlastungmaßnahmen für die Mitarbeiter vereinbart, das auf einer anerkannten Personalbedarfsermittlung und mittelfristigen Personalplanung basiert“, erklärte der Kaufmännische Direktor Ulrich Kerle. In der schuldrechtlichen Vereinbarung werden konkrete Entlastungsmaßnahmen festgeschrieben, u.a.:

 

-       145 neue Stellen (Vollzeit) werden geschaffen, davon 130 im pflegerischen und 15 im nicht-pflegerischen Bereich

-       Für fast alle Stationen wird es nachts eine Besetzung mit mindestens zwei examinierten Fachpflegekräften geben

-       Personalbedarfsermittlungsverfahren werden flächendeckend eingeführt

-       Für alle Stationen wird es Sollzahlen für die Regelbesetzung geben

-       Es werden Personalgewinnungskonzepte gemeinsam mit ver.di und dem Personalrat entwickelt

-       Es werden Sofortmaßnahmen für Auszubildende getroffen

-       Es werden ein Belastungsausgleich und ein betriebliches Konsequenzen-Management eingeführt, das die Einhaltung von Vorgaben garantiert

 

Neben den umfangreichen Entlastungsmaßnahmen, für die 18 Monate angesetzt wurden, sind Sofortmaßnahmen geplant, die eine zeitnahe Verbesserung der Situation bringen sollen.

Wie soll die Einigung seitens der Klinik umgesetzt werden?

Das UKS ist zufrieden, dass ein unbefristeter Erzwingungsstreik zum Wohle der Patienten und der Mitarbeiter abgewendet werden konnte.

Es wurde ein ganzes System von Maßnahmen mit ver.di vereinbart, um die Mitarbeiter, insbesondere im Pflegebereich, nachhaltig zu entlasten. Beide Parteien sind sich darüber einig, dass nur eine Kombination von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen Aussicht auf Erfolg haben wird.

 

Wie sollen die neuen Mitarbeiter gefunden werden?

Natürlich ist die Besetzung der zusätzlichen 145 Stellen – neben der Besetzung der ohnehin noch offenen Stellen – bei der derzeitigen Situation der Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt eine Herausforderung. Deswegen wurde vereinbart, dass eine Task Force/Arbeitsgruppe mit Teilnehmern des UKS, von ver.di und des Personalrates gegründet wird. Diese wird kurzfristig realisierbare Konzepte erarbeiten und dem Klinikumsvorstand unterbreiten. Dies umfasst die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität genauso wie die Konzeption wettbewerbsfähiger Arbeitsbedingungen und Konditionen. Gemeinsam muss noch aktiver um die besten Talente für die Pflege geworben werden. Auch aus diesem Grund wurden zusätzliche Stellen in anderen Bereichen – neben dem Schwerpunkt der Pflege und den Funktionsbereichen – vereinbart. Das UKS muss sich weiterhin breiter aufstellen, was den Einsatz von bisher wenig eingesetzten Berufen anbelangt, wie Altenpfleger, Notfallsanitäter, Krankenpflegehilfen oder sonstigen pflegenahen Berufen. Nur durch die Umsetzung der Kombination und durch die intelligente Arbeitsverteilung auf unterschiedliche Berufsgruppen, dem sogenannten Skillmix, auf den Stationen werden wir die ambitionierte Aufpersonalisierung umsetzen können.

 

Welche Rolle spielen die anderen mit ver.di vereinbarten Maßnahmen?

Die vereinbarte Einführung von Personalbedarfsermittlungsverfahren und die daraus resultierende Festlegung von Regelbesetzungen wird eine mittel- bis langfristige Personalplanung und damit systematischere Recruitingstrategie ermöglichen. Wir werden dadurch besser bewerten können, welche Recruiting-Kanäle und -Plattformen wir bespielen müssen, um die erforderlichen Ressourcen zu adressieren.

Wir hoffen durch die zusätzlich mit ver.di vereinbarten Entlastungsmaßnahmen, wie „Belastungsausgleich“ und „keine Nacht alleine“, sowie die schon mit unserem Personalrat vereinbarte und in der Umsetzung befindliche Entfristungsoffensive befristeter Arbeitsverhältnisse das derzeitige Pflegepersonal zu stabilisieren und damit Fluktuation und erforderliche Ersatzbeschaffung möglichst gering zu halten.

Wir werden nur zusammen erfolgreich sein und die vereinbarten Maßnahmen umsetzen können, wenn UKS, Personalrat und ver.di an einem Strang ziehen und gemeinsam alles tun, um die Position des UKS auf dem Arbeitsmarkt zu stärken und die richtigen Mitarbeiter für das UKS zu gewinnen. Das heute offiziell unterschriebene Maßnahmenpaket ist ein vielversprechender Schritt in diese Richtung.

 

Wie sollen die zusätzlichen Stellen finanziert werden – durch zusätzliche Landesmittel oder durch Mittel, die erst noch erwirtschaftet werden müssen?

Beides: Genauso wie bei den vorausgegangenen Vereinbarungen mit ver.di in anderen Bundesländern, baut ein Teil der beschlossenen Aufpersonalisierung um insgesamt 145 Stellen auf einer dauerhaften Refinanzierung durch das Pflegepersonalstärkungsgesetz. Sicherlich wird das UKS aber auch selbst in neue Stellen zur Patientenversorgung und der Entlastung unserer Mitarbeiter investieren müssen. Die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahmen muss allerdings auf jeden Fall sichergestellt werden.

 

Foto: Rüdiger Koop, Universitätsklinikum des Saarlandes

3.v.l. Frank Hutmacher, ver.di; Monika Bachmann,

Saarländische Gesundheitsministerin; Ulrich Kerle,

Kaufmännischer Direktor Universitätsklinikum des Saarlandes