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03.01.2013
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Bundesweiter Erfolg für Mitarbeiter des UKS aus Homburg – Drei Auszeichnungen bei der Hochdruckliga-Tagung 2012 zu den Themen: Schwerer medikamentös nicht einstellbarer Bluthochdruck sowie Herzrasen und Herzklopfen bei Vorhofflimmern.

Dr. Felix Mahfoud: Young Investigator Award

Dr. Felix Mahfoud wurde für seine wissenschaftlichen Arbeiten zur klinischen Anwendung der interventionellen renalen Denervation, der Verödung der Stressfasern im Bereich der Nierengefäße, bei Patienten mit medikamentös nicht einstellbarer Hypertonie (Bluthochdruck) und deren Auswirkung auf das Langzeitblutdruckverhalten mit dem Young Investigator Award ausgezeichnet.

 

 

Dr. Denise Fischer: Young Investigator Award

Dr. Denise Fischer erhielt ebenfalls für ihre wissenschaftlichen Untersuchungen hinsichtlich psychischer Faktoren, Kognition und Stresstoleranz bei Patienten mit medikamentös nicht einstellbarer Hypertonie vor und nach renaler Denervation den Young Investigator Award. Zentrales Ergebnis ist die Verbesserung psychologischer Faktoren sowie eine Reduktion der Kopfschmerzintensität nach renaler Denervation.

 

 

Dr. Dominik Linz: Young Investigator Award & Posterpreis

Dr. Dominik Linz wurde für folgende Arbeiten mit dem Young Investigator Award sowie Posterpreis ausgezeichnet. In einem Tiermodell für Schlafapnoe ging die Verödung der Stressfasern im Bereich der Nierengefäße (Nierenarteriendenervation) mit einem geringeren Auftreten von Vorhofflimmern, der häufigsten Rhythmusstörung des Menschen, einher. Außerdem konnte eine Nierenarteriendenervation deutlich die Blutdruckanstiege nach den Atemaussetzern reduzieren. Interessanterweise reduzierte eine Nierenarteriendenervation die Herzfrequenz während Vorhofflimmerns. Dies sollte deutlich das unangenehme Herzrasen und Herzklopfen (Palpationen) bei Patienten mit Vorhofflimmern vermindern.

Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass effektiv und anhaltend der Blutdruck gesenkt werden kann, sobald über den Darm mehr Kochsalz als gewöhnlich ausgeschieden wurde. Dies stellt ein mögliches Therapiekonzept für Patienten mit Bluthochdruck dar.  

 

 

Hintergrund:

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit und häufigste Todesursache in Deutschland. Viele Betroffene kennen ihr hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht und kommen oft erst dann zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn schon manifeste Gesundheitsschäden bestehen. Nur etwa 50% der Bluthochdruckerkrankungen werden entdeckt und nur 25% der Patienten werden adäquat behandelt. Eine besonders gefährliche Bluthochdruckform stellt die so genannte therapierefraktäre arterielle Hypertonie dar. Diese liegt vor wenn sich unter einer Therapie mit drei blutdrucksenkenden Medikamenten keine ausreichende Blutdrucksenkung erzielen lässt (<140/90 mmHg). Die meisten Patienten die an einer solch schweren Bluthochdruckform leiden, nehmen viele blutdrucksenkende Medikamente ein – häufig jedoch ohne merklichen Erfolg. Die Ursachen einer therapierefraktären Hypertonie sind multifaktoriell bedingt. In den meisten Fällen lässt sich keine organische Ursache, wie zum Beispiel eine Hormonstörung durch Nebennierentumore, Überfunktionen der Schilddrüse, Verengungen der Nierenarterien, etc., feststellen. Pathophysiologisch kommt der Überaktivität des Stressnervensystems (Sympathikus) sowohl bei der Blutdrucksteigerung als auch bei der häufigen Entwicklung von Endorganschäden und Begleiterkrankungen – wie beispielsweise Herzschwäche, Herzinfarkte, Nierenschwäche, Diabetes, usw. – eine entscheidende Bedeutung zu. Die sympathischen Nierennervenfasern verbinden das Gehirn mit der Niere und legen sich netzartig um die Nierengefäße. Die Regulation des Stressnervensystem ist bei Patienten mit Bluthochdruck häufig gestört und die Niere schüttet vermehrt Stresshormone wie zum Beispiel Adrenalin aus. Das überaktive Stressnervensystem macht sich unter anderem durch Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Getriebenheit, Nervosität, Kopfschmerzen, etc. bemerkbar und wird von den Patienten häufig als sehr unangenehm empfunden. Aus tierexperimentellen und klinischen Untersuchungen ist bekannt, dass die Aktivität des gesamten Stressnervensystems maßgeblich von den Nierennervenfasern bestimmt wird. Dass hier mögliche invasive therapeutische Ansätze zur Behandlung der schweren arteriellen Hypertonie liegen ist schon lange bekannt. Bis in die 1950er Jahre galt eine operative subdiaphragmatische Splanchniektomie, also eine operative Durchtrennung dieser Nervenfasern, als ultima ratio zur Behandlung des schweren Bluthochdrucks. Durch diesen großen chirurgischen Eingriff konnten drastische Blutdrucksenkungen von über 50 mmHg erzielt werden. Durch die radikale und nicht selektive Durchtrennung der Nerven kam es nach dem Eingriff häufig zu Komplikationen wie Lagerungsschwindel, kurzfristige Bewusstlosigkeit, Inkontinenz, erektile Dysfunktion und Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt. Neuerdings steht uns ein minimal-invasives Verfahren zur selektiven Verödung dieser Stressnervenfasern – die so genannte interventionelle renale Sympathikusdenervation – zur Verfügung.

 

 

Kontakt für Journalisten:

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Innere Medizin III - Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin

Direktor Prof. Dr. Michael Böhm

Tel.: 06841 / 16-23372

Fax: 06841 / 16-23369

 

www.uks.eu/kardiologie