Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Aktuelles
Sie befinden sich hier: >> Startseite >> Aktuelles >> Einzelansicht_News >> Aktuellesseite

Aktuellesseite

18.03.2016
Aktuelles
Neue Studie: Hirnjogging für Patienten mit Herzschwäche

Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, an der in Deutschland zwei bis drei Mio. Menschen leiden (Infos: www.herzstiftung.de/Herzschwaeche-Therapie.html). Sie führt dazu, dass das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen kann. Doch nicht nur das Herz, auch andere Organe wie Gehirn, Nieren oder Muskeln werden in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt zu Beschwerden wie Atemnot, Leistungsschwäche und Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen und Knöcheln (Ödeme). Ist die Herzschwäche fortgeschritten, beeinträchtigt sie gravierend den Alltag der Betroffenen. Ein schwaches Herz wirkt sich aber auch auf das Gedächtnis aus.


„Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz haben im Vergleich zu Gesunden bestimmte kognitive Probleme“, sagt Prof. Dr. phil. Julia Karbach. Das hat die Psychologie-Professorin der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main vor zwei Jahren in einer Studie gemeinsam mit den Herzspezialisten Prof. Dr. med. Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes, und der dortigen Oberärztin PD Dr. med. Ingrid Kindermann gezeigt. In einem neuen Forschungsprojekt, der CogTrain-HFStudie (Cognitive Training in Heart Failure Study), überprüfen die Experten nun, ob sich Gedächtnis und mentale Fähigkeiten der an Herzinsuffizienz leidenden Patienten mittels eines kognitiven Trainings, umgangssprachlich auch Hirnjogging genannt, verbessern.

Gedächtnistraining für eine bessere Lebensqualität bei Herzschwäche:
Prof. Dr. Michael Böhm (ganz li.), PD Dr. Ingrid
Kindermann und
Dipl.-Psych. Sonja Wedegärtner vom
Universitätsklinikum des Saarlandes

unterweisen einen Patienten in das Gedächtnistraining. (Foto: Monika Lüdtke / UKS)

 

Signifikante Leistungsverbesserung
Die ersten Resultate des von der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF) mit 40.000 Euro (Laufzeit: 18 Monate) geförderten Projektes sind vielversprechend: „Kognitives Training führt bei herzinsuffizienten Patienten zu einer signifikanten Leistungsverbesserung in den trainierten Aufgaben“, erklärt Prof. Böhm. „Sie könnten somit wahrscheinlich von kognitiven Trainingsprogrammen profitieren.“ Der Forschungsbedarf auf diesem Gebiet ist enorm. „Erst seit wenigen Jahren nimmt die Herzmedizin das Problem, dass sich die Herzschwäche auf die mentalen Fähigkeiten negativ auswirken und damit auch den Therapieverlauf ungünstig beeinflussen kann, in den Fokus“, betont Prof. Dr. med. Hellmut Oelert, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DSHF. „Mehr Daten zu diesen Trainingsprogrammen sind sehr wichtig. Deswegen fördern wir die CogTrain-HF-Studie, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, die schließlich auch den Patienten zugutekommen.“


Trainingsprogramme helfen Therapie zu verbessern
Insgesamt 105 Betroffene sollen bis zum Abschluss der Studie an dem Trainingsprogramm teilnehmen, in dem Psychologen und Herzspezialisten eng zusammenarbeiten. Dabei werden ganz gezielt bestimmte Gedächtnisaufgaben trainiert, da bei Patienten mit Herzinsuffizienz spezielle kognitive Fähigkeiten eingeschränkt sind. Ihr Gedächtnis lässt nach, im Alltag fällt es ihnen z. B. schwer zu planen, anstehende Probleme zu lösen, Informationen aus Radio, Fernsehen oder Zeitung aufzunehmen und diese zu behalten. Die Auswirkungen sind gravierend: „Für viele Patienten wird es schwierig, regelmäßig die notwendigen Medikamente einzunehmen und sich täglich zu wiegen“, sagt PD Kindermann. Das ist aber lebenswichtig, denn steigt das Gewicht in drei Tagen um mehr als zwei Kilogramm an, bedeutet es, dass sich Wasser im Körper gesammelt hat – ein Warnsignal dafür, dass sich die Herzschwäche verschlechtert. Die Folgen sind fatal. „Ungefähr die Hälfte der Patienten, die wegen Wasseransammlungen in die Klinik kommen, müssen innerhalb von 60 Tagen nach Entlassung wieder ins Krankenhaus“, warnt die Oberärztin. „Das Problem ist: Je häufiger ein Patient mit Herzschwäche ins Krankenhaus kommt, desto schlechter ist seine Prognose.“

Die Patienten müssen also sehr verantwortungsvoll mit ihrer Krankheit umgehen. Die neue Studie will einen Beitrag dazu leisten. Die endgültigen Ergebnisse erwarten die Experten Ende 2016. „Im nächsten Schritt konzipieren wir vielleicht Trainingsprogramme, die in die Behandlung einbezogen werden“, so PD Kindermann.